SONDERKLASSE: Im Land der Schweinefresser

Noch vor der Fasnacht lädt das Bergbluemechörli Bächli alle zwei Jahre zu seinen Unterhaltungs- abenden in Hemberg ein. Nach Liedervorträgen folgten wie gewohnt Sketche und Schabernack.

Michael Hug
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Erst mal stand man zusammen und sang Lieder: Das Bergbluemechörli an seinem Unterhaltungsabend in Hemberg (Bilder: Michael Hug)

Erst mal stand man zusammen und sang Lieder: Das Bergbluemechörli an seinem Unterhaltungsabend in Hemberg (Bilder: Michael Hug)

Michael Hug

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Der Unterhaltungsabend begann, wie er eigentlich immer beginnt, und so beginnt auch die Berichterstattung wie stets: Der Abend begann mit vielen Liedern. Zur Eröffnung sang das Bergbluemechörli ein traditionelles Zäuerli und das Lied von Ruedi Bieri «Chomm zu üs». Dem Ruf war das Publikum schon vorab gefolgt, und es füllte die Dreieggli-Halle in Hemberg am Freitag bis fast auf den letzten Platz. Schier frenetisch applaudierten die gutaufgelegten Zuschauenden schon vom ersten Moment an den Vorträgen – wie hätte es auch anders können. Die Darbietungen waren ganz einfach Sonderklasse, da gab es nichts zu bemängeln, es blieb nur, sich gehörig darüber zu freuen, dass es derart volkstümliches, volksnahes und freiwilliges Schaffen noch gibt.

In der Gunst des Publikums

Auch im Innerrhodischen gibt es dies. Die Jakobi-Sänger aus Jakobsbad (am Samstag: Schuhplattler aus dem Allgäu) eroberten als Gäste schnurstracks ebenso geschmeidig die Gunst des Publikums. Gäste und Chörli wechselten sich im ersten Teil des Abends ab. Es folgte Lied um Ruggusseli, unterbrochen von träfen Witzen, es wurde warm in der Halle. Viel Abwechslung prägte den ersten Teil, nur einer blieb: Der junge Christian Naef. Der ausgewanderte Bächler sang in seiner angestammten Formation, dem Chörli, ebenso wie bei den Jakobi-Sängern. Letzteres, wie man vernahm, seit zwei Jahren. Und Naef war auch der «Conférencier», der die Witze zum Besten brachte – hüben wie drüben.

Der Unterhaltungsabend folgte auch diesmal seinem traditionellen Schema: Nach den Liedern kommt der unterhaltsame Teil. Der stand heuer unter dem Motto «Uuuf und devo – die Reise kann beginnen». Cyrill (Ruedi Schläpfer) machte sich auf eine Weltreise und geriet dabei in so manche Turbulenz. Den ersten Zwischenfall bekam der junge Mann aber gar nicht mit. Dass nämlich der Metalldetektor am Flughafen verrückt spielte, war ihm sozusagen egal, er wusste nicht mal, wozu das Ding gut ist, also schlüpfte er einfach durch und verschwand. In Mexiko wurde der Mann aus Bächli mit Schnaps abgefüllt, mit Marihuana vollgedröhnt und in einem sehr abenteuerlichen Taxi ins Hotel gebracht. Zwischen den Szenen stand das Bergbluemechörli immer wieder zusammen und gab ein Lied zum Besten.

Trip im Drogenwahn erlebt

Ob Cyrill seinen weiteren Trip durch Mexiko und dann durch China im Drogenwahn erlebte oder real, wurde weder ihm noch dem Publikum ganz klar. Aber seis drum, es war lustig, slapstickmässig gespielt und generierte Lachen noch und noch. Schliesslich kam der Globetrotter nach Deutschland, und weil ihn niemand verstand, musste erst mal mit anderen Eingereisten – Asylanten – in den Deutschunterricht. Da stellte er fest, dass in Berlin mehr Internationalität herrscht als auf der ganzen Welt. Schwarze, Muslime, Mexikaner und Chinesen kämpften mit der deutschen Sprache: «Aalder, bin isch Cyrill, wohn’ isch im Schweinefresserland!» heisst es da in der Multikulti-Sprache der Ber­liner.

Die Regie im Singspiel stammte von Peter Lieberherr, die Lieder wurden von Roman Bislin arrangiert, und die Rollen wurden von den Chörlimitgliedern gespielt. Das Drehbuch und die Texte hat man zusammen erarbeitet. Zu einem Höhepunkt geriet das letzte Lied des Abends, gesungen von zwei Chörli-Frauen: «Uf de andere Siite vo de Welt mues me sii das’me waiss, dasses dihai aim a nütem fäählt!» Doch heim gingen die bestens unterhaltenen Zuschauenden an den beiden Unterhaltungsabenden dann doch noch nicht. Es wurde noch bis weit nach Mitternacht getanzt und zusammengesessen in der Dreieggli-Halle, derweil andere sich beim Nachhause­kommen erst mal über den Tombolagewinn hermachten: eine Lyonerwurst.