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Hirsche sollen mittels Sonderjagd im Jagdbanngebiet dezimiert werden

Die Ausbreitung von Rotwild führt zu Konflikten zwischen Forst und Jagd. Jagdverwalter Ueli Nef entwickelt deshalb eine Strategie, um die Tiere möglichst schadensarm in die Kulturlandschaft zu integrieren.
Margrith Widmer
Die Rotwild-Population wäre ohne Sonderjagd im Jagdbanngebiet Säntis nur sehr schwer zu regulieren. (Bild: Kerstin Joensson/AP)

Die Rotwild-Population wäre ohne Sonderjagd im Jagdbanngebiet Säntis nur sehr schwer zu regulieren. (Bild: Kerstin Joensson/AP)

Um 1870 war das Rotwild in der Schweiz ausgerottet – jetzt breitet es sich wieder aus. In Appenzell Innerrhoden kommt es seit rund 50 Jahren wieder vor. Das führte zu Konflikten zwischen Forst und Jagd. Der Innerrhoder Jagdverwalter Ueli Nef entwickelte eine Strategie, um das Rotwild möglichst schadensarm in die Kulturlandschaft zu integrieren.

Negativer Wildeinfluss im Schutz- und Wirtschaftswald stand Jagdinteressen lange diametral gegenüber. Besondere Brisanz enthielt die Sonderjagd auf Rotwild im eidgenössischen Jagdbanngebiet am Säntis. Ueli Nef verfasste darüber eine Abschlussarbeit im Lehrgang «Akademischer Jagdwirt» an der Universität für Bodenkultur in Wien.

Die natürliche Wiederbesiedlung Innerrhodens durch Rotwild (Hirsch) führte in den 1990er-Jahren zu einem ersten Höhepunkt an Diskussionen um die Forst-Jagd-Problematik. 2007 scheiterte ein erster Versuch, ein Konzept zu erstellen. Der Konflikt zwischen Land- und Forstwirtschaft sowie Jagdverwaltung und Jägern schwelte weiter.

Interkantonale Zusammenarbeit

Neue Wege beschritten die Jagdverwaltungen der Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sowie St. Gallen im Jahr 2014 mit dem interkantonalen Forschungsprojekt «Rothirsch in der Ostschweiz». Sie erarbeiteten neue Grundlagen für ein gemeinsames Management der Rotwild-Population um den Alpstein. Gestützt auf die gewonnenen Erkenntnisse wurde ein Jahr später in Innerrhoden ein neuer Versuch für ein umfassendes Konzept zum Thema Forst und Jagd gestartet. Die Bevölkerung wurde mit einbezogen und das Vorgehen breit abgestützt. Das Konzept «Wald & Hirsch im Eidgenössischen Jagdbanngebiet (EJBG) Säntis und Umgebung» wurde im Januar 2018 durch die Standeskommission erlassen.

Bereits im September 2017 begann die zuständige Jagdverwaltung mit der Umsetzung jagdlicher Massnahmen. Das Rotwild-Management wurde nicht mehr nach politischen Grenzen, sondern nach einem neu definierten, ökologisch sinnvollen und kantonsübergreifenden Wildraum geplant. Im eidgenössischen Jagdbanngebiet Säntis wurden 2017 und 2018 je 40 Tiere (Kahlwild) zum Abschuss freigegeben. Dank einer disziplinierten Umsetzung durch die Jägerschaft sei es gelungen, Rotwild in einem Schutzgebiet zu jagen, ohne das Schutzziel zu gefährden, so Nef in seiner Abschlussarbeit. Die Jagd wurde eng mit freiwilliger Hegearbeit verknüpft. Die Jäger leisteten über 320 Stunden lebensraumaufwertende Arbeit; so konnte das Schutzziel sogar gestärkt werden.

Wildbeobachtungen während der Brunftzeit

Wildbiologisch sinnvolle Lösungen wurden auch ausserhalb des Jagdbanngebiets umgesetzt. Der Jagdbeginn in den beiden Patentkantonen Ausserrhoden und Innerrhoden wurde synchronisiert. In Innerrhoden wurde 2018 die Hochjagd auf Rotwild zum ersten Mal zu Gunsten einer Intervall-Pause unterbrochen. Um den Rothirsch bekannter zu machen, wurden geführte Wildbeobachtungen während der Brunftzeit organisiert. Schon nach einer kurzen Umsetzungszeit entspannte sich die Lage punkto Forst und Wald. Umfragen bei Jägern, Landwirten und Waldeigentümern ergaben grössere Zufriedenheit bei Jägern und Waldeigentümern und noch Zurückhaltung bei den Bauern. Für die 1990er-Jahre hatte der kantonale Forstdienst im Wissbachtal eine durch Rotwild verursachte Schadenssumme von 235000 Franken ermittelt. Anhand des Bewegungsmusters einer Hirschkuh, das mit Hilfe von GPS erstellt wurde, zeigt Ueli Nef auf, wie sich das Rotwild dem Jagddruck entzieht: Ab dem zweiten Tag der Hochjagd hielt sich die Hirschkuh tagsüber ausschliesslich im Jagdbanngebiet auf. Nachts verliess sie das geschützte Gebiet; vor Tagesanbruch kehrte sie zurück.

Das Jagdbanngebiet Säntis wurde im Jahr 1876 eingerichtet, erstreckt sich über Ausserrhoden und Innerrhoden und ist 25,9 Quadratkilometer gross. Davon liegen 17,2 Quadratkilometer auf Innerrhoder Boden. Jagdbanngebiete wurden geschaffen, um die Bestände von Gämsen, Rot-, Reh- und Steinwild zu schützen.

Ueli Nef geht in seiner Arbeit davon aus, dass das Rotwildmanagement dank bedachter Bejahung innerhalb des eidgenössischen Jagdbanngebiets ökologische, wildbiologische und sozialökonomisch positive Auswirkungen haben werde. Um längerfristig eine möglichst natürliche Alters- und Sozialklassen-Struktur und das genetische Potenzial zu erhalten, wurde die Schonung des mittelalten und starken männlichen Rotwilds im gesamten Wildraum vorgesehen. Die, weil Zählungen ergaben, dass sich das Geschlechtsverhältnis in dem Wildraum stark zu Gunsten weiblicher Tiere verschoben hatte. Das Wachstum einer Population hängt davon ab, wie viele weibliche Tiere im Verhältnis zu männlichen Tieren in einem bestimmten Zeitraum geboren werden. Bereits 2016 beschlossen die Jagdverwalter beider Appenzell und des Kantons St. Gallen, auf Initiative von Nef, eine Stabilisierung des Bestands und eine Korrektur der Geschlechterverhältnisse.

Weniger Trophäenjagd

Damit nicht zu viele mittelalte und alte Hirsche erlegt werden, ist die Anzahl der Abschüsse starker Trophäen-Träger im Wildraum kontingentiert. Im Jagdbanngebiet und während der Sonderjagd auf Rotwild darf ausschliesslich Kahlwild erlegt werden. Um das Wild möglichst wenig zu stören, wird die Sonderjagd auf Rotwild seit 2016 in Form einer «offenen Sonderjagd» durchgeführt, die nur an neun Vormittagen – und nicht mehr in den Abendstunden stattfand. Diese erwies sich im Jahr 2017 mit einem Abschuss von 20 Tieren an nur neun halben Tagen als sehr effizient.

Waldbesitzer fanden, die Abschüsse im Banngebiet hätten zu einer merklichen Entspannung in der angespannten Wald- und Wildsituation geführt. Landwirte waren eher bereit, beispielsweise Stacheldraht zu entfernen. Ueli Nef kommt in seiner Arbeit zum Schluss: Die Rotwild-Population rund um den Säntis wäre ohne mindestens zeitweise Bejagung des Jagdbanngebiets nur sehr schwer zu regulieren.

Hinweis:

Der Autor, Ueli Nef, übernahm 2013 die Leitung der Innerrhoder Jagd- und Fischereiverwaltung. Zuvor war er acht Jahre lang als Nationalparkwächter tätig. Seine Arbeit soll als Leitfaden und Nachschlagewerk für Behörden, Jäger und weitere Personen mit jagdplanerischen Aufgaben dienen und den Weg zur Entflechtung von Spannungen im Sektor Forst und Jagd aufzeigen. Indem neue Wege des Rotwildmanagements erörtert werden, soll die Arbeit ausserdem als Handbuch für den jagdlichen Umgang mit Rotwild dienen. http://www.jagdwirt.at/Desktop Modules/ContentList/Uploads/AA_Rotwildmanagment%20CH_Nef.pdf

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