SOMMERAKTION: Musikalische Verbundenheit

Ob Hackbrettler, Streicher, Chorsänger oder Stegreifler, das Musizieren verbindet weit über die Grenzen hinaus. Die traditionelle Appenzeller Musik erneuert und wandelt sich stetig.

Andy Lehmann
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Die Geschwister Küng musizieren am Neujahrskonzert gemeinsam mit dem Chor über dem Bodensee. (Bild: PD)

Die Geschwister Küng musizieren am Neujahrskonzert gemeinsam mit dem Chor über dem Bodensee. (Bild: PD)

Andy Lehmann

andreas.lehmann@appenzellerzeitung.ch

Die Appenzeller Musik ist eigenständig und traditionsbewusst. Dennoch verschliesst sie sich nicht und lässt auch Platz für ­Experimente. Dies bestätigt auch Johann Inauen vom Engel-Chörli Appenzell: «Es ist gefährlich, wenn man sich nicht weiterentwickelt, Neues entdeckt und ausprobiert. Musik muss leben.»

Wenn heute von der Appenzeller Musik die Rede ist, dann meint man gemeinhin die Streichmusik. Sie ist tatsächlich ihr markantester Eckpfeiler und wichtigste Grundlage, ist dem Buch «Appenzellische Volksmusik» zu entnehmen. Sie ist es aber auch, die weitere Tore öffnet und Platz macht für andere Instrumente und Stilrichtungen, welche auch Variationen in der Spielpraxis zulassen.

Geschwister Küng, Alder, Bänziger, Edelweiss sind nur einige von zahlreichen Streichmusikformationen in Ausser- und Innerrhoden. Einige von ihnen experimentieren mit anderen Stilrichtungen. Sie alle bleiben aber stets ihren Wurzeln treu und pflegen das Traditionelle nach wie vor.

Als bekannteste Streichmusik gilt die Urnäscher Formation ­Alder. Die Alder respektive die Ursprungsformation Urnäscher Streichmusik besteht seit nunmehr 133 Jahren. Sie ist somit die älteste Musikantendynastie im Appenzellerland. Sie spielt bereits in der fünften Generation und gilt als weltweiter Botschafter mit hohem Bekanntheitsgrad. Auch die Streichmusik Alder hat schon experimentiert. Mit dem Rapper Bligg und dem Titel «Volksmusigg» schaffte sie die Nominierung zum Finale «Die grössten Schweizer Hits 2008».

Die Geschwister Küng experimentieren gerne, fühlen sich aber stets der Heimat und dem musikalischen Erbe verbunden. Sie arbeiteten unter anderem am Freilichttheater «450 Jahre Dorfbrand von Appenzell» mit. Ebenso wirkten sie im Film «z’Alp» von Thomas Rickenmann mit. Die Familienkapelle beteiligte sich an Gemeinschaftsprojekten mit verschiedenen Chören und Formationen anderer Stilrichtungen. Tourneen führten sie bis Japan und China.

Die Geschwister Küng sind gern gesehene musikalische Gäste in Fernsehsendungen und sie wurden mehrfach für ihr musikalisches Schaffen ausgezeichnet. Sie bearbeiten Titel ihrer Vorgänger und schaffen es, aus Altbekanntem Neues zu schaffen und tun dies stets mit dem nötigen Respekt vor dem Original, wie es auf ihrer Homepage heisst. Es wird aber nicht nur über die Landesgrenzen hinaus gemeinsam musiziert. Dies bestätigt auch Christian Manser vom Innerrhoder Tanzmusikantenverband. Ihn freue es jeweils, wenn sich nach der Hauptversammlung eine Ad-hoc-Formation bilde, die gemeinsam musiziere, also «ufmacht». Konkurrenzdenken sei ihnen fremd.

Dass Musik verbindet und Erneuerung für die Zukunft wichtig ist, haben hier genannte Formationen, stellvertretend für alle anderen, bewiesen. Trotzdem konnten wirkliche Einflüsse aus dem Jazz, der irischen oder ungarischen Volksmusik die Appenzeller Musik nur marginal beeinflussen.