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SOMMERAKTION: Brücken zur Überwindung von Gräben

In unserer Gegend haben Brücken eine hohe Bedeutung. Sie verbinden Dörfer und Städte miteinander. Vor allem im Sittertobel gibt es diverse Zeugen von Pioniergeist und Baukunst.
Patrik Kobler
Die Haggenbrücke, im Volksmund Ganggelibrugg genannt, zwischen St. Gallen-Haggen und Stein wurde 1937 eröffnet. Hier eine Aufnahme von 1949. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich/Fotograf: Werner Friedli)

Die Haggenbrücke, im Volksmund Ganggelibrugg genannt, zwischen St. Gallen-Haggen und Stein wurde 1937 eröffnet. Hier eine Aufnahme von 1949. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich/Fotograf: Werner Friedli)

Patrik Kobler

patrik.kobler

@appenzellerzeitung.ch

Man kann sich heute nur mehr schwer vorstellen, wie beschwerlich das Reisen gewesen sein muss, bevor Brücken die Menschen miteinander verbunden haben. Heute fahren wir bequem über die tiefen Schluchten hinweg und machen uns gar keine grossen Gedanken dar­über, so selbstverständlich ist es. Um die Anstrengungen wieder ins Bewusstsein zu rufen, müsste der Landammann vielleicht einmal eine Art Übung ausrufen und einen Tag lang alle Brücken für die Bevölkerung sperren. Man stelle sich all die Leute vor, die beschwerlich ins Tobel hinuntersteigen müssten, um zum Arbeiten oder Einkaufen in die Stadt St. Gallen zu gelangen. Wahrscheinlich würden viele zu Hause bleiben, statt den Weg auf sich zu nehmen.

Nasse Füsse muss sich im Sittertobel allerdings längst keiner mehr holen. In den Geschichtsbüchern ist nachzulesen, dass der Saumweg von Herisau und Hundwil seit alten Zeiten auf der «Grossen Brücke» in Zweibruggen die Sitter überquerte. Die von Baumeister Hans Jörg Altherr 1787 erstellte «Hüslibrücke» ist bis zum heutigen Tag genauso erhalten geblieben wie die «Kleine Brücke» in Zweibruggen über den Wattbach. Von hier aus führte einst ein gefährlicher Weg über die sogenannte Hundwiler Leiter mit gut 360 Tritten hinauf nach St. Gallen-Haggen. 1884 erfolgte ein erster Anstoss für eine bessere Anbindung zum Textilzentrum St. Gallen. Es dauerte dann allerdings über 50 Jahre bis am 31. Oktober 1937 die Haggenbrücke eingeweiht werden konnte. Gemäss Aufzeichnungen strich auch der damalige Festredner, Gemeindeschreiber Schläpfer, das Verbindende hervor, indem er den Brückenschlag in schwierigen Zeiten als symbolische Aufforderung zur Überwindung politischer Gegensätze im gemeinsamen Zusammenwirken würdigte.

Im Volksmund wird die Haggenbrücke auch Ganggelibrugg genannt. Ursprünglich war die Brücke auch für den Automobilverkehr gedacht. An der Einweihungsfeier versetzten die Menschenmassen sie aber bedrohlich in Schwingung. Wegen der Zweifel über ihre Tragsicherheit untersuchte ein ETH-Professor das Bauwerk hinsichtlich Konstruktion und Statik, mit dem Ergebnis, dass im Jahre 1939 einzelne Bauteile verstärkt und die Nutzlast beschränkt wurde. Das Schwingungsverhalten verbesserte sich dadurch aber kaum. Die Brücke durfte in der Folge nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung befahren werden und diente seither vor allem als Fuss- und Veloverbindung. Dem Buch «250 Jahre Gemeinde Stein AR» ist zu entnehmen, dass sich Ende der 1950er-Jahre gerne eine Arzneifirma ansässig gemacht hätte, wenn der Autoverkehr auf der Brücke frei gewesen wäre. Der Gemeinderat unternahm deshalb Anstrengungen, von der Stadt St. Gallen die Freigabe zu erhalten. Trotz Unterstützung des Anliegens durch Innerrhoden und die ausserrhodische Baudirektion blieb der Stadtrat St. Gallen hart. Wie das Gebiet wohl heute aussehen würde, wenn er anders entschieden hätte?

Sitterviadukt der SOB gilt als Meisterleistung

St. Gallen zählt zu den brückereichsten Städten der Schweiz. Besonders gut erleben lässt sich das auf dem Brückenweg, der vom Bahnhof Haggen zur Spisegg führt. 18 Brücken lassen sich auf der gut 7,5 Kilometer langen Strecke erleben. Von der Hüslibrücke führt der Weg zur Kubelbrücke. Es handelt sich neben der «Sprechenden Brücke» bei Hundwil um die einzige erhaltene Brücke des Baumeisters Johann Ulrich Grubenmann. In unmittelbarer Nähe liegen die 1800 vom Kloster St. Gallen gebaute Holzbrücke über die Sitter sowie die 1910 eröffnete Eisenbahnbrücke der Südostbahn. Mit 99 Metern Höhe ist sie die höchste normalspurige Eisenbahnbrücke der Schweiz. Die Konstruktion aus Stein und Eisen ist eine Meisterleistung. Das gilt insbesondere für den 120 Meter langen und 920 Tonnen schweren Zwischenträger. Er wurde im Freivorbau in luftiger Höhe über einem Holzgerüstturm montiert.

Die Grenze zwischen den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden verläuft unter der Brücke; ein Teil des Sitterviadukts befindet sich auf Stadt- und der andere auf Herisauer Gebiet. Da fragt man sich, wo der einstige Pioniergeist geblieben ist. Heute wird in Herisau 30 Jahre lang über den grossen Wurf diskutiert, bevor am Obstmarkt drei Blumenkübel verschoben werden. Aber das ist ein anderes Thema.

Natürlich übernehmen Brücken auch für die innerkantonale Verbindung eine wichtige Rolle. Man denke hierbei etwa an die Gmündentobelbrücke oder die Hundwilertobelbrücke. Im Gmündentobel zwischen Stein und Teufen stand an der gleichen Stelle bereits 1710 bis 1860 eine alte Holzbrücke. Als dann in den Jahren 1907/08 die heute noch bestehende Brücke erstellt wurde, galt sie als eine der modernsten. Sie verfügte auch über den längsten Betonbogen Europas. Mit der Hundwilertobelbrücke zwischen Waldstatt und Hundwil hatte sie einst eine baugleiche Schwester. Diese wurde aber Anfang der 1990er-Jahre durch einen Neubau ersetzt und 1993 gesprengt.

Brücken verbinden uns nicht nur mit anderen Menschen. Sie sind auch ein faszinierender Teil der Geschichte unserer Region.

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