Herisau
Die Christen der methodistischen, katholischen und reformierten Kirche spannen zusammen und sammeln für Bauernfamilien in Haiti

Ernteausfälle, Korruption und Naturkatastrophen – Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Landbevölkerung ist am stärksten betroffen. Fastenopfer – das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken der Schweiz – setzt den Inselstaat ins Zentrum des diesjährigen Projekts. Am Sonntag findet in Herisau ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Alessia Pagani
Drucken
Teilen
Der Inselstaat Haiti wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. Besonders schwerwiegend waren die Folgen von Hurrikan Matthew 2016. Alleine im Süden Haitis zerstörte er mindestens 29'000 Häuser.

Der Inselstaat Haiti wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. Besonders schwerwiegend waren die Folgen von Hurrikan Matthew 2016. Alleine im Süden Haitis zerstörte er mindestens 29'000 Häuser.

Rebecca Blackwell / AP

Die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern steht hierzulande ganz im Zeichen der Solidarität. Dazu ruft jedes Jahr das Schweizer Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken «Fastenopfer» auf. Die Landeskirchen sammeln jeweils Spenden und organisieren ökumenische Anlässe. Auch in Herisau spannen in diesem Jahr wieder die methodistische, die katholische und die reformierte Kirche zusammen und organisieren am Sonntag einen gemeinsamen Gottesdienst in der katholischen Kirche.

Die diesjährige Kampagne von Fastenopfer steht unter dem Leitmotiv «Klimagerechtigkeit – jetzt» und unterstützt ein Projekt in Haiti. Mit innovativen Methoden sollen Armut und Hunger bekämpft werden und die Lebensbedingungen für über 8000 Personen in den ärmsten ländlichen Regionen verbessert werden.

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Es zählt etwa elf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Misswirtschaft ist für sie an der Tagesordnung. Zu politischen Unruhen kommen Naturkatastrophen hinzu. Die Folgen treffen die Ärmsten am stärksten.

Haiti ist eines der Länder, das am meisten unter dem Klimawandel leidet. Wirbelstürme ziehen regelmässig übers Land. Immer wieder kommt es zu verlängerten Dürreperioden oder es fällt Regen in Zeiten, in denen es normalerweise trocken ist. Beides führt zu Ernteausfällen. Die Bäuerinnen und Bauern können kaum mehr einschätzen, wann der richtige Zeitpunkt zur Aussaat ist. Gemäss der Aussage von Fastenopfer ist die Ernährung von 3,6 Millionen Menschen gefährdet.

Mit Spargruppen Weg aus der Verschuldung finden

Das Projekt ist denn auch stark darauf ausgerichtet, die Menschen zu unterstützen, damit diese ihre Grundbedürfnisse aus eigener Kraft decken können. Dabei stehen zwei Ansatzpunkte im Zentrum: Einerseits werden Bauernfamilien geschult, verbesserte landwirtschaftliche Methoden einzusetzen, um die Erträge zu steigern und dem Klimawandel zu trotzen. Es werden Misch- statt Monokulturen angebaut, trockenheitsresistentere Pflanzen verwendet und Hecken oder Bäume gepflanzt, um die Erosion bei Starkregen zu verhindern.

Andererseits legen sie ihr Geld in Spargruppen zusammen, um so dem Kreislauf der Verschuldung zu entkommen. Die Mitglieder legen jeden Monat individuell einen kleinen Betrag in eine gemeinsame Kasse. Mit dem Gesparten helfen sie sich in Notfällen gegenseitig aus oder ermöglichen sich kleine Investitionen. Mittlerweile haben einige bereits bestehende Spargruppen die Solidarität erweitert und lagern Saatgut ein oder legen Gemeinschaftsfelder an. Ziel des Fastenopfer-Projekts ist es, dass mit den Spenden 500 Personen an einer Ausbildung teilnehmen und 6000 sich in Spargruppen organisieren.

Am Gottesdienst vom Sonntag stellt Josef Schmid das Projekt vor. Eine Lehrerkombo der Musikschule Herisau umrahmt den Gottesdienst mit lateinamerikanischen Rhythmen und passenden Bildern. Der Gottesdienst wird zeitgleich auf der Leinwand im reformierten Kirchgemeindehaus übertragen.

Hinweis:
Ökumenischer Gottesdienst zur Fastenaktion 2021: Sonntag, 28. Februar, 10 Uhr, katholische Kirche Herisau. Spenden an Postcheck-Konto 60-19191-7 mit Vermerk «Projekt Haiti 134290»