Solardorf weiht eigene Anlage ein

Meilenstein für den vor zwei Jahren gegründeten Verein Solardorf Rehetobel: Auf einem gemieteten Dach kann eine eigene Stromanlage eingeweiht werden, und die Solaranlage auf dem Gemeindezentrum wird in Betreuung übernommen.

Hanspeter Strebel
Drucken
Teilen
Erste vereinseigene Solarstromanlage auf dem gemieteten Hausdach an der Bürgerheimstrasse. (Bild: pd)

Erste vereinseigene Solarstromanlage auf dem gemieteten Hausdach an der Bürgerheimstrasse. (Bild: pd)

REHETOBEL. Vor zwei Jahren machte Rehetobel landesweit Schlagzeilen mit der Ankündigung, das erste Schweizer Solardorf werden zu wollen. Vier Tage vor der seit längerem angesagten Gründungsversammlung eines Vereins, der die auf dem Leitbild der Gemeinde basierende Idee verwirklichen sollte (siehe Kasten) geschah das Reaktorunglück von Fukushima, was natürlich der Frage nach Alternativenergien zusätzlichen Schub verlieh. Rund 70 Gemeindeeinwohner entschlossen sich spontan zur Vereinsmitgliedschaft. Auch die Gemeinde ist dabei. Inzwischen zählt der Verein rund 150 Mitglieder und hat in den zwei Jahren verschiedene Aktivitäten durchgeführt, wie Präsident Christian Eisenhut und Vorstandsmitglied Gabriela Gehr an einer Medienorientierung eine Bilanz zogen.

Freifläche nicht mehr prioritär

Vor allem hat sich eine kleine Arbeitsgruppe mit der Frage einer grossen Freiflächenanlage auseinandergesetzt, die zunächst im Vordergrund der Ideenverwirklichung stand. Aussagen, dass die Fläche von einigen Fussballfeldern nötig wäre, um das Ziel einer stromautarken Gemeinde zu erreichen, schreckte sofort die Landschaftsschützer auf.

Darauf beschloss der Verein, diese Option etwas zurückzustellen und nicht mehr prioritär zu verfolgen, zumal Abklärungen über mögliche Standorte, Rahmenbedingungen und Kosten ergaben, dass auch ein grosses Potenzial an nutzbaren Dachflächen bestünde. Hier wären Solaranlagen einfacher und kostengünstiger und wohl auch mit mehr Akzeptanz realisierbar.

Es gebe aber keinen Grund, ganz auf das Projekt einer Grossfläche zu verzichten, machten Christian Eisenhut und Gabriela Gehr klar. Es sei gut vorstellbar, mit den bereits gesammelten Erfahrungen diese Option wieder weiterzutreiben.

Dreimal weniger Energie

Motivation für den Verein ist die Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft. Konkret für die Gemeinde heisse das, dass Rehetobel langfristig mit dreimal weniger Energie auskommen und den Co2-Ausstoss um nicht weniger als das Zehnfache reduzieren müsse. Das bedeutet, dass Strom und Wärme deshalb zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen müssen, da beispielsweise die Mobilität vermutlich bereits den erlaubten Co2-Ausstoss beinhalten würde.

Im Mai 2012 hat der Verein ein Geschäftsmodell für Produktion und Verkauf von Strom verabschiedet. Über Darlehen finanzierte, gemietete Dachflächen sollen die Produktion von Solarstrom ermöglichen, der an Bezüger im Dorf verkauft wird. Die erste Anlage an der Bürgerheimstrasse ist bereits in Betrieb. Dazu hat der Verein die Betreuung der Solaranlage auf dem Gemeindezentrum übernommen und den Verein Appenzeller Energie abgelöst.

Aktuelle Nachrichten