So viele Hirsche wie noch nie

REGION. Der Bestand an Rothirschen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Deshalb hat die Toggenburger und Werdenberger Jägerschaft auch dieses Jahr wieder ein hohes Abschussziel zu erreichen.

Katharina Rutz
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Ein früher Wintereinbruch würde auch diesem Steiner Jäger die Pirsch auf Rothirsche erleichtern. (Bild: Luca Linder)

Ein früher Wintereinbruch würde auch diesem Steiner Jäger die Pirsch auf Rothirsche erleichtern. (Bild: Luca Linder)

Noch einen Monat Zeit haben die Jäger. Bis Mitte Dezember müssen in der Rotwild-Hegegemeinschaft 1 genau 501 Hirsche erlegt werden. Ende Oktober wies die Statistik des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei genau 281 erlegte Tiere aus. Damit sind die Jäger der Gebiete Werdenberg, Obertoggenburg (Wildhaus-Alt St. Johann und Nesslau), See/Gaster und Seeztal in der Pflicht.

Hirschjagd ist schwierig

Einfach gestaltet sich die Jagd auf Rotwild allerdings nicht. Hirsche sind schlau und vor allem gegen Ende der Jagdsaison wird es immer schwieriger, Hirsche zu erlegen. «Mit zunehmendem Jagddruck weiss das Rotwild ganz genau, dass es besser erst bei völliger Dunkelheit offene Flächen betritt, um zu fressen», weiss Urs Büchler, selber ein erfahrener Rotwild-Jäger. Mit der Umstellung auf die Winterzeit sind die Abende zudem laufend kürzer geworden. Für berufstätige Jäger beschränkt sich somit die Möglichkeit der Jagd auf den Samstag.

Hat ein Jäger dann einen Hirsch vor der Büchse, kann er nicht einfach wahllos abdrücken. Damit der Bestand gezielt reguliert werden kann, ist es wichtig, ebenso viele weibliche wie männliche Tiere zu erlegen. Will man den Zuwachs verringern, ist es gar nötig, mehr weibliche als männliche Tiere zu schiessen.

Bestand hat sich verdoppelt

«Der Bestand an Hirschen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, so dass es vermehrt zu Konflikten mit der Land-, Alp- und Forstwirtschaft wegen Wildschäden an Kulturland oder an Bäumen kommt», sagt Urs Büchler. Deshalb sei es nun die Aufgabe der Jäger, regulierend einzugreifen. «Denn auch der Lebensraum der Tiere stösst irgendwann durch Übernutzung an seine Grenzen», sagt der Wildhüter auf Anfrage gegenüber dem W&O.

Von den bis Ende Oktober erlegten Tieren entfielen 160 Hirsche auf das Werdenberg und 73 Hirsche auf das Toggenburg. «Dabei haben die Jäger das geforderte Geschlechterverhältnis bei ihrem Abschuss bisher sehr gut berücksichtigt», lobt Urs Büchler. Vor allem den Werdenberger Jagdrevieren ist ein hoher Abschuss auferlegt. Doch Silvan Eugster, der zuständige Wildhüter, ist zuversichtlich. «Prozentual liegt der Abschuss im Bereich der Vorjahre um diese Zeit», sagt er.

Da der Abschuss dieses Jahr so hoch ist, ist die Zahl an bereits erlegten Tieren im Vergleich zu Vorjahren ebenfalls höher. «Für die Jagd optimal wäre nun ein früher Wintereinbruch, damit die Hirsche in ihre Winterlebensräume ziehen», hält Eugster des weiteren fest.

Auf Winter hoffen

Damit die Jäger das hohe Abschussziel erreichen können, sei es nun wichtig, den hohen Jagddruck aufrechtzuerhalten», sagt Wildhüter Urs Büchler. Auch er hofft auf einen frühen Wintereinbruch. «Kommen die Hirsche aus den Hochlagen ins Tal, sind sie für kurze Zeit noch weniger scheu. Dann können die Jäger noch von einem gewissen Überraschungseffekt profitieren», so Büchler. Zudem würden die Hirsche dann auch in andere Reviere ziehen, wo die Jäger vorher nur wenige Hirsche jagen konnten. «Dies ist dann eine zusätzliche Motivation für die Weidmänner.»

Die Jagd dauert im Kanton St. Gallen noch bis zum 15. Dezember. Ist der Abschuss bis dann noch nicht erreicht, besteht die Option, die Jagd auf Rotwild bis zum 31. Dezember zu verlängern.