So gross wie ein Fussballfeld

Der Gemeinderat Herisau weist Einsprachen gegen den Migros-Neubau ab. Er will eine Abwanderung des Supermarkts an die Peripherie verhindern. Kritiker bezeichnen das Bauprojekt weiterhin als «enorm» und «überdimensioniert».

Michael Genova
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Für den Migros-Neubau müsste der Mammutbaum im Vordergrund gefällt werden – der Gemeinderat attestiert ihm eine «mässig gute Vitalität». (Bild: mge)

Für den Migros-Neubau müsste der Mammutbaum im Vordergrund gefällt werden – der Gemeinderat attestiert ihm eine «mässig gute Vitalität». (Bild: mge)

HERISAU. Der Mammutbaum, der geschützte Brühlhof und das Volumen des Bauprojektes: Das sind die Kritikpunkte von vier Gruppen, die sich gegen den Migros-Neubau in Herisau wehren. Der Gemeinderat hat nun drei der vier Einsprachen vollumfänglich abgewiesen. Der Brühlhof habe für das Ortsbild keine grosse Bedeutung mehr, der Mammutbaum verfüge über eine «mässig gute Vitalität», und eine viergeschossige Kernzone sei vertretbar, da umliegende Gebäude wie das Metrohmareal ähnlich hoch oder höher seien, schreibt der Gemeinderat. In seiner Güterabwägung gewichte er deshalb den Schutz des Brühlhofs und des Baumes geringer als die Sicherung eines Migros-Marktes im Dorfzentrum. «Eine Verlagerung der Migros an die Peripherie wäre fatal für den Ortskern und seine Läden.»

Grösstes Gebäude im Dorf

Denkmalpfleger Fredi Altherr sagt, er könne die Güterabwägung des Gemeinderates nicht nachvollziehen. «Ich bin nicht neben der Waage gestanden; ich weiss nicht, wer mit welchen Kriterien etwas gewogen hat.» Altherr kritisiert das «enorme Volumen», das ortsbaulich nur schwer verdaulich sei. Etwa die Hälfte des Raumes werde für Partnergeschäfte und Wohnungen verwendet und nicht für die Migros. Mit dem Neubau entstünde im Dorfzentrum das mit Abstand grösste Gebäude. Er unterstütze einen Neubau am bestehenden Ort, fordere aber eine Reduktion des Bauvolumens.

Auch Paul Knill, Architekt in Herisau, spricht von einem «aufgeblasenem Bauvorhaben». Die neue Migros werde so gross wie ein Fussballfeld. Knill prophezeit: «Die Ladenflächen für Partnergeschäfte werden das Zentrum nicht befruchten, sondern aussaugen.» Die Migros habe in der Vergangenheit bewiesen, dass es für ihre Bedürfnisse auch kleiner ginge. Zum Brühlhof sagt Knill: «Das Gebäude hat sich seit Jahrzehnten in der Nachbarschaft der Migros und der Metrohm behauptet.» Ausserdem habe sich der Stil des Hauses nicht mehr verändert, seit es unter Schutz gestellt wurde. Vom Gemeinderat wünscht sich Knill, dass er gegenüber der Migros selbstbewusster auftrete.

«Viele werden erschrecken»

Bereits vor vier Jahren bezeichnete Anwohnerin Yvonne Dall'O in einer Protestaktion den Neubau als überdimensioniert. «Wenn er erst einmal steht, werden viele erschrecken.» Der Grossverteiler könne sich ein kluges Gebäude nur für sich leisten, sagt sie. «Die Migros muss sich nicht über Geschäfte und Wohnungen quersubventionieren.» Yvonne Dall'O bezweifelt, dass es in Herisau für die zusätzlichen Flächen überhaupt eine Nachfrage gebe. «Das Metrohmareal ist nicht ausgelastet, und beim ehemaligen Schulhaus Bahn entsteht eine weitere Überbauung.» Sie ist überzeugt, dass eine andere Lösung möglich wäre, und verweist auf eine frühe Studie des Architekturbüros Keller Hubacher. Wenn die Migros auf Flächen verzichte, könne man auch den Mammutbaum und den Brühlhof bewahren, so Dall'O.

Andreas Bühler, Sprecher der Migros Ostschweiz, zeigte sich in einer ersten Reaktion erfreut über den Entscheid des Gemeinderates. Zurzeit verhandelt die Migros über den Bau eines Provisoriums auf dem Walker-Areal. «Eine Einigung ist noch nicht erzielt, aber wir stehen in fortgeschrittenen Gesprächen mit den Eigentümern», so Bühler.

Am 6. Mai berät der Einwohnerrat über den Teilzonenplan und die Schutzaufhebung für den Brühlhof und den Mammutbaum. Der Entscheid unterliegt dem fakultativen Referendum und muss vom Regierungsrat genehmigt werden.

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