Snowland.ch-Senioren hören auf

Nach der neunten Saison ist für die Snowland.ch-Mitbegründer Marco Bleiker und Andreas Roth der Zeitpunkt gekommen, sich als Organisatoren der Freestyle-Community zurückzuziehen. Unter ihrer Federführung ist aus dem Traum von vier jugendlichen Snowboardern eine Szene entstanden.

Olivia Hug
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Wildhaus. Am Samstag geht die aktuelle Snowland.ch-Saison überaus geschmacklos zu Ende. Die «Bad Taste Party» in der Gräppele Bar, die auf die «Burton Springsession» folgt, stellt für das Team des Schneelandes einen besonderen Abschluss dar: Die langjährigen Mitglieder und letzten verbliebenen Gründer des Vereins, Marco Bleiker und Andreas Roth, übergeben das Zepter an die nächste Generation.

Etwas wehmütig blicken sie auf neun Jahre Snowland zurück, doch sei nun der richtige Zeitpunkt, wie Marco Bleiker erklärt. Er schliesst in Kürze sein Studium ab und wird in der Berufswelt Fuss fassen, während es Andreas Roth in die Zentralschweiz zieht, wo er sich intensiver dem Eventmanagement auf kultureller Ebene widmen will.

Snowland ist in den vergangenen Jahren ein fester Bestandteil ihres Lebens geworden, nach dem sie sich gerichtet und mit dem sie eine Plattform für Freeskier und Snowboarder aus einem grossen Umkreis geschaffen haben.

Vom Hobby zum Geschäft

«Die Gemeinschaft ist das Grösste, was Snowland erreicht hat. Ein riesiger Freundeskreis ist entstanden», erzählt Andreas Roth.

Im Jahre 2001, als er sich als 17-Jähriger mit seinen Freunden Marco Bleiker, Raphael Saxer und Daniel Thum in den Kopf setzt, mehr Möglichkeiten für ihr Hobby zu schaffen, glaubt er nicht an den Erfolg des Schneelandes. Damals war es ihr Traum, einmal in einem Freestyle-Magazin erwähnt zu werden. Heute, da die angefressenen Snowboarder nicht mehr von Hand Schnee zusammentragen und eine Musikanlage auf die Piste schleppen müssen, ist Medienpräsenz eine Selbstverständlichkeit.

«Und einige Leute aus dem Dorf hatten sogar darum gewettet, ob wir es schaffen oder nicht.» Die Zweifler werden eines Besseren belehrt und Snowland schafft es, sich so fest zu etablieren, dass es 2006 als eigenständige Abteilung in die Bergbahnen Wildhaus AG integriert wird. Mit diesem Meilenstein schliesst sich das Kapitel der Anfragen um finanzielle Unterstützung von der Gemeinde, von Stiftungen oder von Privatpersonen.

Volle Pisten und Häuser

Dass die vier jungen Männer nicht die einzigen Freestyler der Region waren, zeigte sich schnell. Schon der erste Event lockte rund 40 Personen auf die zum Funpark umgestaltete Piste. Zwei Jahre später füllte die erste Snowland-Afterparty im Kraftwerk das ganze Haus. 2009 schliesslich besuchten 500 Freeskier und Snowboarder den viertägigen, erstmals durchgeführten, Warmtobel Jam. «Es funktionierte immer so, wie wir es vorgesehen hatten», fasst Andreas Roth zusammen.

Nur selten konnte wegen schlechten Wetterverhältnissen ein Event nicht wie geplant stattfinden. An den Erfahrungen sind die beiden klüger geworden, mit steigenden Besucherzahlen und professionelle Unterstützung durch Sponsoren wie Burton, Head oder Vans ist Snowland.ch gewachsen. Zentrum davon ist der Funpark mit über 20 Hindernissen und der Chillout-Zone für Spiel, Musik und Grill. Ein Highlight für die Funpark-Besucherinnen und -Besucher stellen die regelmässigen Contests dar.

Im Anschluss darauf findet jeweils eine Party statt. Dafür konnte Snowland das Krummenauer Kraftwerk, das Krempel in Buchs sowie die Gräppele Bar und die Bankk in Wildhaus als wichtige Partner gewinnen. Als fester Bestandteil der Bergbahnen organisiert Snowland auch Lawinen- oder Freestyle-Kurse.

Abwechslungsreiches Line-up

Obwohl die meisten Events im Funpark Hundertscharen von Besucherinnen und Besuchern anziehen, wollen die zwei Initianten möglichst jedes Jahr etwas anderes anbieten.

«Wir mögen keine Fixpunkte. Unser Programm ist so kurzlebig wie die Szene», sagt Marco Bleiker. So scheuen sie nicht davor, etwas aus dem Programm zu werfen, was im Vorjahr beliebt war. «Die Leute sind zwar erst enttäuscht, dafür bleibt ihnen der Event als gelungen im Gedächtnis», fügt Andreas Roth an.

«Ein noch dichteres Programm als wir es diese Saison hatten, ginge wohl gar nicht», meint er weiter – jedenfalls für den Winter. Marco Bleiker und ihm mangelt es nicht an Ideen für Sommerangebote.

Ein Event oder eine fixe Strecke für Mountainbiker schwebt ihnen vor. «Ein gut eingerichteter Mountainbike-Parcours wäre das richtige Angebot, um unsere Zielgruppe auch im Sommer ins Toggenburg zu locken», ist Andreas Roth überzeugt. Doch würden sie sich auch noch in den warmen Monaten damit auseinandersetzen, wäre ihre Arbeit zu einer ganzjährigen Anstellung geworden. Was das künftige Snowland.ch-Team in Planung hat, überlassen die Urgesteine voll und ganz ihnen.

Nach neun Jahren könnten Marco Bleiker und Andreas Roth dann wieder als Gäste an den Berg kommen und sich auf das konzentrieren, was sie zur Gründung von Snowland bewegte – das Fahren.

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