Smart Home

Brosmete

Peter Abegglen
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Die Zukunft im trauten Heim heisst «Smart Home», also kluges, pfiffiges, intelligentes Heim. Damit ist eine Vielzahl von Geräten gemeint, die miteinander über das Internet verbunden sind, durch Erfahrung lernen können und sogar selbstständig Entscheidungen treffen sollen. Weit gegriffen spricht man von künstlicher Intelligenz.

Vorläufer kennen wir längst. Roboter aller Art wie Sonnenstoren, Schachcomputer, Staubsauger, Rasenmäher, auch selbst fahrende Autos und kürzlich sogar ein Roboter für einen chirurgischen Eingriff sind entweder längst alltägliche Helfer oder lassen uns ­zumindest nicht mehr ungläubig staunen. Die Lernfähigkeit ist noch beschränkt, aber immerhin kann ich mir vorstellen, dass ein Relaxsessel über einen Gewichtssensor sich merken kann, wer regelmässig zur gleichen Zeit in den Sessel sinkt, worauf er selbstständig das passende Fernsehprogramm einschaltet, für mich um halb acht die «Tagesschau», und wenn er die Liebste um 20 Uhr spürt, wird der Krimi eingeschaltet, den sie noch nicht gesehen hat.

Wer jetzt ob meiner Fantasie den Kopf schüttelt, möge bedenken, dass kürzlich ein WC angepriesen wurde, das die Gewohnheiten der Benutzer kennenlernt und auf den Zeitpunkt des zu erledigenden Geschäftes den Sitzring aufheizt. Wie wichtig eine solche Erfindung ist, zeigt allein die Tatsache, wie viele Unfälle durch entsetzte Sprünge infolge eiskalter Sitzringe vermieden werden könnten.

Aber eben, das alles ist noch weit entfernt von künstlicher Intelligenz, denn dazu bräuchte es mehr als nur eine Vielzahl von Sensoren, Aktoren und geschickten Programmierungen. Es wäre sogar für mich keine unlösbare Aufgabe, den Kalender so zu programmieren, dass er jeweils zwei Tage vor dem Geburtstag der Liebsten im Blumenladen einen Strauss bestellt, inklusive Lieferservice aufs exakte Datum, bei Sonn- oder Festtagen am Tag zuvor. Wenn ich es mir aber genau überlege, stelle ich fest, dass wir in unserm trauten Heim «smart home», zumindest ansatzweise, schon lange haben: Eine halbe Stunde bevor die Liebste aufsteht erhalte ich, sogar im Tiefschlaf, einen innerlichen Impuls, stehe auf, bereite das Frühstück zu, und genau dann, wenn ich den Kaffee auf den Tisch stelle, schwebt die Liebste taufrisch daher und flüstert mit einem Augenzwinkern: «Smart Boy!»

Peter Abegglen