Coronavirus

«Wir hatten keine andere Möglichkeit als die Schliessung der Skigebiete»: Regierungsrat Dölf Biasotto erklärt, warum Skifahren zurzeit nicht möglich ist

Nachdem die Nachbarkantone Innerrhoden und St. Gallen diesen Entscheid bereits getroffen haben, hat nun auch der Ausserrhoder Regierungsrat aufgrund der hohen Fallzahlen die Schliessung der Skilifte veranlasst.

Jesko Calderara
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Nachtskifahren, wie hier am Skilift Heiden, ist in Ausserrhoden bis auf weiteres nicht mehr möglich.

Nachtskifahren, wie hier am Skilift Heiden, ist in Ausserrhoden bis auf weiteres nicht mehr möglich.

Bild: PD
Regierungsrat Dölf Biasotto.

Regierungsrat Dölf Biasotto.

Bild: David Scarano

Alle Skilifte in Appenzell Ausserrhoden müssen bis zur Verbesserung der epidemiologischen Lage geschlossen bleiben. Dies hat der Regierungsrat am Dienstag entschieden. Er folgt damit der St. Galler und der Innerrhoder Regierung, welche diese Massnahme zur Eindämmung der Pandemie in den letzten Tagen bereits beschlossen haben. Als Grund für den Schritt nennt Regierungsrat Dölf Biasotto die hohe Zahl der Covid-19-Krankheitsfälle, die in Ausserrhoden nicht abnimmt.

Dazu kommt der Reproduktionswert, der noch immer über 1,00 liegt. Damit ist eine von vier Bedingungen nicht erfüllt, welche der Bund für eine Bewilligung vorschreibt. Dieser Wert müsste sich im Sieben-Tagesschnitt bei unter 1,00 bewegen. «Somit hatten wir gar keine andere Möglichkeit als die Schliessung der Skigebiete», bedauert Biasotto. Man habe lange zugewartet in der Hoffnung, dass die Reproduktionszahl noch wie gefordert fallen würde. «Dann hätten wir mehr Entscheidungsfreiheit gehabt», sagt der Vorsteher des Departements Bau und Volkswirtschaft.

Kanton will keine Entschädigung für den Betriebsunterbruch bezahlen

Nach den Entscheiden in den Nachbarkantonen hätte ein Ansturm gedroht, falls in Ausserrhoden die Anlagen offen geblieben wären. Für die Betreiber hätte dies Probleme verursacht. Sie wären in einem solchen Fall kaum in der Lage gewesen, die Schutzkonzepte einzuhalten, sagt Biasotto. Wie lange Skifahren im Kanton nicht mehr möglich sein wird, ist offen. Der Kanton führt ein enges Monitoring der epidemiologischen Lage durch. Sobald es die gesundheitliche Situation zulässt, wird das Amt für Gesundheit gemeinsam mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit allfällige Lockerungen prüfen.

Für die Skiliftbetreiber könnte der regierungsrätliche Entscheid finanzielle Folgen haben, beispielsweise wenn es um die Rückerstattung von Abonnements geht. Eine Abgeltung des Betriebsunterbruchs ist gemäss Biasotto nicht vorgesehen. Jedoch können für Mitarbeitende Kurzarbeit oder Erwerbsersatzentschädigungen beantragt werden.

Weil die Gefahr von Menschenansammlungen bei den übrigen Wintersportarten bedeutend kleiner sind, wird es dort keine Einschränkungen geben.

Einhaltung des Schutzkonzepts war anspruchsvoll

Bei den Betroffenen fallen die Reaktionen auf die Anordnung der Regierung unterschiedlich aus. Für Christof Chapuis, Präsident des Skilifts in der Vögelinsegg, kommt dieser Entscheid nicht unerwartet, da die Skianlagen in den Nachbarkantonen bereits geschlossen worden sind. Da ein Teil des Skilifts auf St. Galler und der andere auf Ausserrhoder Boden steht, hätte er sowieso nicht mehr betrieben werden dürfen. Der Skilift wird deshalb zunächst geschlossen bleiben. Zum einen sei diese Entscheidung sehr schade, meint Christof Chapuis, man müsse jedoch auch sehen, dass grosse Menschenansammlungen in der jetzigen Zeit mit gewissen Risiken verbunden seien. Bereits in den ersten Tagen der diesjährigen Skisaison sei der Skilift mehr als ausgelastet gewesen, was zum einen sehr schön sei, dem Personal jedoch viel abverlangt habe, damit das Schutzkonzept eingehalten werden konnte.

Es sei vor allem Freiwilligenarbeit, die nun für die Katz war, meint Chapuis, dafür seien aber auch die Einbussen überschaubar, da der Skilift in der Vögelinsegg keine Festangestellten hat, die nun ohne Arbeit dastehen. Man müsse es zudem positiv sehen: In der vergangenen Saison konnte der Skilift keinen einzigen Tag geöffnet werden. Dieses Jahr konnte in der Vögelinsegg immerhin ein paar Tage Ski gefahren werden und ein so guter Saisonstart, meint Chapuis, habe es noch selten gegeben. Die Enttäuschung sei natürlich gross, aber im Gegensatz zu anderen Betrieben, die grosse Investitionen getätigt haben, Festangestellte haben und nun vor einem Scherbenhaufen stehen, müsse er sich glücklich schätzen. Zudem bedeute der Entscheid für den Skilift Vögelinsegg nicht den Untergang:

«Egal was dieses Jahr passiert, uns wird es nächstes Jahr sicher noch geben.»

Trotz grosser Enttäuschung trifft der Entscheid auf Verständnis

Johannes Solenthaler betreibt den Kinderskilift Bischofsberg in Heiden.

Johannes Solenthaler betreibt den Kinderskilift Bischofsberg in Heiden.

Bild: APZ

Für Johannes Solenthaler, den Betreiber des Kinderskilifts Bischofsberg in Heiden, bringt die Schliessung der Skigebiete grosse Folgen mit sich. Die kommenden Ferientage wären normalerweise die besten Tage gewesen, die nun wegfallen. Dadurch entstehen grosse Einbussen. Es sei sehr viel investiert worden, erklärt Johannes Solenthaler. Zudem stünden ihm 70 Teilzeitangestellte auf Abruf zur Verfügung, die nun nicht gebraucht werden. Die Hoffnung sei deshalb gross gewesen, dass die Skilifte, sobald es Schnee hat, auch dieses Jahr den Betrieb aufnehmen können. «Die Gäste haben sich bisher sehr gut an das Schutzkonzept gehalten», lobt Johannes Solenthaler die Schneesportler und sagt weiter:

«Mir tut es vor allem für die Skischüler leid, die sich extra Ski gemietet haben und sich auf die Saison freuten.»

Obwohl er es sich anders gewünscht hätte, akzeptiert er den Entscheid des Kantons in Anbetracht der aktuellen Lage. Er sei bisher immer ernst genommen worden, wenn er Rückfragen gestellt oder Bitten angebracht habe, sagt er gegenüber den Verantwortlichen des Kantons. Weiterhin erhoffe er sich klare Informationen, wie sich die Situation und damit auch die Regelungen entwickeln, damit er frühzeitig beginnen kann, die Piste zu beschneien oder im schlimmsten Fall zusammenzuräumen. Bis dahin wird der Skilift sicher über die nächsten 14 Tage geschlossen bleiben. Er sagt:

«Ich hoffe jetzt einfach, dass man sich an die Regeln hält, damit bald wieder Ski gefahren werden kann.»