Ski Alpin
Schwende ist für einen Abend das kleine Schladming: Der FIS-Slalom fordert Helfer und Fahrerinnen

Der Skilift Horn in Schwende ist diese Woche Schauplatz von zwei Nachtslaloms der Frauen auf Stufe FIS. Am Dienstag wurden zugleich die Schweizer Meisterinnen der Kategorien U18 und U21 ermittelt. Mit Sarah Zoller schafft es eine Athletin des SC Gossau aufs Podest.

Mea McGhee
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Die Slalomfahrerinnen fanden am Skilift Horn in Schwende beste Bedingungen vor.

Die Slalomfahrerinnen fanden am Skilift Horn in Schwende beste Bedingungen vor.

Bild: Mea McGhee

Während Ramon Zenhäusern und Co. am Dienstagabend im Schneegestöber von Schladming durch die Slalomstangen schlängeln, finden fast zeitgleich die jungen Slalomfahrerinnen unter dem Flutlicht am Skilift Horn in Schwende beste Bedingungen vor.

95 Fahrerinnen mit Jahrgang 2004 und älter starten zum FIS-Slalom auf der Piste Heidi und Gigi. Der Hang ist oben steil und im weiteren Verlauf coupiert. 48,88 Sekunden ist die schnellste Fahrerin im ersten Durchgang im rotblauen Stangenwald unterwegs. Nebst FIS-Punkten kämpfen die Athletinnen um die Schweizer Meistertitel der Kategorien U18 und U21 im Slalom. Auch eine Australierin, eine Kanadierin und zwei Tschechinnen sind am Start. Fürs zweite Rennen vom Mittwoch haben sich zudem Sportlerinnen aus Österreich, Andorra und den Niederlanden angemeldet.

Während die Fahrerinnen den schnellsten Weg durch die 59 Tore des zweiten Laufes suchen, sind im Tiefschnee neben der Piste immer wieder Lichtpunkte der Stirnlampen von Tourenfahrern auszumachen. Diese geniessen die Abfahrt von der Ebenalp, ohne auf die Ideallinie zu achten.

Der OK-Präsident fuhr einst selbst Rennen am Hang

Corona erforderte von OK-Chef Walter Sonderegger und seinem Team neue Ideen.

Corona erforderte von OK-Chef Walter Sonderegger und seinem Team neue Ideen.

Bild: Mea McGhee

Registrierungen kontrollieren, kleine Rillen mit Schaufeln bearbeiten, den Kurs nach jeder Läuferin rutschen, Fahrten und Zeiten kommentieren, Verpflegung ausgeben – die rund 50 Helferinnen und Helfer leisten ganze Arbeit. OK-Chef Walter Sonderegger weiss, ihren Einsatz zu schätzen: «Um 11 Uhr haben wir begonnen, den Neuschnee von der Piste zu räumen. Die B-Netze wurden bereits am Vortag montiert.» Sonderegger hat in den 1970er-Jahren selbst FIS-Rennen am Skilift Horn bestritten. Er sagt:

«Damals waren die Slalomstangen aus Holz und die Skis 2,05 Meter lang.»

Der ehemalige Vizepräsident des Ostschweizer Skiverbandes möchte mit seinem Engagement den Jungen eine Möglichkeit bieten, Rennen zu bestreiten. Der Hang am Skilift Horn sei ideal: «Die Wege sind kurz, die Piste ist übersichtlich.»

Für die Pistenpräparation braucht es viele Helfer.

Für die Pistenpräparation braucht es viele Helfer.

Bild: Mea McGhee

Loic Meillard, Marc Gini & Co.

1979 wurden die ersten internationalen FIS-Rennen am Skilift Horn ausgetragen. Nach einem langjährigen Unterbruch übernahm das Team um Walter Sonderegger im Jahr 2014 die Organisation der Rennen. Wegen Corona musste das OK bei der Planung die Abläufe neu denken und ein Schutzkonzept erstellen. Die Rennen am Hornhang konnten in den vergangenen Jahren dank der künstlichen Beschneiung bis auf 2020 – «der Schnee floss uns davon» – stets durchgeführt werden. In der Siegerliste der Männer sind Podestplätze der Skigrössen Gustav Oehrli, Marco Hangl, Marc Gini und Loic Meillard aufgeführt.

Tipps von den Trainern

Die Athletinnen besichtigen den zweiten Lauf.

Die Athletinnen besichtigen den zweiten Lauf.

Bild: Mea McGhee

Diese Woche zeigen aber die Frauen ihr Können. Zwischen den beiden Läufen besichtigen sie den Kurs, wie ein Tatzelwurm rutschen Betreuer und Fahrerinnen durch die Tore. Die Trainer der Skiverbände halten immer wieder an, erklären ihren Athletinnen, wie sie die Schlüsselstellen angehen sollen: «Oben mutig rein fahren», «die Stangen attackieren», «unten müsst ihr euch mehr bewegen als im ersten Lauf», sind Gesprächsfetzen zu hören. Aus den Boxen klingt Musik. Einige Fahrerinnen bleiben mitten auf der Piste stehen, schliessen die Augen, wedeln mit den Händen durch den imaginären Kurs.

Eine Fahrerin geht den Kurs im Kopf durch.

Eine Fahrerin geht den Kurs im Kopf durch.

Bild: Mea McGhee

Premiere für junge Walliserin

Lea Lathion, Jahrgang 2004 aus Nendaz, fährt erstmals auf der Piste Heidi und Gigi. «Es ist super, in der Nacht zu fahren. Die Bedingungen sind perfekt», erklärt sie der Reporterin auf Französisch. Nach Lauf 1 belegt die Startnummer 88 den 47. Rang, damit ist sie zufrieden. Die Startreihenfolge ist klar festgelegt: Die Reihenfolge der besten 15 der FIS-Rangliste wird ausgelost, danach wird anhand dieser Rangliste gestartet. Im zweiten Lauf fahren die schnellsten 30 des ersten Durchgangs in umgekehrter Reihenfolge, danach alle anderen Athletinnen. Lea Lathion arbeitet sich schliesslich bis auf Rang 30 vor – ein gutes Ergebnis für die junge Walliserin.

Torrichterin statt Teilnehmerin

Lara Baumann ist verletzt. Statt das Rennen zu bestreiten, amtet die Appenzellerin als Torrichterin.

Lara Baumann ist verletzt. Statt das Rennen zu bestreiten, amtet die Appenzellerin als Torrichterin.

Bild: Mea McGhee

Eine, die an ihrem Heimhang auch gerne gestartet wäre, ist Lara Baumann. Das Mitglied des nationalen C-Kaders ist aber nach einem Schien- und Wadenbeinbruch noch nicht wieder im Skitraining. Dafür verfolgt sie das Renngeschehen aus nächster Nähe als Torrichterin. Sie schaut genau hin, ob alle die Tore 56 bis 61 richtig passieren. Fädelt eine ein, trägt Baumann die Startnummer und das Tor ins Torrichterprotokoll ein. «Hopp Lena!», feuert die Appenzellerin die spätere Siegerin an, als diese vorbeisaust. Lena Volken vom SC Brigerberg gewinnt mit 29 Hundertsteln Vorsprung und wird Schweizer Meisterin der Kategorie U21. Sarah Zoller vom SC Gossau ist als Dritte beste Ostschweizerin.

Zoller darf sich an der Siegerehrung die Bronzemedaille der Kategorie U21 umhängen. Rennen und Siegerehrung finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sogar fürs Siegerfoto posieren die Frauen mit Gesichtsmaske.

Das Podest der Kategorie U21: Amelie Klopfenstein, Siegerin Lena Volken und Sarah Zoller vom Skiclub Gossau.

Das Podest der Kategorie U21: Amelie Klopfenstein, Siegerin Lena Volken und Sarah Zoller vom Skiclub Gossau.

Bild: Mea McGhee