Sinkende Verschuldung dank Fusion

An der Bürgerversammlung am Freitag konnte Nesslaus Gemeindepräsident Kilian Looser den Bürgerinnen und Bürgern eine Rechnung mit einem Überschuss von rund 277 690 Franken vorlegen. Mit Hilfe der kantonalen Entschuldungsbeiträge konnte Nesslau die Verbindlichkeiten senken.

Jesko Calderara
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NESSLAU. Es war aus zweierlei Gründen eine spezielle Bürgerversammlung, der am Freitagabend im Büelensaal in Nesslau 141 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger beiwohnten. Zum einen hatten sie nicht wie sonst üblich über den Voranschlag zu befinden. Und zweitens präsentierte ihnen Gemeindepräsident Kilian Looser für 2012 aufgrund der am 1. Januar erfolgten Fusion gleich zwei Jahresrechnungen, je eine für Stein (siehe Kasten) und Nesslau-Krummenau. Letztere schliesst das vergangene Jahr mit einem Einnahmeüberschuss von rund 277 690 Franken ab. Dies, nachdem im Voranschlag noch ein Aufwandüberschuss von 540 000 Franken budgetiert wurde. «Viele kleine Mosaiksteine haben zu diesem Ergebnis beigetragen», sagte Kilian Looser.

Aussenschulhaus schliessen?

Allen voran die Schule, in diesem Bereich ist 390 000 Franken weniger ausgegeben worden als im Voranschlag vorgesehen. Schulratspräsident Hansjörg Huser nannte tiefere Personalkosten beim Lehrkörper sowie den teilweisen Verzicht auf Anschaffungen von Mobilien und geringer Kosten für Investitionen in die Schulhäuser als Begründung. «Wir haben im letzten Schuljahr gleich viele Klassen geführt.» Jedoch seien jene in den Aussenschulhäusern aufgrund sinkender Schülerzahlen unterdotiert geführt worden, erläuterte der Schulratspräsident. Eine Entwicklung, die für die Schule Nesslau nicht ohne Konsequenz bleiben wird. Gemäss Hansjörg Huser ist geplant, in der Primarschule Büelen ab nächstem Schuljahr nur noch sechs Klassen zu beschulen. Noch düsterer ist sein Ausblick in die weitere Zukunft. «Es droht auf das Schuljahr 2014/15 hin die Schliessung eines Aussenschulhauses», sagte er. Bis im Herbst soll in dieser Frage die Entscheidung, ob und welches Schulhaus geschlossen wird, gefallen sein. Zwar benötige die Schule, sagte Hansjörg Huser, aufgrund neuer Unterrichtsformen und individueller Förderung auch mehr Räumlichkeiten. «Jedoch rechnen wir in Zukunft mit noch weiter sinkenden Schülerzahlen.» Der Schulratspräsident betonte, Aufgabe der Behörden sei es nun, daraus den effektiven Bedarf an Schulzimmern zu ermitteln.

Sinkende Verbindlichkeiten

Nicht nur die Minderausgaben im Bildungsbereich machten sich im Abschluss bemerkbar, sondern auch Einsparungen in der Verwaltung und der Raumplanung sowie tiefere Schuldzinsen. Zudem profitierte die Gemeinde von Mehreinnahmen, etwa bei den Einkommens-, Vermögens- und Grundstückgewinnsteuern. Mit dem Entschuldungsbeitrag des Kantons, welcher infolge der Gemeindevereinigung ausgerichtet wurde, konnte Nesslau-Krummenau laut Kilian Looser zusätzliche Abschreibungen von rund 2,2 Millionen Franken tätigen und damit die Verbindlichkeiten weiter senken. «Die Schulden auf dem Verwaltungsvermögen beträgt noch 7,15 Millionen Franken.» Nesslau-Krummenau investierte 2012 knapp 1,2 Millionen Franken in seine Infrastruktur, eine grössere Summe wendete die Gemeinde etwa für die Sanierung des Büelensaals auf.

Ohne Diskussion genehmigte die Bürgerschaft einstimmig die Jahresrechnung und damit die vom Gemeinderat vorgeschlagene Verwendung des Gewinns. Der Einnahmeüberschuss wird dem Eigenkapital zugewiesen, das sich dadurch auf knapp 2,38 Millionen Franken erhöht.

Abstimmung über Neubau

In seinen einleitenden Worten blickte Killian Looser nochmals auf das durch die Fusion mit Stein geprägte, vergangene Jahr zurück. «Für uns war es eine arbeitsreiche Zeit.» Der politische Weg des Zusammenschlusses, sagte er, sei fast abgeschlossen. Laut dem Gemeindepräsident geht es nun darum, ähnlich wie in einer Ehe, konstant an der Beziehung zu arbeiten, damit diese glücklich bleibt. In seinem Rückblick ging er nochmals auf die geplante Aushubdeponie im Spitol ein. Das zweite Baugesuch hat der Gemeinderat kürzlich abgelehnt, weil im Starkenbach eine weitere Deponie geplant ist. «Der neue Standort ist aus unserer Sicht besser», begründete Nesslaus Gemeindepräsident den Entscheid. Zudem habe sich die Ausgangslage geändert, weil das Einzugsgebiet kleiner geworden sei.

Kilian Looser bemängelte, dass in einem von immer komplexeren Sachfragen geprägten Alltag, Zukunftsfragen allgemein zu kurz kommen. «Wir haben uns in den vergangenen zwölf Monaten intensiv mit dem Gemeindehaus beschäftigt.» Nachdem ursprünglich ein Neubau gemeinsam mit der Raiffeisenbank vorgesehen war, hat sich der Gemeinderat für ein Projekt am jetzigen Standort entschieden. Dieses wird derzeit durch das Architekturbüro Atelier-f AG ausgearbeitet, am 24. November hat das Stimmvolk das letzte Wort darüber.

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