Interview
Der Urnäscher Silvesterchlaus Walter Frick im Interview: «Wir brauchen nicht zwingend Zuschauer zum Chlausen»

Ob das Silvesterchlausen dieses Jahr stattfinden kann, wird erst Anfang Dezember entschieden. Trotz der unsicheren Lage gehen die Vorbereitungen der Silvesterchläuse weiter. Walter Frick, seit 1982 Mitglied des Waisenhaus-Schuppels aus Urnäsch, nimmt im Interview Stellung zum Chlausen trotz Corona.

Lea Sager
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Zurzeit ist noch offen ob und wie viele Schuppel dieses Jahr unterwegs sein werden.

Zurzeit ist noch offen ob und wie viele Schuppel dieses Jahr unterwegs sein werden.

Benjamin Manser

Nach wie vor ist unklar, ob das Silvesterchlausen heuer stattfinden kann. Wie gehen die Schuppel mit dieser Unsicherheit um?

Walter Frick vom Waisenhaus-Schuppel, einem der ältesten Schuppel aus Urnäsch

Walter Frick vom Waisenhaus-Schuppel, einem der ältesten Schuppel aus Urnäsch

Urs Bucher

Walter Frick: Das ist schwierig zu sagen, da wir dieses Jahr noch gar nicht zusammengekommen sind. Es hat früher schon Jahre gegeben, in denen das Silvesterchlausen verboten war, sei es wegen Krieg, einer Hungersnot, oder einer Seuche. Und nur weil diese Verbote nicht immer eingehalten worden sind, hat der Brauch überlebt.

Haben Sie keine Angst, sich anzustecken?

Jeder schätzt die Situation anders ein. Ich persönlich habe keine Angst vor dem Coronavirus. Es kommt mir vor, als dürfte in der momentanen Situation niemand mehr sterben. Ich halte mich an die Richtlinien. Wenn ich das Virus aber dennoch bekomme, dann ist es halt so. Ob und wie viele Schuppel dieses Jahr unterwegs sein werden, bleibt somit offen. Ich sehe jedoch keinen Grund, weshalb man nicht gehen sollte.

Werden Sie zauren? Es ist ebenfalls noch unklar, ob es erlaubt ist.

Wenn man chlausen geht, dann nimmt man auch ein Zäuerli für die Leute. Soweit ich weiss, gilt für uns kein Singverbot. Wir sind schliesslich kein Chor. Wir sind nur fünf Personen und im Freien unterwegs. Deswegen sollte dies kein Problem darstellen.

Klar ist aber: Zuschauer wird es keine geben. Wie gehen Sie damit um?

Wir brauchen nicht zwingend Zuschauer zum Chlausen. Natürlich ist es immer schön, wenn Leute aus dem Dorf zusammenkommen. Aber wir geniessen es auch, allein zu sein und wählen immer wieder auch Wege, wo wir unter uns sind oder wo es nur einzelne Zuschauer gibt. Natürlich kann man den Leuten nicht verbieten, zuzusehen. Ein zu grosser Rummel kann aber auch lästig sein, wenn etwa Zuschauer mit dem Handy vor die Chläuse springen, um Fotos zu machen. Aber grundsätzlich stören uns die Zuschauer nicht. Wenn es dieses Jahr einen Silvester ohne Publikum gibt, dann hindert uns das nicht. Es wird sicherlich anders sein, aber wir werden es trotzdem geniessen.

Haben sich die Schuppel speziell vorbereitet?

Manche sind schon das ganze Jahr dran, neue Kleider und Hauben zu machen. Und wenn man so lange an etwas arbeitet, will man schliesslich auch chlausen gehen. Die «Schöne», wie auch die «Schöwüeschte» sind zum Teil dabei, neue Kleider zu machen und die «Wüeschte» haben auch noch Arbeit vor sich. Die «Groscht» wird zwischen Weihnacht und Neujahr gemacht. Die Vorbereitungen bedeuten einen grossen Aufwand. Es steckt viel Arbeit dahinter, die die Chläuse mit Herzblut erledigen.

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