«Wir hatten eine gute und breite Auswahl an Entwürfen»: Warum ein Bregenzer Architekturbüro das neue Verwaltungsgebäude in Appenzell baut

Der Kanton Appenzell Innerrhoden plant für die Gerichte einen Neubau an der Marktgasse. Realisiert wird das Projekt «Justus» des Architekturbüros Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH aus Bregenz.

Jesko Calderara
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So soll das neue Verwaltungsgebäude an der Marktgasse in Appenzell gemäss dem Siegerprojekt aussehen.

So soll das neue Verwaltungsgebäude an der Marktgasse in Appenzell gemäss dem Siegerprojekt aussehen.

Visualisierung: PD

Das geplante Verwaltungsgebäude an der Marktgasse in Appenzell ist einen Schritt weiter. Nun steht fest, wer die Pläne für den Neubau ausarbeiten wird. An einem selektiven Projektwettbewerb haben sich 19 Architekturbüros beteiligt. Gestern wurde an einer Medienorientierung im Theatersaal des Gymnasiums das Siegerprojekt vorgestellt.

Bauherr Ruedi Ulmann.

Bauherr Ruedi Ulmann.

Bild: APZ

«Wir hatten eine gute und breite Auswahl an Entwürfen», sagte Bauherr Ruedi Ulmann. Aufgrund der verschiedenen Ansätze hinsichtlich der ortsbaulichen Einbettung, der betrieblichen Organisation sowie der Konstruktion habe die Jury einen umfassenden Vergleich machen können. Letztlich setzte sich das Projekt «Justus» des Architekturbüros Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH aus Bregenz durch.

Ortsbaulich und architektonisch überzeugender Entwurf

Auf dem Areal der ehemaligen Coop-Filiale sollen Räumlichkeiten für die Gerichte, das Landesarchiv, die Kantons- und die Volksbibliothek, das Finanzdepartement sowie das Gesundheits- und Sozialdepartement geschaffen werden. Zuerst wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, dann stimmte die Landsgemeinde 2019 einem Rahmenkredit von rund 20 Millionen Franken zu.

Das Siegerprojekt basiert auf der Grundform eines leicht verschobenen Rechtecks. Mit dieser Form schmiege sich der Neubau gut in die bestehende Dorfstruktur ein und forme dabei einen Gassenraum, schreibt die Jury. Im Erdgeschoss und den Untergeschossen befindet sich die Bibliothek. Über einen zentralen Eingang erreicht man die Verwaltung und die Gerichte in den Obergeschossen. Diese sind um den Erschliessungskern mit einem einfachen Korridorsystem übersichtlich organisiert.

Der Entwurf überzeugte die Experten vor allem durch die ortsbauliche und architektonische Antwort auf die gestellte Aufgabe sowie durch die innere Organisation und Flexibilität des Gebäudes.

Den Architekten verlangte diese Aufgabe viel ab. «Es war nicht einfach, das grosse und komplexe Raumprogramm mit den Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen», sagte Andreas Cukrowicz vom siegreichen Architekturbüro. Ihnen sei es letztlich darum gegangen, die architektonische Sprache vor Ort zu übernehmen, ohne etwas zu kopieren. Speziell ist die Gestaltung der Gerichtsräumlichkeiten im obersten Stock. Speziell ist die Gestaltung der Gerichtsräumlichkeiten im obersten Stock. Ein Quergiebel in Richtung Landsgemeindeplatz soll deren Bedeutung unterstreichen. Cukrowicz nannte dies ein «dezentes Signal».

Baustart könnte in zwei Jahren erfolgen

Die Standeskommission hat die Auswahl der Jury bestätigt. In einem nächsten Schritt wird das Bau- und Umweltdepartement zusammen mit dem erstplatzierten Architekturbüro das Siegerprojekt überarbeiten. Leichte Anpassungen könnte es noch bei der Höhe und der Fassade geben. Bleiben wird es aber bei der vorgesehenen Massivbauweise, die in den Obergeschossen und im Dach mit Holzelementen verkleidet ist. Gemäss Ruedi Ulmann werden die Detailplanungen ungefähr zwei Jahre dauern, bevor dann die Baueingabe erfolgt. Läuft alles nach Plan, wäre das neue Verwaltungsgebäude Anfang 2025 bezugsbereit.

Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge

Alle 19 Wettbewerbsprojekte können vom 1. bis zum 4. September und vom 7. bis zum 11. September 2020, jeweils von 9 bis 19 Uhr, im Theatersaal des Gymnasiums Appenzell besichtigt werden.