Sieben Meter über der Thurebene

WATTWIL/EBNAT-KAPPEL. 370 Meter lang soll sie werden – die Thurbrücke wird der markanteste Abschnitt der geplanten Umfahrungsstrasse Wattwil. Sie soll die Thurebene von der Scheftenau bis zum Anschluss Stegrüti überspannen. Am Montag wurde das Siegerprojekt vorgestellt: Es heisst «Crescendi».

Hansruedi Kugler
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Umfahrungsbrücke über die Thurebene: Das Siegerprojekt von Gerber+Partner heisst «Crescendi» wegen des anschwellenden Überbaus und der länger werdenden Abstände der Stützen. (Bild: pd)

Umfahrungsbrücke über die Thurebene: Das Siegerprojekt von Gerber+Partner heisst «Crescendi» wegen des anschwellenden Überbaus und der länger werdenden Abstände der Stützen. (Bild: pd)

Man muss schon genau hinschauen, um die Unterschiede der rangierten Projekte zu bemerken, die bis am 30. Mai im Kapplerhof zu besichtigen sind. Denn die Vorgaben waren klar: Für den Bau des zweiten Teils der Umfahrung Wattwil muss die Thurebene zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel mit einer 370 Meter langen Brücke überspannt werden, über die Thur und das Eisenbahn-Trassee. Die Lösung sollte nach dem Willen des Kantons möglichst elegant und schlank ausfallen. Eine Hängebrücke wäre darum von vorne herein aus dem Wettbewerb ausgeschieden.

Die Brücke müsse sich optimal und dezent in das Landschaftsbild einfügen und dürfe nicht als Riegel empfunden werden, betonte der kantonale Baudirektor Willi Haag. Am Montag eröffnete Willi Haag die Ausstellung der eingereichten Projekte im Kapplerhof im Beisein von diversen Kantonsräten, Gemeinderäten und den drei Gemeindepräsidenten von Ebnat-Kappel, Wattwil und Bütschwil.

Schlank und rhythmisch

Auf den europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb wurden 15 Beiträge eingereicht. Das Siegerprojekt «Crescendi» stammt vom Aargauer Büro Gerber+Partner, das auf Brücken und Tunnelbauten spezialisiert ist. Büros aus Buchs, Biel, Flawil und Stuttgart kamen in die Ränge.

Der Jury-Entscheid für «Crescendi» sei einstimmig gefallen, sagt deren Vorsitzender, Kantonsingenieur Urs Kost.

Eine Talebene zu überqueren lasse im Gegensatz zu Brücken in Schluchten weniger architektonische Möglichkeiten offen, betonte Urs Kost. Darum seien die eingereichten Projekte sehr ähnlich ausgefallen. «Crescendi» habe den Zuschlag bekommen, weil es mit einer schlanken Gestaltung die statischen Vorgaben verwirkliche. Besonders in der Detailgestaltung habe es überzeugt, was einem aber erst beim genauen Hinschauen auffalle: Von der Thur bis zur Stegrüti wird der Überbau allmählich dünner und die Abstände zwischen den Stützen werden immer kürzer, was zur «rhythmischen Abfolge von sechs Feldern führt», wie «Crescendi»-Projektleiter Bruno Kuhn erläutert.

Schaut man von der Stegrüti die Brücke entlang, wirkt der Überbau anschwellend, wie ein musikalisches «crescendo». Die Fahrbahn der neuen Brücke befindet sich rund sieben Meter über der Thurebene, in der Mitte rund acht Meter. Die Fahrbahn wird beidseits von einer 1,2 Meter hohen Betonwand eingefasst.

Öffentliche Auflage ab 9. Juni

Die Gesamtkosten der 3,4 Kilometer langen Umfahrung Wattwil im Umfang von voraussichtlich 123 Millionen Franken gehen zu Lasten des Kantons. Die Umfahrung wird vom Anschluss Brendi in Wattwil entlang der westlichen Talflanke bis zur Scheftenau geführt und dort mit der 370 Meter langen Brücke zum Anschluss Stegrüti der bestehenden Umfahrung Ebnat-Kappel geführt.

Voraussetzung für den Bau dieser Brücke ist die Rechtskraft des Projektes «Umfahrung Wattwil, zweite Etappe». Der Kantonsrat stimmte dem Projekt im November 2009 bereits zu. Die öffentliche Auflage mit Einspracherecht beginnt in den Gemeinden nun am 9. Juni 2010. Sie dauert 30 Tage.

Ausstellung Projekt-Wettbewerb Thurbrücke Umfahrung bis 30. Mai. Hotel Kapplerhof Montag – Samstag 7.30 bis 22 Uhr Sonntag 7.30 bis 20 Uhr.