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Sie wünschte ihm «Tod und viele Tote»

Eine Frau schickte ihrem (Noch-)Ehemann Todesdrohungen per Whatsapp, falls sie das Haus in Bühler verlassen müsse. Das Gericht fällt einen Freispruch.
Margrith Widmer

Im Oktober 2015 hatte die Frau die Droh-Nachricht abgesetzt. Das Paar lebt getrennt; es befindet sich nach über 20jähriger Ehe in Scheidung. Bisher wollte die Frau sich nicht scheiden lassen – deshalb galt eine zweijährige Wartefrist. Aufgrund der schwierigen Trennungsumstände sei die Wortwahl durchaus dazu geeignet gewesen, den Adressaten in Angst zu versetzen, fand die Staatsanwältin und verurteilte die Frau per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken – 900 Franken – und zu einer Busse von 300 Franken. Bussen sind unbedingt. Dagegen erhob die Frau Einsprache; deshalb kam es zum Prozess.

In der Befragung erklärte der Ehemann und Privatkläger, er habe wirklich Angst bekommen und nicht warten wollen, «bis etwas passiert». Die Angstzustände dauerten an. Es habe auch ein Bedrohungs-Szenario gegenüber seiner Mutter und seiner neuen Partnerin bestanden. Das sei keine rhetorische Floskel gewesen; er habe sie als massive Drohung aufgefasst. Denn: Es gab frühere Fälle von Gewalt der Frau gegen ihren Mann. Er sei mit Rasierklingen und einem Messer attackiert worden. Die Frau habe auf der Autobahn versucht, einen Unfall herbeizuführen, indem sie ins Steuer griff, und einmal fielen Schüsse. Das seien Platzpatronen gewesen, konterte die Frau.

Emotionaler Ausnahmezustand

Die beschuldigte Frau erklärte, sie habe einen Sohn durch Suizid verloren. Dann habe auch ihr zweiter Sohn mit Suizid gedroht. Sie sei von der Partnerin ihres Mannes mit Vorwürfen eingedeckt worden; er benötige jetzt Ruhe. Sie habe sich von Mutter und Partnerin verfolgt und beobachtet gefühlt. «Ich rede mehr, als zu handeln oder zu schlagen», sagte sie. Damals habe sie Antidepressiva eingenommen.

Der Verteidiger der Frau plädierte auf Freispruch. Die Frau habe sich in einem emotionalen Ausnahmezustand befunden. Mit ihrer Whatsapp-Nachricht habe sie mit Suizid gedroht und auf ihren Sohn angespielt; das sei keine Drohung gegen den Mann, dessen Mutter und Partnerin gewesen. Denn kurz darauf habe die Frau mehrere weitere Nachrichten geschickt. Sie sei unter dem Einfluss starker Psychopharmaka gestanden. «Das Strafrecht wird missbraucht, um das Familienrecht zurechtzubiegen», sagte der Anwalt.

Freispruch, Kosten trägt Staatskasse

Das Gericht sprach die Frau vom Vorwurf der Drohung frei. Sie erhält eine Entschädigung, die Kosten gehen zu Lasten der Staatskasse. Die Nachricht sei im Rahmen eines langjährigen Ehekonflikts zu sehen, in dem mit harten Bandagen gekämpft werde und Nerven blanklägen, sagte der Einzelrichter in der Urteilsbegründung. Da gebe es Überreaktionen und paranoide Phantasien. Die folgenden Nachrichten seien in einem relativ beiläufigen Ton verfasst worden. Ausserdem hätte die Frau kaum die Mittel, Todesdrohungen wahr zu machen. Um einen Killer zu beauftragen, brauche es ein gutes Beziehungsnetz und Organisation. Die Drohung sei nicht ernst gemeint gewesen. Der Richter appellierte an das (Noch-)Paar, die Probleme «auf gute Art» zu lösen: «Es braucht nur einen Funken ins Pulverfass, und es explodiert.»

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