WAHL IN DEN KANTONSRAT
Kantonsratskandidatin Camille Kappeler aus Bühler: «Ich bringe Ansichten ins Parlament, die dort noch fehlen.»

Camille Kappeler will für die SP Rotbach den freien Bühlerer Kantonsratssitz gewinnen. Im Parlament möchte sie die Stimme der Jugend sein und von erfahrenen Ratsmitgliedern lernen. Als junge Frau würde sie eine unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppe vertreten..

Yann Lengacher
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Camille Kappeler ist mit ihrer Familie Anfang der 00-er Jahre nach Bühler gezogen – zuvor lebte sie in Teufen.

Camille Kappeler ist mit ihrer Familie Anfang der 00-er Jahre nach Bühler gezogen – zuvor lebte sie in Teufen.

Bild: PD

Bereits der Blick auf das Haus ihrer Eltern im Bühlerer Mempfel lässt vermuten, welche politischen Anliegen Camille Kappeler vertritt. Am Balkon weht eine verblichene Fahne mit dem Schriftzug «Ja zur Konzernverantwortungsinitiative!». Auf dem Dach sitzen Fotovoltaik-Panels. Mutter wie Vater arbeiten in sozialen Berufen. Das Elternhaus hat die 27-Jährige geprägt. Schon als Jugendliche engagiert sie sich sozial. «Mir geht es in allen Lebensbereichen sehr gut, deswegen möchte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben», sagt Kappeler. Sie spricht ruhig und überlegt bei manchen Fragen lange – markige Sprüche klopft sie keine.

Während Kappeler früher im TV Teufen Trainings geleitet und für die evangelische Kirche Bühler Ferienprogramme organisiert hatte, setzte sie sich später in Madagaskar für obdachlose Kinder ein. Für einen Basler Verein plante sie bis vor kurzem Bildungsprojekte in Kamerun und der Schweiz. «Besonders in Madagaskar habe ich gelernt, über den Tellerrand zu blicken. Das ist nicht immer einfach», sagt Kappeler. Ebenfalls in Basel, wo sie seit 2014 Medienwissenschaften, Ethnologie und Gesellschaftswissenschaften studiert, hat sie ehrenamtlich an Migrationsprojekten mitgearbeitet. Die Erfahrungen aus diesen Tätigkeiten möchte die Kandidatin der SP Rotbach im Kantonsrat nutzen. Am 11. April steht sie in Bühler als mögliche Nachfolgerin von Gilgian Leuzinger zur Wahl.

Jung und weiblich – anders als das Parlament

Eines von Kappelers zentralen Anliegen ist die Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft sowie lokalen Expertinnen und Experten. «Die Allgemeinheit profitiert stark davon, wenn unterschiedliche Sektoren miteinander Lösungen ausarbeiten», sagt die Studentin. Ausserdem will sie besonders die Stimme der Jungen und Frauen sein in einem durchschnittlich 55-jährigen Kantonsrat, der zu zwei Dritteln aus Männern besteht. Und damit speziell hinsichtlich Geschlechterstruktur nicht das Ausserrhoder Volk abbildet, das zur Hälfte weiblich ist.

«Als junge Frau bringe ich Ansichten ins Parlament, die dort noch fehlen», antwortet Kappeler auf die Frage, was sie von den weiteren Kandidierenden abhebt. Sie ist die einzige Kandidierende, die die Attribute jung und weiblich vereint. Für sie spreche zudem, dass sie die Probleme ihrer Generation selbst erfährt: «Als Hochschulabsolventin wird es für mich schwierig, in Ausserrhoden einen Job zu finden», sagt sie mit Hinblick darauf, dass viele Ausserrhoder Hochschulabsolventen in die Schweizer Metropolen ziehen.

Kappeler hat noch Einarbeitungsbedarf

Wenn es um Dossiers der Kantonalpolitik geht, ist Kappeler teilweise zögerlich in ihren Aussagen. Noch hat sie nicht zu allem eine klare Meinung. Etwa zur Gemeindestrukturreform. Anders sieht es bei Themen der Verfassungsrevision aus. Einen Klimaartikel befürwortet sie, ebenfalls ein Ausländerstimmrecht. «Wer hier lebt und Steuern zahlt, sollte grundsätzlich mitbestimmen dürfen», sagt sie. Und natürlich unterstützt sie das Stimmrechtsalter 16:

«Es braucht mehr Junge in der Politik. Junge treffen Fehlentscheidungen. Doch das tun auch ältere Menschen.»

Ein politisches Amt besetzte Kappeler noch nie. Ob der Sprung in den Kantonsrat zu gross ist? «Ich denke nicht. Ich kann von erfahrenen Ratsmitgliedern viel lernen und würde für dieses Amt hart arbeiten. Aber irgendwo muss man beginnen.»