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Sie will Beethoven entschlüsseln

Viviane Sonderegger tritt morgen am Abschlusskonzert der Kantonsschule Trogen auf. Die Pianistin wird nach der Matura in Bern Musikwissenschaften studieren. Sie wolle Musik nicht nur fühlen, sondern auch verstehen, sagt sie.
Michael Genova
Viviane Sonderegger aus Speicher begann im Alter von neun Jahren Klavier zu spielen – vor sieben Jahren kam das Schlagzeug dazu. (Bild: mge)

Viviane Sonderegger aus Speicher begann im Alter von neun Jahren Klavier zu spielen – vor sieben Jahren kam das Schlagzeug dazu. (Bild: mge)

TROGEN. Die Matura ist wichtig, aber noch viel wichtiger ist das bevorstehende Abschlusskonzert. Zumindest für Viviane Sonderegger. Diese Woche legte sie an der Kantonsschule Trogen ihre letzten mündlichen Prüfungen ab. Die meiste Zeit sass sie aber an ihrem Klavier, wie sie zugibt. Die 20-Jährige ist eine von neun Solistinnen und Solisten der Kantonsschule Trogen, die morgen (siehe Kasten) zusammen mit dem Appenzeller Kammerorchester in Herisau und Trogen auftreten werden.

Drei musikalische Schwestern

«Tutti soli», heisst das Konzert, an dem die besten Musikmaturanden teilnehmen. Für die meisten ist die Solistenrolle eine neue Erfahrung. «Ich muss ein Teil des Ganzen sein und trotzdem herausstechen», sagt Viviane Sonderegger. Sie wird den zweiten Satz des fünften Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven spielen. Es sei eine Ehre, dieses Stück zu interpretieren. Ein Werk, das sinfonische Klavierkonzerte nachhaltig beeinflusste.

Viviane Sonderegger ist in Speicher aufgewachsen und begann im Alter von neun Jahren Klavier zu spielen. Vor sieben Jahren kam das Schlagzeug dazu. Das brauche sie als Ausgleich, sagt sie und schmunzelt. Die Musik liegt in der Familie: Mutter Nina ist Musiklehrerin, Vater Reto spielt Geige. Ebenfalls am Solistenkonzert auftreten wird Schwester Cheyenne mit ihrer Violine. Und die jüngste Schwester Shane – «sie ist die Begabteste» – spielt Hackbrett. Die Musik verbindet die drei Schwestern, die nicht immer gleicher Meinung sind. «Aber in der Musik sind wir uns immer einig.»

Doch nicht ans Konservatorium

Nach der Matura will Viviane Sonderegger tiefer graben. Sie sagt: «Ich will die Musik nicht nur fühlen, ich will sie auch verstehen.» Dafür müsse man sich mit den Stücken und sich selbst auseinandersetzen. Und die junge Pianistin will verstehen. Das habe sie in den vergangenen zwei Jahren realisiert. Deshalb wird sie an der Universität Bern Musikwissenschaften studieren. Sie hat sich bewusst gegen ein Musikstudium an einem Konservatorium entschieden. Das Dasein als Konzertpianistin sei einsam. Sie wolle nicht mechanisch Stücke einüben. «Mich interessieren die Hintergründe, die Qualitäten eines Werks.»

Viviane Sonderegger übt jeden Tag mindestens eine Stunde Klavier. «Weil ich muss, aber auch weil ich will», wie sie sagt. Wer sein Talent nicht nutze, der habe nicht viel davon. Die junge Frau mit der roten Mähne und dem ansteckenden Lachen weiss, was sie will. Für ein Ziel setzt sie ihre ganze Kraft ein.

Deshalb wird sie am Sonntag vor dem Auftritt auch Lampenfieber haben. Aber nur kurz. Nur so lange, bis sie auf die Bühne tritt und in ihre Welt eintaucht. Es gehe nicht darum, fehlerfrei zu spielen, sagt sie. «Ich will die Menschen mit meiner Musik berühren.»

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