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«Sie war die gute Seele der grossen Familie»: Der Teufner Max Früh kümmert sich liebevoll um seine an Demenz erkrankte Frau Sonja

Seit Jahren sorgt Max Früh für seine an Demenz erkrankte Frau. Das Ehepaar wohnt in einer Seniorenwohnung oberhalb von Teufen. Unterstützt wird er von der Spitex, die sich im selben Gebäude befindet.
Natascha Arsic
Sonja und Max Früh sind seit 55 Jahren verheiratet. Das Ehepaar wohnt in einer Seniorenwohnung oberhalb von Teufen. (Bild: Natascha Arsic)

Sonja und Max Früh sind seit 55 Jahren verheiratet. Das Ehepaar wohnt in einer Seniorenwohnung oberhalb von Teufen. (Bild: Natascha Arsic)

Max Früh sitzt an seinem Arbeitstisch aus Holz und tippt konzentriert auf der Computertastatur. Daneben steht ein kleiner gedeckter Esstisch, an dem er jeweils mit seiner Frau isst. Das Frühstück hat der 79-Jährige zubereitet, auch um den restlichen Haushalt kümmert er sich. Sonja Früh liegt noch im Bett im Zimmer nebenan. Die 84-Jährige ist vor einigen Jahren an Demenz erkrankt.

Lange hat sich Max Früh selbstständig um seine Frau gekümmert, die zunehmend Mühe mit dem Sprechen und Gehen bekundet. Seit einem halben Jahr hat sich ihr Zustand nochmals verschlechtert. Bereits vor vier Jahren entschied Max Früh, sich Unterstützung zu holen. Er sagt:

«Ich musste feststellen, dass ich nicht mehr alles alleine schaffen kann.»

Ausser sonntags kommt jeden Morgen eine Spitex-Mitarbeiterin vorbei, um Sonja Früh bei der Körperpflege zu helfen. Um den Rest möchte sich der Pensionär aber noch selbst kümmern.

Ein ständiges Geben und Nehmen

«Wir haben uns in einer Coop-Filiale in Basel kennengelernt, wo sie Leiterin war», erinnert sich der ehemalige Kaminfegermeister. Sonja Früh sei stets guter Laune gewesen und habe für alle gesorgt. So gab die Baslerin denn auch ihren Beruf auf, als sie nach Zürich zogen, und war fortan Mutter und Hausfrau.

«Sie war die gute Seele der grossen Familie.»

Damals hätten nebst den Familienmitgliedern auch alle Kaminfeger bei ihnen zu Mittag gegessen. Da Sonja Früh immer gut für ihren Ehemann gesorgt hat, möchte er das nun auch für sie tun. Der Teufner sagt:

«Ich kümmere mich gerne um Sonja.»

Die beiden sind seit 1964 verheiratet. «Ich habe jeweils an den Wochenenden geholfen und gekocht. Nun putze und koche ich eben einfach jeden Tag», erzählt der 79-Jährige schmunzelnd und schaut zu seiner Frau rüber, die mittlerweile am kleinen Esstisch wartet.

Bei schönem Wetter bietet die grosse Glasfront der Loggia einen Ausblick auf den Alpstein. Die 2,5-Zimmer-Wohnung ist hell und geräumig, an den Wänden und in den Regalen sind liebevoll angerichtet diverse Erinnerungsstücke aus früheren Zeiten zu finden.

Anzahl Pflegebedürftige wird sich fast verdoppeln

So wie Max Früh geht es auch zahlreichen anderen Angehörigen. Laut der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) von 2012 beanspruchten zwischen 220'000 und 260'000 über 65-Jährige Hilfe. Aufgrund der demografischen Entwicklung dürfte die Anzahl pflegebedürftiger Personen bis 2030 um schätzungsweise 46 Prozent zunehmen, schreibt das Bundesamt für Gesundheit in der Situationsanalyse von 2014.

Marianne Buchli, Sozialarbeiterin bei der Pro Senectute AR. (Bild: Natascha Arsic)

Marianne Buchli, Sozialarbeiterin bei der Pro Senectute AR. (Bild: Natascha Arsic)

«Die Möglichkeiten zur Entlastung von pflegenden Angehörigen reicht von der klassischen Körperpflege bis hin zur Haushaltshilfe oder der Tagesbetreuung durch den Entlastungsdienst», sagt Marianne Buchli, Sozialarbeiterin bei der Pro Senectute AR. Unterstützungsangebote seien auch bei Personen, deren Angehörige nicht in der Nähe wohnen, zunehmend ein Thema. Durch die erhöhte Mobilität wird der Bedarf in den kommenden Jahren wohl immer mehr steigen, meint Buchli.

Die Pro Senectute bietet kostenlos Beratungen für Personen ab dem AHV-Alter und deren Angehörige an. Buchli erklärt:

«Beim Gespräch geht es darum, Möglichkeiten zur Unterstützung der betreuenden Angehörigen aufzuzeigen sowie die Finanzierung abzuklären.»

So werden beispielsweise Leistungen der Spitex von der Krankenkasse
bezahlt, während die Kosten für die Haushaltshilfe nicht gedeckt sind. «Die Pro Senectute kann dabei unterstützen, die passenden Entlastungsmöglichkeiten zu finden und aufzugleisen», sagt Buchli. Der Bedarf an Entlastung sei nämlich sehr unterschiedlich.

Jährlicher Urlaub für Menschen mit Demenz

Sonja Früh hat nicht immer zusammen mit ihrem Mann gewohnt. Für kurze Zeit war sie in einem Heim, doch das hat für das Ehepaar nicht funktioniert, erzählt der Pensionär. Also zogen sie vor acht Jahren gemeinsam in eine Seniorenwohnung in Teufen. Die Umgebung ist ruhig, es gibt zahlreiche Spazierwege. Die Spitex ist im gleichen Haus eingemietet, gegenüber befindet sich das Alters- und Pflegeheim HUG. Der 79-Jährige sagt:

«Die Spitex vor Ort zu haben, ist ein grosser Vorteil.»

Es sei ihm anfangs nicht leichtgefallen, loszulassen und Hilfe anzunehmen. Doch mittlerweile könne er ganz gut damit umgehen. Das Ehepaar fährt noch jährlich gemeinsam in die Ferien. «Früher waren wir im Sommer in unserem kleinen Heimetli in der Hagenschwendi», erzählt der Teufner und zeigt stolz Bilder des Hauses. Nun nutzen er und seine Frau ein spezielles Angebot, das Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen Ferien ermöglicht. «Ich finde es schön, dass wir immer noch gemeinsam wegfahren können», sagt Max Früh.

Vorträge zum Thema Angehörige zu Hause pflegen

Die Pro Senectute AR organisiert in Zusammenarbeit mit den regionalen Spitex-Organisationen und dem Entlastungsdienst Appenzellerland drei Vorträge. Sie erläutern die Chancen und Herausforderungen der Pflege und Betreuung. Es wird aufgezeigt, wie man seine betagten Eltern unterstützen kann, sodass sie weiterhin in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können, oder auch wie man seinen Partner zu Hause gut pflegen und betreuen kann. Weiter erklären die anwesenden Fachpersonen, welche Finanzierungsmöglichkeiten der Entlastungsangebote bestehen.

Die Vorträge sind kostenlos. Es werden Kollekte gesammelt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Vorträge finden an folgenden Daten statt: Donnerstag, 29. August, um 18 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus Teufen; Dienstag, 24. September, um 18 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus Herisau; Dienstag, 12. November, um 18 Uhr im Kursaal Heiden.

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