«Sie war auch meine Favoritin»

DIETSCHWIL. Bereits zum 17. Mal zeichnete der Beobachter am Freitagabend Menschen aus, die ihr Handeln einem höheren Ziel unterordnen als dem eigenen Vorwärtskommen. Dabei war auch die Dietschwilerin Bianca Koller, die in Krisengebieten vor Ort Hilfe leistete.

Martina Signer
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Bianca Koller im Krisengebiet. (Bild: pd)

Bianca Koller im Krisengebiet. (Bild: pd)

Die Jury um die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer tat sich auch dieses Jahr bei der Wahl sichtlich schwer: Die selbstlosen und mutigen Taten der sechs nominierten Kandidaten sprachen für sich und hätten alle einen Preis verdient.

«Zivilcourage hat verschiedene Gesichter. Dies merkte die Jury auch dieses Jahr wieder angesichts der vielfältigen Nominationen, die uns unterbreitet wurden. So kann Zivilcourage der Mut sein, Dinge beim Namen zu nennen – oder eben, Dinge zu tun», fasste Andres Büchi, Chefredaktor des Beobachters, zusammen.

Zweimal in Krisengebieten

Etwas getan hat auch die Dietschwilerin Bianca Koller. Sie reiste gleich zweimal in diesem Jahr für das Schweizerische Rote Kreuz in Krisengebiete, welche die wenigsten freiwillig betreten würden. Sie half Ebola- und Erdbebenopfern. Im Januar arbeitete sie einen Monat lang im afrikanischen Sierra Leone, wo die höchst ansteckende Seuche Ebola wütete. Im Sommer flog sie, wieder als SRK-Freiwillige, nach Nepal. Dort hatten kurz zuvor schlimmste Erdbeben weite Teile des Landes verwüstet und sogar die Hauptstadt Kathmandu um anderthalb Meter versetzt: Über 8800 Menschen wurden getötet, 22 300 teils schwer verletzt. Acht Millionen Menschen sind betroffen. Den Prix Courage hat die Pflegefachfrau aus Dietschwil, die auf der Notfallstation im Spital Wil arbeitet, zwar nicht erhalten, trotzdem möchte sie diese Erfahrung nicht missen. «Es war für mich eine riesengrosse Ehre, überhaupt nominiert worden zu sein», sagt sie zwei Tage nach der Gala, an welcher der Prix Courage an die 70jährige Flawilerin Erna Niedermann vergeben wurde. Diese rettete zwei Menschen vor dem Ertrinken aus der Thur. «Erna Niedermann war auch meine Favoritin», sagt Bianca Koller, die selbst in Flawil aufgewachsen ist. «Ich mag ihr den Preis von Herzen gönnen.»

Auch weiterhin im Einsatz

Für Bianca Koller geht das Leben nach der Erfahrung «Prix Courage» normal weiter. Wenn man als normal bezeichnen kann, dass sie, ohne zu zögern, wieder in ein Krisengebiet reisen würde. «Ich werde auch weiterhin in den Einsatz gehen, wenn irgendwo eine Katastrophe passiert und das Schweizerische Rote Kreuz mich anfragt.»