Sie schreiben über Edelmessis, Wegemacher und Whisky-Wanderungen: Die FAZ ehrt Trogner Kantischüler für ihre Textbeiträge

Zwei Trogner Kantonsschulklassen nahmen im vergangenen Jahr am Redaktionsprojekt «Jugend schreibt» der renommierten «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» teil. Für ihre 21 veröffentlichten Artikel erhielten sie nun einen Preis.

Claudio Weder
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Einige der Preisträgerinnen der Kanti Trogen: v.l. Manuela Reifler, Lyn Jüstrich, Leonie Abderhalden und Sarah Reifler; v.r. Joey Jüstrich, Alina Loacker, Lea Sager und Julie Dietsche. In der Mitte die zwei Preisträger aus Deutschland, Daniel Eichmann (links) und Julian Burmeister (rechts).

Einige der Preisträgerinnen der Kanti Trogen: v.l. Manuela Reifler, Lyn Jüstrich, Leonie Abderhalden und Sarah Reifler; v.r. Joey Jüstrich, Alina Loacker, Lea Sager und Julie Dietsche. In der Mitte die zwei Preisträger aus Deutschland, Daniel Eichmann (links) und Julian Burmeister (rechts).

Bild: FAZ/Wolfgang Eilmes

Köstliche «Kartoffeln in der Unterwäsche» – so lautet der Titel eines Beitrags, der am Montag in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» erschienen ist. Verfasst hat den Text über den serbischen Kräutersammler und Fernsehkoch Neša Travka aber nicht etwa ein gestandener Redakteur der «FAZ», sondern Andjela Stanisic, die zurzeit die 5. Klasse an der Kantonsschule Trogen besucht.

Ihr Text ist einer von insgesamt 21 Beiträgen, die es im vergangenen Jahr ins deutsche Renommee-Blatt geschafft haben. Entstanden sind diese Texte im Rahmen des Projektes «Jugend schreibt», das nun bereits zum 33. Mal von der «FAZ» angeboten wurde. 100 Klassen aus acht verschiedenen Ländern nahmen daran teil. Für die Kantonsschule Trogen war es bereits die dritte Teilnahme – und gleichzeitig die erfolgreichste. Die Deutschlehrerin Biggi Brünnle freut sich:

«Jeder Artikel, den wir einsandten, wurde auch publiziert.»

Das journalistische Engagement der Trogner Schüler hat letztlich auch die Vorsitzenden der Fazit-Stiftung überzeugt, welche jeweils zum Abschluss des einjährigen Projektes die besten Beiträge mit einem Preisgeld ehrt. Die beiden Trogner Klassen erhielten den mit 1000 Euro dotierten Sonderpreis. Die Begründung nennt Ursula Kals, projektverantwortliche Redakteurin bei der «FAZ», in ihrem Artikel:

«Den Gymnasiasten der Kanti Trogen ist es zu verdanken, dass die Leser immer wieder mit exklusiven Berichten aus der Schweiz versorgt wurden.»

Viele Appenzeller Geschichten

Wie Kals weiter schreibt, versteht sich das Projekt «Jugend schreibt» in erster Linie als Leseprojekt. Julia Heier, die ebenfalls Deutsch an der Kantonsschule Trogen unterrichtet, erklärt: «Grundsätzlich geht es bei diesem Projekt darum, sich ans Zeitungslesen heranzutasten.» Ein Jahr lang arbeiteten die teilnehmenden Klassen mit den Ausgaben der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» im Unterricht.

«In einer ersten Phase setzten wir uns intensiv mit den Beiträgen auseinander, analysierten diese, verglichen sie mit Artikeln anderer Medien», so Heier. Im Anschluss an diesen ersten Block hatten die Jugendlichen Gelegenheit, zu frei gewählten Themen eigene Artikel zu verfassen und diese der «FAZ» anzubieten. Die besten Beiträge wurden von der Redaktion ausgewählt und jeweils montags auf der eigenen, im Sportteil angesiedelten «Jugend schreibt»-Seite sowie online veröffentlicht.

Unter den publizierten Geschichten waren auch viele mit Appenzeller Bezug. Sarah Reifler etwa besuchte den Schwellbrunner «Edelmessi» Matthias Krucker alias Kuk. Michèle Ehrbar begab sich auf den Whisky-Trek im Alpstein und Manuela Reifler schrieb über den Appenzeller Wegmacher Patric Hautle.

Neue Rerchercheformen kennengelernt

Für viele Lernende war das journalistische Arbeiten Neuland. Julie Dietsche (6. Klasse) etwa betont, dass es für sie eine völlig neue Erfahrung gewesen sei, auf fremde Leute zuzugehen und sie zu interviewen. Die Jungautorin verfasste eine Reportage über das grösste selbstverwaltete Mehrfamilienhaus der Schweiz.

Leonie Abderhalden aus der 5. Klasse sagt, dass sie vom Projekt viel Positives mitgenommen habe, auch wenn sie erleichtert sei, dass es nun zu Ende ist. Ihr habe das Verfassen eines Artikels gereicht, sagt sie und lacht. Sie porträtierte einen Bündner Jungunternehmer, der aus Kremationsasche Diamanten herstellt. Dabei habe sie viel fürs Leben gelernt und vor allem die zwischenmenschliche Erfahrung geschätzt. Ähnlich beschreibt es ihre Lehrerin Biggi Brünnle. Auf die Frage, was das Tolle an «Jugend schreibt» sei, antwortet sie:

«Es sind vor allem die Geschichten hinter den Geschichten, die berühren.»

Nicht zuletzt war die Teilnahme am «FAZ»-Projekt auch für die beiden verantwortlichen Lehrpersonen ein Erfolgserlebnis. «Die Auszeichnung durch die Fazit-Stiftung ist gleichzeitig ein indirektes Feedback an uns Lehrpersonen», sagt Julia Heier. Weiter betont sie, dass es toll sei, dass die Schülerinnen und Schüler reale Artikel verfassen können, die dann mit etwas Glück auch publiziert werden – und zwar in einer Zeitung mit grosser internationaler Leserschaft.

«Es sind nicht einfach Aufsätze, die dann irgendwo in einem E-Mail-Ordner verschwinden.»

Nicht immer verlief alles reibungslos Für die Lernenden sei es vor allem auch spannend gewesen, den Entstehungsprozess eines Zeitungstextes mitzuerleben – von der Recherche und den Interviews, über den sprachlichen Feinschliff im Austausch mit den «FAZ»-Lektoren bis hin zur Publikation. Wobei die Lernenden auch erfahren mussten, dass während dieses Prozesses nicht immer alles reibungslos verläuft – etwa, wenn Interviewpartner nicht viel von sich preisgeben oder es gar nicht zum Treffen mit jenen Personen kommt, weil die Anfragen einfach unbeantwortet bleiben.

Zum Abschluss des Projektes wurden die beiden Klassen vergangene Woche nach Frankfurt eingeladen. Neben der Preisverleihung stand auch ein Besuch auf der Redaktion sowie in der Druckerei an. Was nun mit den 1000 Euro geschieht? Damit wollen sich die beiden Klassen demnächst ein gemeinsames Abendessen gönnen.