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«Sie reden beide schon wie Politiker»

Der Lichtensteiger Gemeinderatsschreiber Mathias Müller und der St. Galler Bankkundenberater Stefan Rosenblum kandidieren für das Amt des Lichtensteiger Stadtpräsidenten. Am Montag stellten sie sich den Fragen des Radiojournalisten Pius Kessler und der Lichtensteiger Bevölkerung.
Hansruedi Kugler
Händeschütteln am Ende der Debatte: (von links) Die beiden Kandidaten für das Lichtensteiger Stadtpräsidium Stefan Rosenblum und Mathias Müller sowie Moderator Pius Kessler. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Händeschütteln am Ende der Debatte: (von links) Die beiden Kandidaten für das Lichtensteiger Stadtpräsidium Stefan Rosenblum und Mathias Müller sowie Moderator Pius Kessler. (Bilder: Hansruedi Kugler)

LICHTENSTEIG. Ein Publikumsaufmarsch wie bei einer Bürgerversammlung – das sehe man als Moderator selten. Pius Kessler, DRS 1-Redaktor des Regionaljournal Ostschweiz, staunte nicht schlecht, als er in die über hundertköpfige Zuschauerschar in der Kalberhalle blickte. «Zwei Kandidaten, die schon wie richtige Politiker reden», lautete am Ende des Abends das Fazit des Moderators über die Rhetorik von Mathias Müller und Stefan Rosenblum: Nie um eine Antwort verlegen, den Konsens in der Bevölkerung betonend, in der sachpolitischen Auslegeordnung keine eindeutigen Ziele und Versprechen abgebend. Wahlkampfstimmung mit persönlichen Angriffen oder grundsätzlichen, sachpolitischen Differenzen kam mit Ausnahme von wenigen feinen Seitenhieben ebenfalls nicht auf. Dies aus guten Gründen: Betonen doch beide, die politischen und persönlichen Gräben in Lichtensteig überwinden zu wollen, die während den letzten Jahren der Präsidialzeit von Roger Hochreutener die Stimmung im Städtli beherrschte. So erstaunte nicht, dass beide als erste strategische Massnahme im Amt die Bevölkerung ins Boot holen wollen: Mathias Müller mit einem Workshop, in der gemeinsam die politischen Ziele definiert werden sollen, Stefan Rosenblum mit einer Standortanalyse.

Streber oder Hinterbänkler?

Eine Stunde lang befragte Pius Kessler die beiden Kandidaten für das Lichtensteiger Stadtpräsidium. Und er tat dies mit einer unterhaltsamen Mischung von persönlichen und lokalpolitischen Fragen. So wollte er gleich zu Beginn wissen, ob die beiden Kandidaten in der Schule Streber oder Hinterbänkler gewesen seien. In der Primarschule sei er vorne gesessen, sagte Mathias Müller. Später allerdings sei er weiter nach hinten gerückt. Der Klassengeist sei ihm jedoch immer wichtig gewesen. «Und jetzt wollen Sie trotzdem Dirigent werden?», hakte Pius Kessler nach. «Ich will nicht Dirigent werden, sondern Stadtpräsident. Dieser zwingt dem Gemeinderat nicht seinen Willen auf, sondern leitet zusammen mit diesem die Politik im Städtli», konterte Müller. Und Stefan Rosenblum? Ihm sei die Schule leicht gefallen, erzählte er. Meist sei er am Fenster gesessen, «ein Platz mit Weitblick, diesen Weitblick will ich auch jetzt, gerade als Neuling in Lichtensteig mit frischem Wind einbringen», sagte Stefan Rosenblum.

Zweierlei Lausbubenstreiche

Der eine, Stefan Rosenblum, will «unvoreingenommen die Bedürfnisse des Städtli anschauen und mit frischem Wind anpacken», der andere, Mathias Müller, will «mit reicher Verwaltungserfahrung die Zukunft Lichtensteigs gestalten und basisnah Probleme lösen». So sehen sich die beiden Kandidaten selbst. Ein Müsterchen in praxisnaher Problemlösung hörte das Publikum gleich in der anschliessenden Frage. Pius Kessler wollte wissen, was für Lausbubenstreiche sich die beiden als Jugendliche geleistet hätten. Stefan Rosenblum erwähnte das «Lüütispiel» an Nachbarstüren.

Mathias Müller, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, erzählte, er habe es lustig gefunden, Reifen anzuzünden. «Was machen Sie als Stadtpräsident mit solchen Lausbuben?», wollte Pius Kessler wissen. Er habe vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall behandeln müssen, sagte Mathias Müller. Vor einem Restaurant hätten zwei Jugendliche Feuerwerk gezündet, was ziemlich gefährlich gewesen sei. Eine Kamera habe die Täter aufgenommen, diese hätten aber die Tat zweimal abgestritten. «Wir entschieden, auf eine Anzeige zu verzichten.» Das zweimalige Erscheinen auf der Gemeinde habe wohl auch so seine Wirkung gehabt. Stefan Rosenblum meinte: «Wegen dem Anzünden von Reifen gibt es sicher keine Anzeige. Grundsätzlich sollten die Leute aber keine schlotterigen Knie haben, wenn sie ins Rathaus kommen.»

«Warum tut man sich das an?»

«Stadtpräsidenten ecken an, müssen sich exponieren, sind nicht überall beliebt. Warum wollen Sie sich das antun?», wollte Pius Kessler wissen. Er habe sich nun seit zehn Jahren auf eine Führungsaufgabe in einer Gemeinde vorbereitet, sagte Mathias Müller. «Ich stehe gerne vorne hin. Das Städtli liegt mir am Herzen, deshalb will ich hier Stadtpräsident werden.» Auch Stefan Rosenblum zeigte sich selbstbewusst in der möglichen Rolle des Stadtpräsidenten: «Als aktiver Stadtparlamentarier bin ich jetzt schon exponiert. Auch in anderen Bereichen habe ich Verantwortung und Führungsaufgaben gesucht und nie gescheut.»

Wann Mathias Müller in eine Partei eintrete, wollte Pius Kessler wissen. Er bleibe mittelfristig parteilos, was auf Gemeindeebene auch kein Problem sei. Stefan Rosenblum bezeichnete sich auf Nachfrage als «treues CVP-Mitglied». Er habe auch schon den Mitgliederbeitrag von 40 Franken an die CVP Lichtensteig einbezahlt, allerdings sei der Beitrag mit anonymem Schreiben wieder zurück geschickt worden.

Fusion, Energie, Investitionen

Die zweite Runde ging dann in die Sachpolitik. Erstes Thema war die mögliche Fusion mit Wattwil. Ein klares Ja oder Nein gab es aber von beiden Kandidaten nicht. Es brauche noch eingehende Analysen, meinten beide. Zwar seien Lichtensteig und Wattwil in einigen Bereichen zusammengewachsen, aber mit einer Fusion drohe ein Identitätsverlust, gab Mathias Müller zu bedenken. Und Stefan Rosenblum ergänzte: Fusion sei bloss eine mögliche Zusammenarbeitsform. Wenn er allerdings wie Mathias Müller schon acht Jahre im Städtli politisieren würde, könnte er, Stefan Rosenblum, sicher sagen, was er von einer Fusion halte.

Auch beim Thema alternative Energien gaben beide Kandidaten Interessen abwägende Statements ab. Der Ortsbildschutz sei für die Altstadt hoch zu bewerten. Man solle nicht auf jedes Altstadtdach Sonnenkollektoren einbauen. Auch beim Thema Finanzen zeigten beide keine Blösse. Stefan Rosenblum hielt den Mahnfinger bei den Investitionen hoch. Man müsse bei jeder Investition die Folgekosten, die Unterhaltskosten im Auge behalten. «Gibt es mit Ihnen denn überhaupt noch Investitionen?», wollte Pius Kessler wissen. Mathias Müller hielt dem entgegen: Zwar müsse man jeden Franken zweimal umdrehen, bevor man investiere. Aber es gäbe in Lichtensteig schlicht die Notwendigkeit, die Infrastruktur, insbesondere im Bereich Werkleitungen, zu erneuern. In den letzten Jahren habe es in Lichtensteig zwanzig Rohrbrüche gegeben.

Eine Million für Lichtensteig

Kreativität war gefragt beim Angebot von Pius Kessler: «Ich gebe Ihnen eine Million Franken. Was tun Sie damit?» Stefan Rosenblum nannte drei Punkte: Infrastruktur erneuern, Städtli beleben und Wohnquartiere wohnlicher machen. Mathias Müller meinte, im Vordergrund stehe die Entschuldung der Gemeinde, die es erst möglich mache, langfristige Infrastrukturprojekte zu realisieren, zum Beispiel die Sanierung des Goldenen Bodens.

Fragen aus Publikum

Wie er dazu komme, in einem Zeitungsinterview zu behaupten, die Rendite des Postgebäudes stimme nicht, wollte Regula Kündig von Stefan Rosenblum wissen. Er habe die Unterlagen von der Gemeinde verlangt, die seien aber nicht vollständig gewesen, antwortete dieser. In dieser Rechnung seien nicht alle Posten aufgeführt gewesen. Wie es mit dem Oberstufengebäude weiter gehen soll, lautete eine weitere Frage. Stefan Rosenblum meinte, er sei froh um die Zwischenlösung mit dem BWZT, Mathias Müller hält den Einzug des BWZT für eine Lösung auch für die Zukunft. Beim Schulstandort sind beide der Meinung, dass eine Gemeinde wie Lichtensteig eine eigenständige Primarschule braucht. Was der Städtlimanager kostet und nützt, wollte Thomas Wildberger wissen. Pro Jahr zahle die Gemeinde 25 000 Franken, der Kanton 11 000 Franken, informierte Mathias Müller. «Am Ende muss der Städtlimanager zeigen, dass er nicht mehr kostet als er einbringt», ergänzte Stefan Rosenblum. Rita Roos wollte wissen, wie lange Stefan Rosenblum in Lichtensteig bleiben wolle. «Solange, wie ich die richtige Person bin, das Städtli vorwärts zu bringen», so seine Antwort. Mathias Müller prophezeite für sich drei bis vier Legislaturen, was dann sei, könne man noch nicht vorhersagen.

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