«Sie prägen unser Gesicht nach aussen»

Die Pro Senectute Schweiz besteht seit 100 Jahren. Die freiwilligen Mitarbeiter aus Ausserrhoden feiern auf dem Säntis den runden Geburtstag. Die Organisation steht vor Veränderungen.

Andy Lehmann
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Am Jubiläumsanlass wird die Zeit gerne auch für Begegnungen und gute Gespräche genutzt. (Bilder: Andy Lehmann)

Am Jubiläumsanlass wird die Zeit gerne auch für Begegnungen und gute Gespräche genutzt. (Bilder: Andy Lehmann)

Andy Lehmann

andreas

.lehmann@appenzellerzeitung.ch

«Lass die Sonne scheinen, wir feiern schliesslich unser 100-jähriges Bestehen», sagte Regula Eugster auf der Fahrt hinauf zum Säntis. Sie ist die Präsidentin der Pro Senectute AR. 75 Mitarbeitende sind der Einladung zum Jubiläumsanlass gefolgt. In seiner Begrüssungsrede blickt der Geschäftsleiter Markus Gmür auf die Anfänge der schweizweiten Organisation zurück. «Die Gründung in Appenzell Ausserrhoden erfolgte 1919 in Trogen als Stiftung für das Alter. Damals gab es noch keine AHV, diese wurde erst 1947 in einer Volksabstimmung angenommen. Ein Jahr später wurden erste Renten ausbezahlt. In den Anfängen gab es Korrespondenten. Dies waren meistens Lehrer oder Pfarrer. Sie bildeten die Schnittstelle zwischen Stiftung und Bevölkerung», sagte Gmür. Auch wenn in der heutigen Zeit viele Pensionäre finanziell unabhängig seien, würden rund 20 Prozent in prekären Verhältnissen diesbezüglich ­leben. Armut werde ein wichtiges Thema bleiben, so der Geschäftsführer. Er sprach auch davon, dass selbstständiges Wohnen im Alter für viele ein wichtiger Aspekt sei und dass die Leistungen in diesem Bereich ausgebaut werden sollen. Die Dienstleistungen der Pro Senectute umfassen unter anderem diverse Sportangebote, Gratulationsbesuche, Alltagshilfe und viele mehr. Markus Gmür bedankte sich bei den Mitarbeitenden mit den Worten: «Dieser Tag auf dem Säntis soll speziell für euch sein. Auch im Wissen darum, dass ihr nebst den rapportierten Stunden viel mehr nebenher leistet, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.»

Die Finanzierung wird neu geregelt

«Ein enorm wichtiger Teil unserer Organisation sind Sie als freiwillige Mitarbeiter. Sie gestalten und bilden einen grossen Teil des Images und geben unserer Organisation ein Gesicht», sagte Regula Eugster. In ihrer Dankesrede sprach sie aber auch die Veränderungen in der Pro Senectute an. Dies betrifft vor allem die finanzielle Unterstützung durch den Bund. «Neu wird anstelle des Leistungsvertrages ein Subventionsvertrag zum Tragen kommen. Dieser bringt Veränderungen bei den Beiträgen wie auch bei den Anforderungen an unsere Angebote. Leider sind die genauen Auswirkungen noch nicht bis ins Detail bekannt, aber ich bin überzeugt, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam meistern werden», sagte Eugster.

Als Vertreterin des Kantons überbrachte Heidi Brassel, Fachspezialistin Alter, vom Amt für Soziales AR, den Dank und die Grüsse der Regierung. Sie sprach unter anderem von den Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung in Ausserrhoden. «Die Statistiken belegen, dass künftig immer mehr ältere Menschen in unserem Kanton wohnen werden. Wir wissen, dass die meisten so lange wie möglich zu Hause leben möchten. Der Regierungsrat setzt sich dafür ein, dass künftig vielfältige und bedürfnisgerechte Pflege- und Betreuungs­angebote zur Verfügung stehen.» Es sei das Ziel, die aktive und selbstständige Lebensgestaltung älterer Menschen in ihrem vertrauten Umfeld möglichst lange zu erhalten, so Heidi Brassel. «Mit Ihrer freiwilligen Arbeit in den verschiedensten Bereichen der Pro Senectute unterstützen Sie Menschen, damit diese aktiv und selbstbestimmt ihr Leben meistern können. Damit tragen Sie massgeblich zur finanziellen Entlastung des Gesundheits- und Sozialwesens bei. Gönnen Sie sich auch immer wieder eine Pause und geniessen den Ausblick von einer Anhöhe aus».

Es folgte eine textile Lesung über die Stickereigeschichte von St. Gallen und dem Appenzellerland. Gekleidet in eine mit kunstvollen Stickereien verzierte Robe erzählte die Schauspielerin Diana Dengler auf spannende und zugleich humorvolle Weise vom harten Leben in früherer Zeit. Mit dem Apéro klang der Jubiläumstag ­gemütlich aus. Zur Freude von Regula Eugster hatte sich die Sonne tatsächlich zwischendurch gezeigt.

Hinweis

www.ar.pro-senectute.ch