Bei ihr dreht sich alles um Weihnachten

Für die Bauersfrau Doris Roduner aus Speicher ist jetzt die schönste Zeit des Jahres. Ihre selbst gemachten Krippenfiguren schmücken Kirchen und Privatwohnungen.

Karin Erni
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Doris Roduner mit ihrer eigenen Krippe in der Wohnstube.

Doris Roduner mit ihrer eigenen Krippe in der Wohnstube.

Ralph Ribi

Seit 30 Jahren ist Doris Roduner von einem Virus befallen. Angesteckt wurde die Bäuerin aus Speicher in einem Landfrauenkurs, in welchem die Technik zur Herstellung von Schwarzenberger-Krippenfiguren vermittelt wurde. Eine ihrer Freundinnen habe den Kurs ebenfalls besuchen wollen, erinnert sie sich. «Weil kein Platz mehr frei und die Warteliste lang war, habe ich mit ihr zusammen gleich einen ganzen Satz Figuren selber angefertigt.» Das Resultat überzeugte und ihr Ehrgeiz war geweckt.

Vom Orient in die Arktis

Mit den Jahren perfektionierte sie ihre Technik und fand eigene Wege, damit ihr die Arbeit leichter von der Hand geht. Auch die Sujets wurden immer origineller. So kreierte sie einmal eine Indianerfamilie, die mit ihrem Kindlein in einem Tipi lebt. Auch eine Iglu-Krippe mit Inuit-Figuren stand schon in der heimischen Stube. «Mein Mann mag Krippen nicht sonderlich, aber die hat ihm gut gefallen», erinnert sich Roduner. Das Werk ist allerdings längst verkauft, wie viele andere auch. Zusätzliche Inspiration für ihre Arbeit hatte sie sich von einer Wanderreise nach Marokko versprochen. Doch die vielen Eindrücke im turbulenten Marrakesch hätten sie am Anfang komplett überfordert. «Ich hatte einen richtigen Kulturschock. Als ich mich gegen Schluss der Reise an die fremde Umgebung gewöhnt habe, hatten wir keine Zeit mehr, um im Souk herumzustöbern», bedauert sie. Immerhin hätten ihr die Wüstenlandschaft, die orientalischen Gewänder und Turbane neue Gestaltungsideen gegeben. «Aber ich möchte schon wieder einmal eine Reise in ein fernes Land machen.»

Beliebte Figuren-Kurse

Nach dem Auszug der Kinder hat sie zwei Zimmer im Bauernhaus zu ihrem Kurs- und Werklokal umgebaut. Der erste Kurs sei ziemlich kurlig verlaufen, erinnert sie sich. «Ich hatte kurz zuvor einen Unfall, daher die Hand eingebunden.» Aber die unverwüstliche Frohnatur hat die Herausforderung gemeistert. Seither kommen jedes Jahr im Januar einige Frauen und Männer, um von ihr die Herstellung von Krippenfiguren zu lernen. Der Aufbau beginnt mit einem Rohling aus Sisaldraht. Dieser erhält einen Kopf aus Modelliermasse, einen Körper aus gepolstertem Stoff und Bleifüsse für den guten Stand. Die Hände, Füsse und der Kopf werden mit einem feinen hautfarbenen Strickgewebe namens Duvetine überzogen. «Das Besondere an den Figuren im Schwarzenbergerstil ist, dass sie kein Gesicht mit Augen und Mund haben», erklärt Doris Roduner. «Das ist Geschmackssache und gefällt halt nicht allen Leuten gleich gut.»

Für die reformierte Kirche in Speicher, wo sie als Aushilfsmesmerin tätig ist, hat sie 2011 mit Hilfe einer Freundin und Frauen aus dem Dorf eine sechs Meter breite Krippe angefertigt. Die Figuren sind leicht grösser als üblich. In der Adventszeit geht sie jede Woche in die Kirche, um sie neu zu platzieren. «Die Weihnachtsgeschichte soll lebendig werden.» Ein Höhepunkt in ihrem Schaffen war die Ausstellung im Haus Appenzell in Zürich.

Krippenfiguren im Rohzustand.

Krippenfiguren im Rohzustand.

Ralph Ribi

Kilometerweise Stoff

Gerne geht Doris Roduner in Läden und auf Märkten persönlich auf die Suche nach Gegenständen, die sich in die Krippenlandschaft einbauen lassen. Immer häufiger bestellt sie auch im Internet oder beteiligt sich an Onlineauktionen. In den Räumen türmen sich denn auch die Gestelle mit allerlei Krimskrams wie Modeschmuck, Perlen und Dekorationsgegenstände aller Art. Es gibt meterweise Schubladen mit unterschiedlichsten Stoffen, alle fein säuberlich nach Material und Farbe geordnet. Hier können sich die Kursteilnehmerinnen bedienen. «Ich darf nichts mehr kaufen, mein Lager ist übervoll», sagt sie lachend beim Blick in die Schubladen.

Alle Materialien sind fein säuberlich geordnet.

Alle Materialien sind fein säuberlich geordnet.

Ralph Ribi

Immer wieder komme es vor, dass ihr die Leute ältere Krippenfiguren vorbeibringen, weil sie beschädigt sind oder ihnen nicht mehr gefallen, so Roduner. «Die kaputten Sachen repariere ich fachgerecht und die langweilig gewordenen peppe ich etwas auf. Oft reicht ein anderes Tüechli oder ein neues Accessoire, damit die Krippenfigur in neuem Glanz erstrahlt und die Besitzer wieder Freude daran haben.»