Sie haben gut lachen

«Wer muss heute die Brosmete schreiben?»: Eine wiederkehrende morgendliche Frage in die Redaktionsrunde, die bei den Vergesslichen nicht selten das pure Erschrecken und Grauen hervorruft. Auch bei mir: Es liegt mir ganz und gar nicht, auf die Schnelle zu brösmele.

Monika Egli
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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

«Wer muss heute die Brosmete schreiben?»: Eine wiederkehrende morgendliche Frage in die Redaktionsrunde, die bei den Vergesslichen nicht selten das pure Erschrecken und Grauen hervorruft. Auch bei mir: Es liegt mir ganz und gar nicht, auf die Schnelle zu brösmele. Ich brauche Zeit, und zwar Tage, das Ding muss reifen und gedeihen, das Unterbewusstsein muss einige Nächte lang arbeiten, bevor es plötzlich «klick» macht. Ich beobachte deshalb stets neidvoll jene Kolleginnen und Kollegen, die solche Glossen einfach aus dem Ärmel schütteln, innert einer halben Stunde liefern. Ich selber pflege eine ausgesprochene Hass-Liebe zu diesem Gefäss – seit nunmehr 20 Jahren, was bedeutet, dass ich schon ungefähr 300 Beiträge geliefert habe. Denn noch unter der Fuchtel von Hanspeter Strebel musste jeder diese Randspalte zweimal monatlich füllen. Diese Kadenz hat sich zum Glück halbiert. Die Brosmete bringt es wegen des Bildlis mit sich, dass man erkannt wird. «Ich habe Ihren Artikel gelesen, er hat mir gut gefallen», heisst es hie und da. «Artikel? Was habe ich in letzter Zeit geschrieben? War es etwa jene Geschichte, an der ich drei Tage gearbeitet habe?», denkt man sich, bis das Gegenüber aufklärt: «Ich habe so gelacht.» «Aha, nur die Brosmete …» Heute Abend findet in der alten Stuhlfabrik in Herisau eine Brosmete-Lesung statt. Dieser seit mehr als zwei Jahrzehnten unverrückbare Bestandteil der Appenzeller Zeitung kommt zu Ehren und auf die Bühne. Einige Autoren lesen ihre Lieblingsstücke vor, erzählen den Hintergrund dazu und wie stark sie übertrieben, vielleicht auch ein wenig geflunkert haben. Es wird sicher unterhaltsam (bei freiem Eintritt notabene).

Äh: Finden Sie dieses Geschreibsel hier eine gelungene Brosmete? Ich auch nicht. Kein Wunder. Vor einer halben Stunde hat mir Chef pk gesagt, dass ich nicht, wie ich das sonst oft tue, mit jemandem abtauschen könne. «Heute muss in der Brosmete über die Brosmete geschrieben werden. Als ältestes Ross im Stall musst Du das tun» (doch, doch, so spricht er mit uns). Ich hatte aber nur noch eine halbe Stunde Zeit, deshalb haben Sie heute nichts zu lachen.