«Shredden», «jibben» und «grabben»

Letzte Woche hat der Warmtobel Jam, gemäss Snowland.ch der «grösste natürliche Funpark der Schweiz», stattgefunden. Der Anlass zieht etliche begeisterte Freestyler an den Berg. Unter ihnen auch Sven Rauber, der von der Faszination Freeski schwärmt und erklärt, warum das so ist.

Olivia Hug
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Wildhaus. Es gibt zwei Arten, durch die Warmtobel-Piste zu «jibben», sprich: Sie kreativ zu absolvieren. «Entweder man macht alles an einem Stück und beschränkt sich auf einfachere Tricks, oder man macht schwierigere Sprünge, legt dafür aber Stops ein», erläutert der Wildhauser Freeskier Sven Rauber. Als einer, der praktisch jeden Tag auf der Piste anzutreffen ist, muss er es wissen.

Nur gezwungenermassen legt er hie und da eine Pause ein, denn das Fahren über Hindernisse und Springen über Schanzen macht müde. «Ich will jeden Tag, an dem ich am Berg sein kann, am Berg sein», sagt der 20-Jährige kurz und knapp. Und wie verbringt er den Sommer, wenn kein Schnee zum «Shredden» (Freestyle fahren) da ist? «Dann mache ich Sommerschlaf», scherzt Sven Rauber. Diese Jahreszeit nutze er, um nebst Biken und Trampolin springen einfach auch mal nichts zu tun.

So richtig geniessen kann der Maturand den Warmtobel Jam allerdings nicht: Er zog sich kürzlich einen Kreuzbandriss zu. Vor Ort ist er trotzdem, nur schon seiner Kollegen wegen.

Weg vom Skispringen

Zudem ist Sven Rauber praktisch mit Skiern an den Füssen geboren. Mit gut zweieinhalb Jahren stellten ihn seine Eltern, beide in der Skischule tätig, auf die Piste. Nur vier Jahre später begann er mit Skispringen, was er bis vor etwa zwei Jahren regelmässig trainierte. Dann gewann seine Faszination Freeskiing Überhand.

«Ich war schon mit etwa 14 Jahren im Park, doch jetzt ist es ein Vollzeit-Hobby», sagt der Wildhauser. Professionell zu fahren ist kein Thema für ihn: «Der Wettkampfgedanke bringt mir nicht, was ich an diesem Sport so schätze, und würde mich zu sehr in das Schema zurückwerfen, vor welchem ich mit dem Ende des Skispringens Abschied nahm.» Statt den Fokus nur auf möglichst spektakuläre Sprünge zu lenken, ginge es beim Freestyle fahren um den ästhetischen Wert.

Auch kleine, kreative Tricks bereiten Freude – darum geht es ihm als Freeskier, der selten an Contests teilnimmt. Der technisch schwierigste Sprung, den er beherrscht, ist der «Switch 1080°», also eine dreifache Umdrehung, die rückwärts fahrend ausgeführt wird. Er zieht allerdings anderthalbfache Umdrehungen vor, beispielsweise den «Cork 5». «Weil ich so mehr Zeit habe und mich ruhiger drehen kann», begründet Sven Rauber. Diese Zeit nutze er, um einen schönen «Grab» zu machen; um die Skier festzuhalten.

Sinkende Verletzungsgefahr

Auf der Piste hört der 20-Jährige meistens Hip-Hop. So komme er vor einen Sprung zur Ruhe und könne allfällige Zweifel beseitigen. Gewöhnlich habe ein Freestyler aber keinen Schiss, bevor er auf einen «Kicker» zu fährt. «Schiss bedeutet ein zu grosses Risiko.» Respekt habe er aber schon, erzählt Sven Rauber. Doch die Verletzungsgefahr sei nicht mehr so hoch, wie vor einigen Jahren.

Genauso wie der Sport an Anerkennung gewinne, würde das Niveau der «Rider» (Fahrer)» und die Kontrolle über das, was sie tun, steigen. Dennoch hat sich der Wildhauser schon einige Blessuren zugezogen. Drei Gehirnerschütterungen, eine Bänderzerrung im Fussgelenk und ein gerissenes Kreuzband lautet die Bilanz. «Damit bin ich bedeutend besser dran, als der Durchschnitt der Alpin Skifahrer», relativiert Sven Rauber und nennt einen weiteren Vorteil des Freestyle: Die Vielseitigkeit.

«Es gibt nicht einfach nur Rot/Blau, wie im Skirennsport. Die Möglichkeiten im Freeski sind fast unbegrenzt.» Zudem sei der freundschaftliche Gedanke in diesem Sport ausgeprägter. Gerade in Wildhaus, wo Snowland.ch fest verankert sei, herrsche eine sehr gute Stimmung unter den Fahrenden. Der Funpark ist längst ein Treffpunkt für Rider und Fans.

Gibt's nichts Negatives am Freestyle-Sport? «Doch», so Sven Rauber, «in grossen Skigebieten ist die Szene oft wichtiger als der Sport selbst. Dort ist alles <krass>: Man benimmt sich cool, man sieht cool aus und man redet cool. Aber fahren tun nur wenige.»

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