Sex and Crime

Polizei! Ich werde auf den Boden gedrückt. Die Polizistin schreit: «Sie sind festgenommen wegen Nötigung und Mordes an Jenny Kielmann.» Cut. Meine letzte Szene in einem Vorabendkrimi in München. Ich darf den Sektenprediger James spielen und ermorde Jenny.

Philipp Langenegger
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Bild: Philipp Langenegger

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Polizei! Ich werde auf den Boden gedrückt. Die Polizistin schreit: «Sie sind festgenommen wegen Nötigung und Mordes an Jenny Kielmann.» Cut. Meine letzte Szene in einem Vorabendkrimi in München. Ich darf den Sektenprediger James spielen und ermorde Jenny. Schliesslich hat sie rumgeschnüffelt. Gut, ich gebe zu, das Drehbuch ist «suuftönn». Dünn an Inhalt.

Aber einen Mörder spiele ich selten und die Menschen am Filmset sind umso spannender. Die Jenny zum Beispiel, die ich umbringe, erzählt mir von ihren Schreibkünsten. Vorwiegend Sexromane. In Englisch. Sex beschreibt sich am besten in Englisch, belehrt sie mich. «Die deutsche Sprache hält auf», sagt sie grinsend. Schon vier Romane hat sie weltweit verkauft. Ihre Spezialität sind Spezialitäten.

Weitere Ausführungen erspare ich dem geneigten Brosmete-Leser. Ihre Sexgroschen entstehen nicht im Bett, sondern in ihrem Kopf am Küchentisch. Die Maskenfrau, welche uns Schauspieler schminkt, war bis vor einem Jahr Bodyguard. Sie plaudert aus dem Nähkästchen, dass sie eine reiche Unternehmerfamilie rund um die Uhr beschützt habe. Man glaubt es ihr kaum, wenn man ihre zarten Hände sieht. Als die Unternehmergattin von ihr verlangte, dass sie Einkaufstaschen auszuladen habe, sei es ihr zu bunt geworden.

Der Schauspielkollege Björn macht sich keine Freunde. Er labbert ohne Punkt und verteilt tolle Ratschläge. Die Kameramänner verdrehen die Augen. Im richtigen Leben arbeitet er bei einem Teleshopping-Sender. Als Moderator redet er sich wund und verkauft Plunder. Der billige Jakob im Fernsehen verkauft Pfannensets, Kosmetikartikel und Zeug, was keine Sau braucht, so der kölsche Junge. Er sieht etwas mitgenommen aus. Er mache gerade eine Basendiät, erzählt er. In einer der letzten Szenen bedrohe ich meine Sekretärin Tina, welche mir zuvor von ihrem Karrierehoch als Frühstücksfernseh-Moderatorin erzählte. Jung und sexy sei sie damals gewesen.

Ich verkneife mir einen Kommentar und konzentriere mich auf die Ermordung von Jenny Kielmann.