SERIE: Leuchtend gelb bis schillernd rot

Der fünfte und letzte Teil der Serie zum Landschaftskonzept Neckertal ist der Espe gewidmet. Ein Baum, der nicht nur eine wichtige Rolle für Insekten spielt, sondern auch in der Medizin breite Anwendung findet.

Urs M. Hemm
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Als Lichtbaum braucht die Espe helle Standorte. Im dichten Wald würde sie nicht überleben. (Bild: Heiri Schiess)

Als Lichtbaum braucht die Espe helle Standorte. Im dichten Wald würde sie nicht überleben. (Bild: Heiri Schiess)

«Zittern wie Espenlaub». Eine Redensart, die wohl den meisten bekannt ist und nicht von ungefähr kommt, wie Ernst Grob, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit beim Landschaftskonzept Neckertal, erläutert. «Die Blätter der Espe oder, wie der Baum auch heisst, der Zitterpappel haben im Vergleich zu anderen Bäumen sehr lange, dünne Stiele. Aus diesem Grund bewegen sie sich bereits beim leisesten Lüftchen.» Die Blätter sind rundlich, teilweise gar herzförmig. Während ihre Oberseite grün glänzt, ist die Unterseite matt hellgrün. Im Herbst verfärben sich Blätter, einzelne Äste oder auch ganze Bäume manchmal in ein leuchtendes Gelb-orange, hie und da sogar in ein dunkel schillerndes Rot.
 

Futterpflanze für Schmetterlinge

Die Espe ist für viele Insekten – insbesondere für zahlreiche Schmetterlinge – eine lebenswichtige Pflanze. «Rund dreissig verschiedene Schmetterlingsarten, unter ihnen etwa der Grosse Eisvogel oder das Rote Ordensband, sind auf Gedeih und Verderb von der Espe als Futterpflanze für ihre Raupen abhängig», sagt Ernst Grob. Die Bedeutung der Zitterpappel für die Artenvielfalt hat auch mit ihrem bevorzugten Standort zu tun: Die Espe ist eine der vielen Lichtbaumarten, die im geschlossenen Wald nicht überstehen können. Sie wächst entlang von Gewässern, Hecken, Wegen sowie Waldrändern oder als Pionierbaumart auf Schlagflächen und Brachland. Überall in diesen Randsituationen finden sich zwischen den Gehölzen Blumen. «Diese Mischung von Lebensraumelementen spielt für viele Arten eine fundamentale Rolle, was bei der Anlage und Nutzung von ungedüngten Wiesen und Weiden zu beachten ist. Wichtig ist auch, Ökoflächen und Hecken als Trittsteine netzartig in der ganzen Landschaft zu schaffen und zu erhalten», ergänzt Grob.

Das Holz der Espe ist weich und leicht, weshalb es sich nicht für den Bau eignet. Verwendung findet es jedoch in Form von Sperr- und Papierholz und ist in der Fertigung von Streichhölzern begehrt.
 

Vielfältiger Einsatz in der Medizin

Auch in der Medizin hat die Zitterpappel ihren Platz gefunden. So wird dem Aufguss aus der Rinde entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung zugeschrieben. Dieser Sud hilft unter anderem bei Blasenentzündungen, Bronchitis, Hämorrhoiden, Prostatabeschwerden und Verbrennungen. Besondere Erwähnung verdient zudem das Harz der Espenknospen, das ein häufiger Bestandteil von Propolis ist, jener Schutzsubstanz, die von den Bienen in ihrem Stock verwendet – und wiederum auch gerne in der Naturmedizin eingesetzt wird.