Sequenz und Treue

Hansjörg Rekade gibt in der Galerie Speicher Einblick in das Schaffen der letzten zwei Jahre. Die einzelnen Werkgruppen geben Zeugnis seiner Schritte hin zu Fläche und vermeintlichen Schatten. Vernissage ist heute abend.

Guido Berlinger-Bolt
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SPEICHER. Hansjörg Rekade betont im Gespräch zwar immer das Zufällige und die Absichtslosigkeit in seiner Arbeit. Jedoch könnte darüber ins Zweifeln geraten, wer seine aktuelle Werkschau in der Galerie Speicher sieht.

Weiterdrehen, weiterkommen

Er geniesse es, sich meditativ und malend einem Gegenstand zu nähern, bisweilen vor sich hinzumalen, in seinem kleinen Atelier, so Rekade zum einen. Zum andern aber: Entdecken und ausprobieren, das Experiment sei für ihn sehr wichtig.

Für sein Werk im Stil des phantastischen Surrealismus ist Hansjörg Rekade bekannt. «Ich bin mir treu geblieben», sagt er und erzählt vom Schaffen der letzten beiden Jahre. Für die Galerie vor der Klostermauer in St. Gallen malte er damals die fast comicartige Serie «Kopfgeschichten». Und diese entwickelte er in weiteren Serien weiter, die nun auszugsweise in der Galerie Speicher zu sehen sind. So wird in einem nächsten Schritt die Hintergrundfläche, die bei den Kopfgeschichten noch unbeachtet blieb, zu einem gestaltenden Element: Farbe und Struktur reichen bis an den Rand des Bildes. Eine nächste Serie malt Hansjörg Rekade dann auf Leinwand: sattfarbig und mit der bisher entwickelten Formensprache, dieser cartoonhaften, karrikaturhaften, ganz so wie bis anhin auf Papier.

Wegfall der Linie

Und dann, Rekade geht noch einmal einen Schritt weiter, fällt plötzlich die schwarze Linie weg, die bislang die Figuren der Rekade-Bilder organisierten. Und natürlich die Palmen und Totenköpfe und Königsfiguren. Nur noch Fläche also. Nein: fast nur noch Fläche. Auf den jüngsten der in der Galerie gezeigten Bildern arbeitete der Speicherer Künstler mit Ansätzen von Körpern. Rekade setzt Schatten. «Irrwirr», sagt er selber, denn wenn man den Massstab der gegenständlichen Zeichnung anlegte, würde rasch klar: Die Schatten «stimmen nicht». Im Gegenteil, sie verfälschen, sie irritieren.

Nur noch Fläche

Die jüngste Arbeit von Hansjörg Rekade ist rund und lässt sich drehen: Nur noch Farbflächen, Farbflächen, die zudem so angeordnet sind, dass es weder ein Oben noch ein Unten gibt, nur Gleichwertigkeit. Die Neugierde hat Hansjörg Rekade experimentieren lassen. Die Resultate seiner Forschung sind von heute bis am 2. Dezember in der Galerie Speicher zu sehen.

Galerie Speicher, Reutenenstrasse 19; Vernissage ist heute um 17 Uhr; danach ist die Ausstellung freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr (oder nach telefonischer Vereinbarung) offen, sonntags ist Hansjörg Rekade jeweils anwesend.

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