Selvelied

Ich habe ein schönes Lied entdeckt und möchte es mit der ganzen Welt teilen. Wobei, es ist ein Mundartsong – das schränkt die Welt etwas ein. Denn die hiesigen Hitparadenstürmer schaffen es im Ausland nur ganz selten zu Ruhm und Ehre.

Patrik Kobler
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Appenzeller (Bild: Patrik Kobler)

Appenzeller (Bild: Patrik Kobler)

Ich habe ein schönes Lied entdeckt und möchte es mit der ganzen Welt teilen. Wobei, es ist ein Mundartsong – das schränkt die Welt etwas ein. Denn die hiesigen Hitparadenstürmer schaffen es im Ausland nur ganz selten zu Ruhm und Ehre. Eine Ausnahme ist Stephan Eicher, der es 1992 mit «Hemmige» in die französischen Charts schaffte. Von besonderen Umständen profitierte 2008 die Walliserin Sina. Damals gastierte die Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und Tausende Holländer verwandelten Bern in eine Partyzone. Sinas Song «Wänn nit jetzt wänn dä» wurde zum Hit – auch in Holland.

Der Mundartsänger, von dem ich hier berichten möchte, gehört selbst in der Schweiz nicht zu den Grössen. Aufgefallen ist er mir ein erstes Mal auf der Heimfahrt nach einem Hockeymatch im Züribiet. Mein Interesse weckte freilich die Frauenstimme, die ihn begleitete. Wie ich später zu Hause feststellte, war es Valeska Steiner, die bald darauf mit dem Duo «Boy» in Deutschland für Furore sorgte; dannzumal allerdings auf Englisch und nicht in Mundart. Ihre Stimme ist aber auch auf Züritüütsch aufregend. Im besagten Lied singt sie die Strophe «Mängisch dünkt's eim eis Läbe sig z'wenig/Me rennt drdür u het's när glych verpasst/U we me nie zu öppis richtig Ja seit/De het me halt när gar nüt gschafft.» Wenn sie das singt, tönt es, wie wenn ein alter Grieche «Heureka» ruft. Item.

Jedenfalls bin ich kürzlich zufällig auf dieses wunderschöne Lied gestossen. Es ist mir unerklärlich, warum es nicht längst ein Hit ist, obschon es ein Duett mit Büne Huber, Frontmann von Patent Ochsner, ist und somit erhöhte Aufmerksam geniessen dürfte. Es ist einer der schönsten Schweizer Songs, stammt vom Berner Musiker Trummer und heisst Selvelied. Hören und geniessen.

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