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SELBSTVERSUCH - FOLGE 6: Die schweren Tage sind bald vorbei

Unsere Redaktoren, die während der Fastenzeit tapfer durchhalten, bekommen positiven Zuspruch auf unterschiedlichen Kanälen: Anina Rütsche erhält eine Postkarte, mit der ihr Mut gemacht wird, wohingegen Beat Lanzendorfer die frohe Kunde von seiner Waage abliest.
Beat Lanzendorfer hat sich mit seiner Waage versöhnt, zeigt sie ihm doch laufend tiefere Gewichtswerte. (Bild: Fotalia / Olivier Le Moal)

Beat Lanzendorfer hat sich mit seiner Waage versöhnt, zeigt sie ihm doch laufend tiefere Gewichtswerte. (Bild: Fotalia / Olivier Le Moal)

Bis zum Ostersonntag dauert es nicht mehr allzu lange. Die beiden Redaktoren, die seit Aschermittwoch und bis zu eben diesem 1. April auf allerlei Liebgewonnenes verzichten, fiebern diesem Tag bereits jetzt entgegen. Anina Rütsche hat ihr Fastenprojekt zum Anlass genommen, sich mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf anonymem Weg auszutauschen – eine bereichernde und nicht alltägliche Erfahrung, bei der unter anderem anonyme Botschaften verschickt werden. Beat Lanzendorfer hingegen erfreut sich an einem anderen angenehmen Nebeneffekt des Fastens, der ihn mit neu gewonnener Leichtigkeit erfüllt. (red)

Anina Rütsche: Die Postkarte vorgehalten


Anina Rütsche (Bild: Urs Bucher)

Anina Rütsche (Bild: Urs Bucher)

Eine Postkarte bekommt man nicht alle Tage. Wenn sie zudem anonym verschickt wurde, bekommt das Ganze sogar Seltenheitswert. Möglich gemacht hat mir dieses Erlebnis die Aktion «40 Tage ohne», die sich an fastende Menschen zwischen 18 und 35 richtet. Trägerschaft ist das Netzwerk Junge Erwachsene der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen sowie die Fachstelle Kirchliche Jugendarbeit des Bistums St. Gallen.

Im Februar habe ich mich bei «40 Tage ohne» angemeldet, weil mir der Gedanke gefiel, während der Fastenzeit auch ausserhalb der Redaktion auf Verbündete zählen zu können. Es begann am Aschermittwoch mit einem motivierenden Brief. Die Grundlage für einen erfreulichen Start ins Fasten war gelegt. Im März, zur Halbzeit, folgte die nächste Nachricht von «40 Tage ohne», und die hatte es in sich. Der Sendung lag nämlich eine leere Postkarte bei, dies mit der Aufforderung, einer Mitstreiterin oder einem Mitstreiter von den eigenen Erfahrungen zu berichten. Natürlich machte ich mit, und ich schrieb von meinem «Gluscht» auf Energy Drinks und den zahlreichen Situationen, in denen das Fasten Anlass zu Gesprächen gegeben hatte. Meinen Namen gab ich nicht an. Dann schickte ich die Karte an «40 Tage ohne» zurück. Wer sie bekommen hat, werde ich nie erfahren.

Wenig später fischte ich eine handgeschriebene Nachricht aus meinem Briefkasten. Keine Ahnung, von wem sie stammt, doch sie hätte von mir sein können: Jemand verzichtet auf Süsses und empfindet dies vor allem in Gesellschaft als Herausforderung. Mut gemacht hat mir besonders der letzte Satz: «Schön ist es, teilweise sogar Bewunderung zu empfangen, wenn man sagt, man verzichte in der Fastenzeit auf etwas.» Anerkennung, weil bewusst etwas weggelassen wird? Klingt fast zu bequem, um wahr zu sein, ist aber so. Allerdings bemerkte ich es erst, als ich mir anstelle des alltäglichen Spiegels eine Postkarte vors Gesicht hielt.

Beat Lanzedorfer: Frieden geschlossen

Beat Lanzendorfer (Bild: Ralph Ribi)

Beat Lanzendorfer (Bild: Ralph Ribi)

Was habe ich mit ihr in den letzten Jahren schon für Kämpfe ausgefochten. Ellenlange, einseitige Diskussionen. Sie haben nicht wirklich gefruchtet, sie hat meine Worte immer mit einem quälenden Schweigen quittiert. Manchmal beschlich mich sogar das Gefühl, sie lache mich aus. Ich fühlte mich missverstanden und unfair behandelt.

Den Frust mit Süssigkeiten abzubauen war keine Lösung. Im Gegenteil, es verschärfte die Situation zusätzlich. Was kam von ihr? Ihr kam nichts Gescheiteres in den Sinn, als mich mit aberwitzigen Angaben zu füttern. Der Aussage: In guten wie in schweren Tagen konnte ich nur ein mitleidiges Lächeln abgewinnen, bei mir waren es in der jüngeren Vergangenheit wohl eher schwere Tage – im wörtlichen Sinn gemeint. Ich war verzweifelt und mit meiner Geduld am Ende. So konnte es nicht weitergehen. Am 14. Februar, ich weiss es deshalb so genau, weil es zum einen der Aschermittwoch, zum anderen der Valentinstag war, fasste ich einen folgenschweren Entschluss. Ich sah mich dazu genötigt, ihr ein Ultimatum zu stellen. «Entweder du lieferst mir ab jetzt endlich die gewünschten Zahlen oder ich werde dich gegen eine neue ersetzen». Es vergingen ein paar Tage, sogar Wochen, in denen in mir die Erkenntnis reifte: Die Drohung hat gewirkt. Die Bestätigung dafür erhielt ich diese Woche. Als ich auf meine Waage stand, erschien eine Anzeige, die um drei Kilo tiefer lag, als jene bei meiner letzten Konsultation. Mit Fug und Recht kann ich behaupten: Meine Waage und ich haben Frieden miteinander geschlossen.

Was ziehe ich daraus für ein Fazit? Die Waage darf bleiben und der Nebeneffekt meines 40-tägigen Fastens ist ebenfalls nicht zu verachten. Ich habe während meiner bisherigen Enthaltsamkeit drei Kilo abgenommen und fühle mich pudelwohl und viel fitter als vorher. Und vielleicht kommt es bis zum Ende der Fastenzeit noch besser und meine Waage spukt weiterhin Zahlen aus, die noch tiefer als die aktuellen sind.

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