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SELBSTVERSUCH - FOLGE 4: Süsses macht glücklich - und erfinderisch

Die Hälfte der Fastenzeit ist vorbei. Ein idealer Moment, um einen Blick in eine Konditorei zu werfen und einen Fachmann nach der Bedeutung von Süssem zu fragen. Ausserdem erzählen die beiden fastenden Redaktoren, welchen Herausforderungen sie sich in der vergangenen Woche gestellt haben.
Leona Dieckmann
Gregor Menzi ist Geschäftsführer des Cafés Abderhalden in Wattwil, zu dem auch eine Bäckerei und eine Konditorei gehören. Dort können seit Ende Februar Schoggihasen erworben werden. (Bild: Leona Dieckmann)

Gregor Menzi ist Geschäftsführer des Cafés Abderhalden in Wattwil, zu dem auch eine Bäckerei und eine Konditorei gehören. Dort können seit Ende Februar Schoggihasen erworben werden. (Bild: Leona Dieckmann)

Die Hälfte der Fastenzeit ist vorbei. Auch wenn einige – wie die beiden Redaktoren Beat Lanzendorfer und Anina Rütsche – auf Süsses verzichten, floriert das Geschäft mit Osterküchlein, Schoggihasen und weiteren saisonalen Spezialitäten. Gregor Menzi, Inhaber und Geschäftsführer des Cafés Abderhalden in Wattwil, zu dem auch eine Bäckerei und eine Konditorei gehören, spricht über seinen Bezug zu Süssem und zum Fasten.

Gregor Menzi, fasten Sie?
Nein, aber ich esse das ganze Jahr mit massvollem Umgang. Süsses esse ich generell nicht viel, ich mag es lieber salzig. Ich habe jedoch noch nie versucht, zu fasten, weil ich bezweifle, dass ich es durchhalten würde.

Merken Sie anhand der Verkaufszahlen, dass die Leute derzeit vermehrt auf Süsses verzichten?
Nein, heutzutage fällt dies nicht auf. Früher war der Verzicht aber noch spürbar. Es sind vor allem die älteren Leute, die sich noch auf diese Tradition besinnen. Doch die meisten kaufen trotzdem Süssigkeiten ein.

Bieten Sie in Ihrem Laden eine Spezialität für die Fastenzeit an?
Dieses Jahr nicht. Früher hatten wir vor Ostern ein besonderes Brot im Angebot. Je ein Franken des Verkaufserlöses wurde an die christlichen Organisationen Fastenopfer und Brot für alle gespendet. Dies hat jedoch teilweise zu Diskussionen mit der Kundschaft geführt, weil nicht alle bereit waren, gerade diese Hilfswerke zu unterstützen. Als Präsident des Kirchenverwaltungsrats fand ich diese Aktion aber gut. Ich plane, nächstes Jahr etwas Ähnliches zu starten.

Welches Gebäck aus Ihrem Sortiment mögen Sie am liebsten?
Ich mag alles und habe wechselnde Favoriten. Saisonale Gebäcke habe ich am liebsten. Momentan esse ich deshalb eher Osterkuchen als Berliner.

Sind Ihnen Süssspeisen noch nicht verleidet, wenn Sie täglich damit zu tun haben?
Nein, aber ich bin mit der Zeit wählerischer geworden und achte auf die Qualität. Nur mit dem allerbesten bin ich zufrieden. Ich arbeite übrigens nicht mehr selbst in der Backstube, da ich mich um die administrativen Aufgaben kümmere. Ab und zu liegt natürlich ein Probiererli drin.

Warum braucht es Ihrer Meinung nach eigentlich Süssigkeiten?
Weil sie den Menschen Freude machen und weil man sich selber damit belohnen kann. Es ist erwiesen, dass der Konsum von Schokolade Glückshormone ausschüttet.


Beat Lanzendorfer: Ohne geht's nicht

Beat Lanzendorfer (Bild: Ralph Ribi)

Beat Lanzendorfer (Bild: Ralph Ribi)

Seit Beginn meines freiwilligen Fastens erwische ich mich des Öfteren, dass ich bei bestimmten Lebensmitteln zuerst auf die Beschreibung der Zutaten achte. Das liest sich zeitweise wie ein Buch mit sieben Siegeln.

Da erfahre ich unter anderem, dass meine Fertigsuppe Karamellzucker enthält. Dabei wollte ich den Verzehr von Zucker doch drastisch einschränken. Ähnlich verhält es sich mit dem Alkohol. Vor einer Woche war ich mit Freunden auf dem Köbelisberg und durfte ein feines Käsefondue geniessen. Der Geschmack liess mich aber vermuten, dass das Caquelon nicht nur Käse, sondern auch einen «Gutsch» Weisswein enthielt. Genauso die Rahmsauce, die tags darauf meine Rösti mit Geschnetzeltem veredelte. Der enthaltene Rotwein war deutlich spürbar.

Ich werde das Gefühl nicht los, wer sich genau an die Vorgaben des Fastens hält, müsste sich streng genommen während vierzig Tagen von Wasser und Brot ernähren. Bei allen anderen Lebensmitteln befolgt man die Gesetze des Fastens nicht nach Vorgabe. Aus dieser Warte betrachtet, verstosse ich täglich gegen die Richtlinien, die ich mir auferlegt habe. Ich nehme für mich allerdings in Anspruch, einfach bewusst weiterhin auf Süsses, Alkohol und Softgetränke zu verzichten, ohne vor der Einnahme pingelig die Zutatentabelle zu konsultieren. Mit dieser Taktik habe ich schon die Hälfte der Fastenzeit hinter mich gebracht. Genauso wie meine Arbeitskollegin Anina Rütsche, die ich am «Welttag der Frauen», dem 8. März, mit einem kleinen Schoggi-Osterhasen vom richtigen Fastenweg abbringen wollte. Sie sagte zwar artig Dankeschön, blieb aber standhaft. Mittlerweile stapelt sich in ihrer Pultschublade so einiges, das, so meine Vermutung, nach dem Ende des Fastens bis weit in den Frühling hinein ausreichen sollte, um ihr Bedürfnis nach Süssem abzudecken. (bl)


Anina Rütsche: Ein Kerker für das Häsli

Anina Rütsche (Bild: Urs Bucher)

Anina Rütsche (Bild: Urs Bucher)

Es gab Zeiten, und die sind noch nicht allzu lange her, da habe ich gefühlte hundert Mal pro Tag aufs Smartphone geschaut. Seit Mitte Februar mache ich das nicht mehr. Das Fastenprojekt umfasst meinen Handykonsum – derzeit nutze ich das Gerät so selten wie möglich. Ich gestehe: Es ganz aus meinem Alltag zu verbannen, wäre mir zu happig gewesen. Nicht nur, weil ich ständig unterwegs die ÖV-Verbindungen checken muss, sondern auch aus gesellschaftlichen Gründen.

Noch immer erinnere ich mich lebhaft daran, was passierte, als der Akku meines Handys einst im Kampf gegen die Hitze den Geist aufgab. Das Display flackerte ein bisschen, zuerst blau, dann grau, und alles war vorbei. Sogleich bestellte ich einen Ersatzakku, doch bis dieser bei mir eintraf, dauerte es einige Tage. Das reichte, um manche meiner Mitmenschen glauben zu lassen, ich sei auf den Mond gezügelt. «Was ist los»?», «Geht es dir gut?», «Lebst du noch?», so lauteten die Mitteilungen, die bei mir eintrafen, nachdem das Handy endlich geflickt war. All jene, die sich damals netterweise um mich gesorgt haben, wollte ich nicht schon wieder aus Versehen erschrecken.

Und dann passierte es zu Beginn dieser Woche trotzdem. Es war so viel los, dass ich bis zum späten Nachmittag nicht einmal ans Handy dachte, wofür ich mich hiermit entschuldige. Sorry, ich war abgelenkt! Und zwar, weil ich mich mit meinem zweiten Aspekt des Fastens befasste, mit dem Verzicht auf Süsses. Hierfür wählte ich die grösstmögliche Herausforderung: Ich begab mich in eine Konditorei. Spöttisch blickten mich die Osterhasen mit ihren Schoggiaugen an. Ich starrte zurück, und das ging eine Weile, bis es mir verleidete und ich das Weite suchte. Beim nächsten Mal, das schwöre ich, werde ich so ein läppisches Langohr kaufen und in meiner Pultschublade einsperren. Über Einsamkeit muss es dort nicht klagen. Die Mitgefangenen heissen blödes Brügeli und fieser Fruchtgummi. (aru)

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