Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SELBSTVERSUCH - FOLGE 2: 40 Tage lang verzichten

Zwei Redaktionsmitglieder wagen den Selbstversuch und fasten 40 Tage lang. Wie schlagen sich die beiden in der ersten Woche?
Beat Lanzendorfer, Redaktor (Bild: Ralph Ribi)

Beat Lanzendorfer, Redaktor (Bild: Ralph Ribi)

Beat Lanzendorfer: Entzug fällt leicht – bisher

Beat Lanzendorfer, Redaktor (Bild: Ralph Ribi)

Beat Lanzendorfer, Redaktor (Bild: Ralph Ribi)

Es heisst, man vermisse etwas erst, wenn man es nicht mehr hat. Das mag zutreffen. Bei mir hat dies zurzeit allerdings nur begrenzte Bedeutung. Seit Aschermittwoch gehöre ich zu jenen, die bis Gründonnerstag fasten (oder es versuchen). In meinem Fall heisst dies: Verzicht auf Alkohol, Energydrinks und Süsses.

Dabei wundere ich mich selbst, wie standhaft ich plötzlich sein kann. Ich vermisse auch am neunten Tag «Fastenzeit» nichts und von Entzugserscheinungen keine Spur. Dies führte sogar dazu, dass ich meinen Verzicht auf den Sonntag ausgedehnt habe, obwohl am siebten Tag der Woche ein Unterbruch des Fastens erlaubt wäre. Den Gelüsten konnte ich sogar an einem sonntäglichen Geburtstagsfest widerstehen, der Tisch war nämlich reich mit Kuchen und Torten bedeckt. Ich gönnte mir lediglich eine kleine Portion Fruchtsalat.

Was mir entgegenkommt und meine Motivation enorm steigert: Ich befinde mich in einem Wettstreit mit meiner Arbeitskollegin Anina Rütsche. Sie hat «Fastenerfahrung» aus den vergangenen vier Jahren und daher Übung. Sie lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn rein «zufällig» auf ihrem Bürotisch ein «Prügeli» deponiert ist. Ihr Kommentar: «Schön, das esse ich, wenn die Fastenzeit vorüber ist». Sowohl sie als auch ich möchten nicht der oder die Erste sein, welcher oder welche sich zu einer kulinarischen Sünde hinreissen lässt.

Es ist zwar erst knapp ein Viertel der Fastenzeit vorüber, mein persönliches Zwischenfazit fällt aber sehr positiv aus. Mir fehlt es an nichts, auch körperlich fühle ich mich fit. Was ich vorher in mich reingestopft habe, gehört somit in die Rubrik «überflüssig».

Ich kann aktuell nicht mit absoluter Bestimmtheit sagen, dass mich die Entzugserscheinungen nicht irgendwann doch noch einholen. Die bisher gemachten Erfahrungen kann ich aber nur weiter empfehlen. Und irgendwie erfüllt es einen auch mit Stolz, wenn wieder ein Tag mehr geschafft ist.

Zum Schluss noch dies: Ich bin sogar in einem Stadium angelangt, in dem ich problemlos an den ausgestellten «Schoggiosterhasen» in den Läden vorbeischlendern kann. Etwas, das bis vor zehn Tagen unmöglich schien.


Anina Rütsche: Höhenflug mit Hindernissen

Anina Rütsche, Redaktorin (Bild: Urs Bucher)

Anina Rütsche, Redaktorin (Bild: Urs Bucher)

Das Messer steckte bereits im Nutellaglas, da dachte ich wieder daran: Halt, es ist Fastenzeit, und die gilt auch beim Zmorge! Seit mehr als einer Woche verzichte ich nun auf süsse Speisen und Getränke. Mit dem Gluscht habe ich erstaunlich selten zu kämpfen. Schwieriger finde ich es, mich in jeder Lebenslage rechtzeitig an den geplanten Verzicht zu erinnern. Alte Gewohnheiten werden jetzt aus der Bahn geworfen, zum Beispiel hier: Den Energydrink, der mir bisher am Montagmorgen zuverlässig den Start in die Woche versüsste, habe ich gar nicht erst gekauft. Stattdessen gab es einen halben Liter «Hahnenburger». Langweilig, aber gut für die Gesundheit und das Gewissen.

Happig sind allerdings die Situationen, in denen Desserts bereits vorhanden sind und ich dankend ablehnen muss. So geschehen an einer Geburtstagsfeier am Samstag. Natürlich habe ich begründet, warum ich das sonst so geliebte Caramelköpfli dieses Mal links liegen lasse. Daraus ergab sich eine Diskussion mit einigen anderen Gästen. Sie fanden es toll, dass ich mich zum Fasten entschieden habe, konnten sich selbst aber nicht dafür begeistern. Ich verstehe das, doch ich ziehe die Sache jetzt durch.

Mut gemacht hat mir ein Tipp eines Lesers, der sich derzeit ebenfalls im Verzichten übt. Er schreibt: «Es kann vorkommen, dass ich mir bei Einladungen doch etwas Dessert servieren lasse, denn von meinem ‹heldenhaften Fasten› will ich da nicht reden. Nach Ostern aber muss ich solche Aussetzer jeweils nachholen.» Ich merke mir dies, sollte ein Ausweichmanöver einmal nicht möglich sein.

Neben den Süssigkeiten bekommt auch das Smartphone seit Aschermittwoch nicht mehr viel Aufmerksamkeit von mir. Nun darf weder gespielt noch geshoppt werden, und auch lustige Videos gibt es erst wieder im April. Wenn überhaupt. Ich freue mich nämlich über den Zeitgewinn, der dank der eingeschränkten Handynutzung herausschaut. Meine Bilanz in der ersten Woche: Ich habe zusätzlich zur Tageszeitung drei Magazine und ein Buch verschlungen – von A bis Z und mit Begeisterung. Meine bisherige Erkenntnis aus der Fastenzeit lautet also: Nicht nur ein Energydrink, sondern auch Lesestoff kann mir Flügel verleihen.

Was sagt ein Pfarrer zum Thema Fasten

Was tun, wenn man an ein Geburtstagsfest eingeladen ist und das Kuchenbuffet so verlockend ist? Die Antwort für all jene, die fasten, ist einfach: Verzichten. (Bild: Fabienne Engbers / iStockphoto)

Was tun, wenn man an ein Geburtstagsfest eingeladen ist und das Kuchenbuffet so verlockend ist? Die Antwort für all jene, die fasten, ist einfach: Verzichten. (Bild: Fabienne Engbers / iStockphoto)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.