Seit zwei Jahren in den Startlöchern für Lutzenberg

Andreas Tonner will Gemeindepräsident werden. Dazu ermutigt hat ihn sein Umfeld. Der Unternehmer hegt den Wunsch, im ersten Wahlgang zu siegen.

Jesko Calderara
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Andreas Tonner entschied sich bereits vor zwei Jahren, für das Amt zu kandidieren.

Andreas Tonner entschied sich bereits vor zwei Jahren, für das Amt zu kandidieren.

Bild: PD

Solides Bevölkerungswachstum, eines der höchsten Pro- Kopf-Vermögen Ausserrhodens und ein intaktes Dorfleben: Von aussen betrachtet ist Lutzenberg so etwas wie eine Oase der Glückseligkeit, ohne nennenswerte Probleme.

Auf den Lorbeeren ausruhen darf sich die knapp 1300 Einwohner zählende Vorderländer Gemeinde allerdings nicht, findet zumindest Andreas Tonner. In seinem Wahlflyer hat er einige seiner Visionen und Ideen skizziert. Damit möchte er die Stimmberechtigten überzeugen, ihm diesen Sonntag die Stimme zu geben und ihn somit zum Gemeindepräsidenten zu wählen. Beim Gespräch im Büro seines Wohnhauses sagt Tonner selbstbewusst:

«Mein Wunsch ist es, bereits im ersten Wahlgang zu gewinnen.»

Tonners Wohnsitz liegt im idyllischen Weiler Wienacht-Tobel, der aus historischen Gebäuden besteht. Angesicht der Ausgangslage mit zwei Mitbewerbern, Gemeinderätin Maria Heine Zellweger und Martin Meier, dürfte der Urnengang allerdings kein Spaziergang werden.

Bei den Wählern punkten will der 53-Jährige unter anderem mit seiner Position zum Asylzentrum Landegg. Dessen Betrieb soll entgegen früheren Ankündigungen über 2021 hinaus verlängert werden. Für Tonner gibt es nur eine Lösung:

«Die Anlage muss als Asylzentrum endgültig geschlossen werden.»

Wie eine alternative Nutzung des Areals aussehen kön­nte, lässt er offen. Über diesen Punkt hätte man allerdings seiner Ansicht nach bereits frühere Gedanken machen müssen.

Investitionen in die Infrastruktur

Fast schon ein Luxusproblem ist demgegenüber die Frage, was Lutzenberg mit seinem hohen Eigenkapitalpolster von 4,7 Millionen Franken per 2018 anstellen soll. Der ehemalige FDP-Präsident will Investitionen in die Infrastruktur fördern.

«Als Recycling-Unternehmer liegen mir auch grüne Themen am Herzen»

Hier sei eine gesunde Balance mit dem Steuerfuss zu finden, sagt Tonner. Weil das verhältnismässig kleine Lutzenberg über keine üppige Infrastruktur verfügt, könnte er sich auch eine weitere Steuersenkung vorstellen, sofern die Finanzlage dies zulässt.

Auf die Fahne geschrieben hat sich der Präsident der Kooperation Pro Tobel die Stärkung der Weiler und Quartiere. Gerade in Lutzenberg, das aus zwei unabhängigen Dorfteilen besteht, sei dies besonders wichtig, betont er.

Als Gemeindepräsident würde Tonner zudem den Fokus auf die Stärkung der Schule und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs legen, insbesondere für Jugendliche und ältere Menschen.

Zurzeit nicht in Frage kommen für ihn dagegen Gemeindefusionen. Deren Nutzen sei oft nicht erkennbar. Deshalb plädiert er für eine gezielte regionale Zusammenarbeit. Lutzenberg tut dies bereits heute beispielsweise bei der Feuerwehr oder der Kirchgemeinde.

Für Andreas Tonner sind solche Fragestellungen kein Neuland. Seit Jahren bewegt sich der Grenzgänger zwischen Gemeindepolitik sowie der Verwaltung einerseits und der Privatwirtschaft andererseits. Ursprünglich absolvierte der gebürtige Rheinecker eine Verwaltungslehre, dachte dann aber, «nie mehr für die öffentliche Hand zu arbeiten.»

Stattdessen liebäugelte er mit einer Karriere als Botschafter. Es kam jedoch anders. Der zweifache Familienvater absolvierte die Höhere Fachprüfung für Verwaltungsbeamte und arbeitete acht Jahre in verschiedenen Funktionen für die Gemeindeverwaltung Lutzenberg.

Später stieg der Spross der bekannten Recycling-Dynastie ins Familienunternehmen ein. Nachdem dieses verkauft wurde, machte sich Tonner im Alter von 40 Jahren selbstständig. Heute berät er mit seinen knapp 30 Mitarbeitern Unternehmen, wie diese die Bereiche Recycling, Entsorgung und Abfallbewirtschaftung optimal organisieren können.

Während acht Jahre im Gemeinderat tätig

Trotz solcher privatwirtschaftlichen Tätigkeiten hat Tonner der Politik nie den Rücken gekehrt. Zwischen 2000 und 2008 gehörte er dem Gemeinderat Lutzenberg an. Damals wie heute arbeitete er zusätzlich in der Baubewilligungskommission mit. Bereits vor zwei Jahren hatte Tonner nach einigem Zögern für sich entschieden, dereinst bei einem Rücktritt von Werner Meier anzutreten. Leute aus seinem Umfeld hätten ihn dazu ermutigt.

In der Wohngemeinde etwas zu bewegen, reize ihn, sagt Tonner.

Mit der Ortsplanung und den Finanzen habe der Gemeindepräsident zwei Schlüsselressorts einer Gemeinde in der Hand. Für den Unternehmer wäre der Schritt an die Spitze Lutzenbergs nicht nur eine neue Herausforderung, sondern auch ein Meilenstein in seinem Leben, wie er sagt.