Seit 20 Jahren hilft eine Selbsthilfegruppe Parkinsonerkrankten

1999 wurde die Parkinson Selbsthilfegruppe Gossau-Herisau-Flawil ins Leben gerufen. Ein Bedürfnis ist nach wie vor vorhanden.

Alessia Pagani
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Die Neurologin Sabine Horstmann unterstützt Gruppenleiter Kurt Nüssli mit ihrem Fachwissen. (Bild: Alessia Pagani)

Die Neurologin Sabine Horstmann unterstützt Gruppenleiter Kurt Nüssli mit ihrem Fachwissen. (Bild: Alessia Pagani)

Rund 15000 Menschen sind in der Schweiz von der unheilbaren Nervenkrankheit Parkinson betroffen. Etwa 1,5 Prozent der über 60-Jährigen leidet an dieser Krankheit, Tendenz steigend. Parkinson zählt somit zu einer der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Auslöser sind bis heute nicht bekannt, die Auswirkungen hingegen schon, sodass mit Medikamenten ein gezielte Symptombekämpfung möglich ist. Allerdings schreitet die Krankheit über die Jahre fort, sodass die Therapie immer schwieriger wird. «Oft bemerken die Betroffenen die Krankheit im Anfangsstadium nicht. Parkinson ist ein schleichender Zerstörungsprozess im Hirn und entsprechend schwierig zu erkennen», sagt Kurt Nüssli. Der 75-Jährige weiss, wovon er spricht: Seit zehn Jahren leitet Nüssli eine von 77 Parkinson Selbsthilfegruppe der Schweiz – nämlich jene für die Region Gossau-Herisau-Flawil. Diese wiederum feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen.

Nüssli sieht sich mit dem Angebot als Hilfe zur Selbsthilfe. Er organisiert Vorträge, nimmt an Weiterbildungen teil und lädt Experten wie Neurologen oder Pflegepersonal ein. Eine dieser Experten ist Sabine Horstmann, die eine neurologische Praxis im Spital Herisau führt.

Bevölkerung wieder mehr sensibilisieren

Betroffene scheuen die Öffentlichkeit, ein Ziel der Selbsthilfegruppen besteht insofern darin, sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen. Gerichtet ist das Angebot der Selbsthilfegruppe sowohl an die Betroffenen selber, wie an deren Angehörige. Die gemeinsamen Gespräche sind gemäss Selbsthilfegruppen-Leiter Kurt Nüssli ein wichtiger Aspekt. Nüssli:

«Viele Betroffene trauen sich nicht, über ihre Krankheit zu sprechen. Oft hilft schon das Wissen, dass man nicht alleine ist mit dieser Erkrankung und es andere Betroffene gibt.»

Vor allem auch werde von den Gruppenteilnehmern geschätzt, dass er als Nichtbetroffener einer Aussensicht miteinbringe.

«Wir müssen die Bevölkerung wieder mehr sensibilisieren und die Krankheit in deren Bewusstsein rücken.»

Die Zahl der Teilnehmenden hat seit Aufbau der Selbsthilfegruppe zugenommen. Stand deren Fortführung 2011 noch auf der Kippe, besuchten in den vergangenen Jahren stets rund 10 bis 15 Personen die alle zwei Monate stattfindenden Treffen in Gossau. Vor allem auch Angehörige würden vom Angebot gebrauch machen. Nüssli:

«Es ist ein Bedürfnis da. Die Leute sind sehr interessiert und es kommen immer wieder neue Betroffene zu uns. Das motiviert mich bei meiner Arbeit.»

Hinweis

Informationen zur Parkinsonkrankheit und eine Auflistung der regionalen Selbsthilfegruppen sind abrufbar unter: www.parkinson.ch