Sein längstes Engagement

Guido Dalle Vedove leitete fast 40 Jahre in Herisau eine Turngruppe. «Fitnesstraining ist zugleich auch Psychohygiene», war stets das Anliegen des Sportlehrers und Mentaltrainers.

David Scarano
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Herisau. Guido Dalle Vedove ist im Sport kein Unbekannter. Der Herisauer ist unter anderem als Mentaltrainer bei Swiss Olympic und beim Unihockey-NLA-Club Waldkirch-St. Gallen (Wasa) engagiert. In der Vergangenheit war der Sportlehrer zudem Trainer des Faustball-Frauen-Nationalteams sowie während insgesamt 15 Jahren Konditionstrainer beim SC Herisau, auch zu den NLB-Zeiten unter Cheftrainer Björn Kinding. Von seinem längsten Engagement nahm die Öffentlichkeit bisher aber keine Kenntnis. Dieses geht zurück auf seine Anfangszeit im unverbrieften Ausserrhoder Hauptort. Kurz nachdem sich der im thurgauischen Kradolf aufgewachsene Guido Dalle Vedove nach seinem Sportstudium in Herisau niederliess, übernahm er 1972 die Leitung der Turngruppe «Guidos Muskelkater». Diese fusionierte gegen Ende der 1990er-Jahre mit der ebenfalls vom ihm geleiteten Turngruppe «Guidos Hexenschuss» schliesslich zu «Guidos Muskelschuss».

Turnendes «Who is who«

Dem Club gehören Ausserrhoder Persönlichkeiten an. Gründungsmitglieder sind unter anderem Otto Schoch, Eugen Auer und Walter Irniger, die auch heute noch aktiv sind. Am 22. Dezember ist für Guido Dalle Vedove nun Schluss damit. Der 64jährige ehemalige BBZ-Lehrer gibt die Leitung ab. Es sei Zeit aufzuhören, sagt er. Als Mentaltrainer wird er weiterhin arbeiten.

Länger mobil bleiben

Sein «Muskelschuss»-Engagement ist nicht nur interessant, weil sich die Teilnehmerliste fast wie ein «Who is who» des Hinterlands liest und die Herren 1981 den Hundwilerhöhelauf begründeten , sondern weil es auch Einblicke in seine Philosophie und Arbeitsweise gewährt. «Bewegung ist im Alter sehr wichtig», sagt das Mitglied der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie. Schwerpunkte im altersgerechten Training sind Koordination und Kraft. Wer diese regelmässig trainiert, bleibt länger mobil. Im Alltag sind diese Aspekte von grosser Bedeutung. Bei wem die koordinativen Fähigkeiten nachlassen, läuft Gefahr, zu stürzen und sich komplizierte Brüche zuzuziehen.

Doch wichtig ist ihm auch, dass das Fitnesstraining zugleich auch eine Körperschulung ist. «Man muss lernen, seinen Körper zu spüren», sagt er. Das heisst, was kann sich der Mensch zutrauen, wo beginnt die Schwelle, bei der er sich selber überfordert. Der richtige Umgang mit Belastungen gehört zu seinen wichtigsten Arbeitsfeldern in der Sportpsychologie. Das lehrt er auch an der Sportschule Appenzellerland. Die Talente, die sich für den Leistungssport entscheiden, müssen sich beispielsweise im Spannungsfeld Elternhaus, Schule und Sport zurechtfinden; wobei besonders die psychosozialen Belastungen zu berücksichtigen sind. «Dieses Dreieck muss harmonieren», sagt Guido Dalle Vedove. Zu den Belastungen gehören auch Rückschläge, im Sport sind das häufig Niederlagen. Daher sage er seinen Schülern immer, wer gewinnen will, muss zuerst verlieren lernen.

Um als Spitzensportler erfolgreich sein zu können, braucht es Selbstdisziplin, so der Mentaltrainer. Das bedeutet, der Athlet müsse wissen, was ihm gut tue oder schade. Doch der Selbstreflexion schenken viele Athleten zu wenig Beachtung. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Konzentrationsfähigkeit, aus der sich schliesslich das Selbstvertrauen ableitet. «Ich werde selbstbewusster, wenn ich eine Aufgabe richtig bewältige. Diese gelingt aber nur, wenn der Fokus voll auf diese gerichtet ist», sagt er. Das Credo gilt auch für die Zielsetzungen. Wer zu sehr auf das Ergebnis fixiert ist, verliert den Fokus auf das Wesentliche: auf das Erlebnis.

Lektionen gemäss Lehrplan

Zurück zur «Muskelschuss»-Gruppe: Guido Dalle Vedove hat sie so gut instruiert, dass sie ohne ihn weiterexistieren wird. Die Lektionen werden nach seinen schriftlich festgehaltenen Instruktionen geleitet.

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