SEELSORGE: «Seelsorge ist eine einzigartige Tätigkeit»

21 Jahre lang amtete Emil Hobi als Pfarrer am Walensee. Nun ist für ihn Zeit für einen Wechsel. Er wird auf die andere Seite der Churfirsten als Pfarrer in die Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg berufen.

Sabine Schmid
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Pfarrer Emil Hobi liest gerne alte Bücher über Kirchengeschichte und Theologie. (Bild: Sabine Schmid)

Pfarrer Emil Hobi liest gerne alte Bücher über Kirchengeschichte und Theologie. (Bild: Sabine Schmid)

Sabine Schmid

sabine.schmid

@toggenburgmedien.ch

Emil Hobi ist katholischer Priester, aber kommt gleich auf den Reformator Huldrych Zwingli zu sprechen. Mehrere Stationen in den Leben der beiden seien gleich, erzählt Pfarrer Hobi. Beide besuchten Vorlesungen an derselben Universität in Wien.Zwingli wohnte als Jugendlicher zeitweise bei seinem Onkel, der Pfarrer in Weesen war, gleich neben der heutigen Wirkungsstätte Hobis, in der Seelsorgeeinheit Walensee. Und nun zieht es Emil Hobi in die Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg, zu der auch Zwinglis Geburtsort Wildhaus gehört. «Ich komme gerne ins Toggenburg», freut sich der Priester. Zum Ersten, weil er nach 21-jähriger Tätigkeit am Walensee eine neue Aufgabe angehen möchte. Zum Zweiten, weil er mit Toggenburgern bisher nur gute Erfahrungen gemacht hat. Einige habe er als Feldprediger beim Gebirgsinfanterieregiment 35 kennen gelernt, erzählt er. «Ich habe zudem mein Pastoraljahr bei Pfarrer Sonderegger in Wattwil absolviert.» Dabei habe er ein Semester an der Oberstufe in Ebnat-Kappel unterrichtet. «Das war eine sehr lebendige Klasse», sagt er und lacht verschmitzt. Und zum Dritten kann er sich für das Toggenburg erwärmen, weil es eine ebenso ländliche Gegend ist wie seine heutige Wirkungsstätte.

Pfarrwahl hat eine lange Tradition

Bevor Emil Hobi im September als Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg einziehen kann, muss er von allen fünf dazugehörigen Pfarreien gewählt werden. Emil Hobi findet es gut, dass die Gemeindemitglieder mitreden können und sich nicht allein mit der Wahl der Personalabteilung des Bistums begnügen müssen. Die Wahl habe eine lange Tradition, das könne so schlecht nicht sein. «Wie einem Politiker geben sie mir ein Mandat. Den Auftrag, die Seelsorge zu übernehmen», sagt er. Bedenken, dass er für eine Wahl zu wenig bekannt sein könnte, hat er keine. Einen Politiker kenne man vor der Wahl auch nicht sehr gut, sagt er. Dazu kommt: «Die Churfirsten sind zwar hoch, aber man kann darum herumgehen, um sich über mich zu erkundigen.» Beim Kreisrat und den Mitarbeitern im Team der Seelsorgeeinheit hat sich Emil Hobi bereits vorgestellt. Er ist überzeugt, dass er in eine funktionierende Or­ganisation hineinkommt. «Die Qualität der Arbeit wird vom ganzen Team gemacht und nicht von einer Einzelperson wie dem Pfarrer», sagt er.

Kirchen haben dieselben Anliegen

Emil Hobi ist überzeugt, dass der Pfarrberuf ihn als Menschen in seiner ganzen Existenz fordert. Er beschreibt seine Tätigkeit als «wunderschön» und «einzigartig». Er begleite den Menschen bei allen Eckpunkten des Lebens, von der Taufe über die Erstkommunion und die Hochzeit bis zum Sterben. «Da gehört Freude ebenso dazu wie das Leid.» Gerade bei der Trauerarbeit sieht er seine Aufgabe darin, mitzufühlen und mitzutragen. Als Pfarrer sei er sehr nahe bei den Menschen. «Die Mobilität und die neuen Kommunikationsmittel haben mit sich gebracht, dass die Menschen ihre Anliegen schneller beim Pfarrer deponieren», sagt Emil Hobi.

E-Mail und Handy würden den persönlichen Kontakt aber keinesfalls ersetzen. Menschen in der Seelsorge zu begleiten sei sehr persönlich und vertraulich. Darum sei es wichtig, dass die Seelsorger innerhalb der Seelsorgeeinheit ihre Zuständigkeiten haben. In den vergangenen Jahren habe sich nicht nur die Gesellschaft immer individueller entwickelt. Anstatt einer Lebenswelt gebe es heute verschiedene Lebenswelten, die sehr differenziert seien. Emil Hobi schmückt seine Aussagen immer wieder mit Exkursen in die Kirchengeschichte. Das sei eines seiner Hobbys, erklärt er. Und mit der Geschichte landet er wieder beim Reformator Zwingli. Er pflege einen guten Austausch mit den Vertretern der evangelischen Kirche, sagt er. Dies wolle er im Toggenburg unbedingt weiterführen. «Die Anliegen der Kirche sind dieselben», ist er überzeugt. Und daher ist er froh, dass aus dem anfänglichen Gegeneinander der katholischen und der evangelischen Kirche ein Nebeneinander und sogar schon ein Miteinander geworden ist. «Ich erlebe eine gegenseitige Wertschätzung, die sehr bereichernd sein kann», sagt Emil Hobi.