SCHWIMMEN: Unser Goldfisch

Anfangs scheute Lara Rechsteiner die Wettkämpfe. Jetzt gibt sie den Takt an. An den Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften sicherte sich die Herisauerin Gold. Für sie zählt aber nicht nur die Medaille.

Bruno Eisenhut
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Gold und Bronze an der Nachwuchs-SM: Die Medaillensammlung von Lara Rechsteiner wächst. (Bild: bei)

Gold und Bronze an der Nachwuchs-SM: Die Medaillensammlung von Lara Rechsteiner wächst. (Bild: bei)

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut

@appenzellerzeitung.ch

Ein Transparent mit Gratulationen an der Hausfassade, wo Lara Rechsteiner wohnt, deutet auf den Erfolg der Herisauerin hin: Nachwuchs-Schweizer-Meisterin über 200 Meter Brustschwimmen und Bronzemedaillengewinnerin über 100 Meter. Erzielt hat sie diese Erfolge am vergange­nen Wochenende in Tenero. Die sportliche Karriere der bald 15-jährigen Nachwuchsschwimmerin sieht vielversprechend aus. Aber: «Ich nehme meine sport­liche Entwicklung, wie sie kommt», sagt Lara Rechsteiner. Sie wolle in Zukunft noch schneller schwimmen, aber mindestens so wichtig seien ihr die Freude am Sport und weiterhin eine gute Zeit mit Kolleginnen verbringen zu können. Wenige Tage nach ihrem grössten sportlichen Erfolg sagt sie, dass ihre Siege auch auf einem guten Team basieren. So war es für sie von grosser Bedeutung, dass der langjährige Trainer Silvio Kopf und die beiden ebenfalls für die Nachwuchs-SM qualifizierten Schwimmerinnen Celine Weil und Michaela Häseli im Tessin dabei waren.

Lara Rechsteiner geniesst ihren Schweizer-Meister-Titel, sie strahlt, wenn sie an das Finalrennen und die gute Stimmung im Schwimmbecken von Tenero zurückdenkt. Euphorisch oder gar theatralisch zu jubeln sei aber nicht ihr Ding, sagt sie. Lieber geniesst sie den Erfolg in ruhiger Manier. Jenen Erfolg, den sie ihrem starken Willen zu verdanken habe, ihrem ausgeprägten Ehrgeiz und ihrer Nervenstärke, wie sie sagt. Und nicht zuletzt hat ihre gute Kondition zum Sieg geführt, antrainiert durch tägliches Velofahren auf dem rund drei ­Kilometer langen Schulweg. ­Viermal täglich, mit merklich ­Höhenmetern wohlverstanden.

Fünf Trainingseinheiten pro Woche

In der vierten Klasse ist Lara Rechsteiner dem Schwimmclub Herisau beigetreten. In die Spila-Riege des Turnvereins konnte sie altersbedingt nicht mehr, auf die Option Leichtathletik verspürte sie keine Lust. So begleitete sie eine Schulkollegin zum Bassin und brachte eine neue Sportart in die Familie Rechsteiner. Die Mutter, im Bikesport aktiv, und der Vater, ein Schwinger, sind zwar ebenso sportlich wie die Tochter, «mit dem Schwimmen waren wir aber nicht vertraut», ist von Laras Mutter zu erfahren. Inzwischen hat sich dies geändert. Die bald 15-Jährige absolviert im Normalfall fünf Trainingseinheiten pro Woche im Wasser und dazu ein konditionelles Landtraining. Als Vorbereitung auf die Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften waren es sogar noch mehr.

Auch bei den Erwachsenen dabei

Der Sport bereite ihr Freude, und deshalb sei dieser Trainingsaufwand viel mehr Ausgleich zum Schulalltag denn eine Belastung, sagt die schnelle Schweizer Nachwuchsschwimmerin über 200 Meter Brust. Aber genau dieses Training führt dazu, dass sie nicht nur im Nachwuchsbereich vorne mitmischt, sondern auch im ­Vergleich mit den Erwachsenen gut da steht. Wenige Wochen vor den Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften erreichte Lara Rechsteiner an den Schweizer Meis­terschaften der Grossen die ­achtschnellste Zeit in ihrer Paradedisziplin. «Jenes Resultat war gleichbedeutend mit dem dritten Rang in der Schweizer Jahrgangsbestenliste und brachte mich in eine Favo­ritenrolle für Tenero», so die schnelle Schwimmerin. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Dank Nervenstärke und Willen stoppte die Uhr in Tenero über 200 Meter Brust nach 2:44,14 Minuten, und Lara Rechsteiner winkte wenig später mit der Goldmedaille um den Hals vom Siegerpodest.