SCHWELLBRUNN: Die Aufmerksamkeit ausnutzen

Die erste Abstimmungsphase des Wettbewerbs «Das schönste Dorf der Schweiz» ist zu Ende. Die Nomination im Schönheitswettbewerb hat, gemäss Gemeindepräsident, positive Folgen.

Jonas Manser
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Die Gemeinde Schwellbrunn sieht die Nomination als Chance, ihr Dorf bekannter zu machen. (Bild: APZ)

Die Gemeinde Schwellbrunn sieht die Nomination als Chance, ihr Dorf bekannter zu machen. (Bild: APZ)

Jonas Manser

jonas.manser

@appenzellerzeitung.ch

Das Dorf Schwellbrunn im Kanton Appenzell Ausserrhoden macht auf sich aufmerksam. Es gibt wohl kein anderes Dorf im Appenzellerland mit einer derart starken Medienpräsenz in den vergangenen Jahren. Sei es durch TV-Sendungen wie «SRF bi de Lüt – mein Dorf» oder nun mit einer Nomination im Wettbewerb «Das schönste Dorf der Schweiz», lanciert von der «Schweizer Illustrierten» in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen SRF. Die erste Abstimmungsphase des Schönheitswettbewerbs für Dörfer wurde am 23. Mai geschlossen. Am 21. Juli werden die zwölf Finalisten bekannt gegeben. Das Gewinnerdorf darf sich für ein ganzes Jahr als «Das schönste Dorf der Schweiz» betiteln und für sich werben.

Eher ein Dürfen anstatt Müssen

«Wir hatten durchwegs positive Reaktionen», sagt Hansueli Reut­egger, Gemeindepräsident von Schwellbrunn. Die Bewohner nehmen gerne teil und schickten sogar die eigenen Fotos von ihrem Dorf ein. Die Einwohner würden sich gegenseitig animieren, so Reutegger. «Ich spüre eine gewisse Einigkeit zwischen den Gemeinden», erzählt Reutegger, wie er von Präsidenten benachbarter Gemeinden angesprochen werde. Durch die Sendung des SRF gewann das Dorf an Bekanntheit. Man sehe immer öfter Autos auf den Parkplätzen mit Nummern aus anderen Kantonen: Die touristischen Angeboten werden öfters genutzt, stellt ­Reutegger persönlich fest. Schwellbrunn sieht seine Chancen im Wettbewerb ziemlich gut. In der Ostschweiz seien nur drei weitere Dörfer nominiert worden, sie hoffen auf überregionale Unterstützung. Die Nomination stelle für die Gemeinde einen positiven Druck dar, ihr Marketing voranzutreiben. Über mögliche negativen Folgen macht sich der Gemeindepräsident keine Sorgen: Der Ansturm werde überschaubar bleiben. Falls das Dorf in die Endrunde gelangen sollte, werde sich die Gemeinde zusammen mit dem Appenzellerland Tourismus AR (Atag) weitere kommunikative Massnahmen ausdenken. Urs Berger, Geschäftsführer der Atag, ist der gleichen Meinung. Die Nomination sei eine Riesenchance, nicht nur für Schwellbrunn, sondern für das ganze Appenzellerland. Im Moment sei noch nichts Konkretes besprochen worden. Erst im nächsten Schritt würde sich die Atag am Prozess beteiligen. «Vorerst drücken wir Schwellbrunn die Daumen», sagt Berger.

Ein kleines Bergdorf in aller Munde

«Als das Bergdorf Soglio in 2015 zum schönsten Dorf der Schweiz gewählt wurde, haben wir vor ­allem über Social Media das Marketing vorangetrieben», blickt Michael Kirchner, Geschäfts­führer des Bregaglia Tourismus, ­zurück. Dabei hätten sie dank der Einheimischen schnell eine beachtliche Reichweite erreicht. Jeder nahm an den Wahlen teil und regte auch Verwandte und Freunde an, ihre Stimme abzugeben. Über den ganzen Sommer war das kleine Bergdorf im Bündnerland in aller Munde. Nicht nur der Tourismus profitierte von mehr Besuchern, sondern auch Projekte der Gemeinde erhielten eine höhere Priorität. Auch heute noch würde der Tourismus die Auszeichnung verwenden. Aber nicht mehr zu lange. Nach bald zwei Jahren würde die Wirkung des Hypes langsam nachlassen. Kirchner sieht den Wettbewerb als Chance für die touristische Entwicklung. Am Wettbewerb selbst hat er nichts zu beanstanden. Es sei nicht plötzlich ein Massentourismus entstanden. «Ausserdem könne kein Dorf zur Teilnahme gezwungen werden, denn schliesslich fällt und steht das Resultat mit den Einheimischen», so Kirchner.