Schweizer Spuren am Weissen Berg

Ungewöhnliche Begegnung am Donnerstagabend bei Sport Metzger in Wattwil: Peter Diener, im Jahr 1960 einer der Erstbesteiger des 8167 Meter hohen Dhaulagiri im Himalaya, und Richi Bolt, Leiter einer Dhaulagiri-Expedition im vergangenen Jahr, erzählten von ihren Erlebnissen.

Yvon Mutzner
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Peter Diener (links) zeigt Richi Bolt ein Stück des Transportflugzeuges, dass die erste Schweizer Expedition zum Basislager flog und danach abstürzte (siehe Kasten). (Bild: Yvon Mutzner)

Peter Diener (links) zeigt Richi Bolt ein Stück des Transportflugzeuges, dass die erste Schweizer Expedition zum Basislager flog und danach abstürzte (siehe Kasten). (Bild: Yvon Mutzner)

wattwil. «Der grösste Unterschied zwischen den zwei Expeditionen ist das Material, das wir heute zur Verfügung haben», sagte Richi Bolt aus Amden, «wir profitieren von moderner Kleidung, leichten Zelten und ausgereifter Kletterausrüstung. Alles aus Materialien, die sich hervorragend für die harten Bedingungen an den Achttausendern eignen.» Peter Diener aus Wildhaus, mit seinen 82 Jahren noch sehr munter, kommentierte die Dhaulagiri-Besteigung aus seiner Sicht. Er hatte seine Original-Ausrüstung von damals mitgebracht: Rentierfellstiefel, gewalkte Wollhandschuhe, Protectorjacke und einfache Steigeisen.

Schneesturm auf 5700 Metern

Die Bilder der Expedition von 2010, die Richi Bolt zeigte, beeindruckten durch die monumentale Schönheit der Himalaya-Berge. Beeindruckend war auch seine Schilderung des Expeditionsverlaufs: Auch die modernen Materialien hielten einem Schneesturm, der drei Tage lang tobte, nicht stand: Die Stangen der Zelte eines Höhenlagers auf 5700 Metern Höhe brachen. Überraschend waren die Bilder, die Richi Bolt im Basislager vor dem Laptop zeigen, Wetter- und Windprognose abrufend: «Die heutige Kommunikationstechnik erlaubt es uns, das Risiko zu minimieren.»

Richi Bolt hat seine Jubiläums-Expedition zum Dhaulagiri als kommerzielles Angebot organisiert. Peter Diener erinnerte sich, wie damals die Expedition finanziert worden war: «Jeder der fünf Franken spendete, erhielt eine Grusskarte vom Dhaulagiri mit den Unterschriften aller Expeditionsteilnehmer. 15 000 Menschen zahlten einen Fünfliber für eine solche Karte. Das war eine freudige Überraschung. Doch dann hatten wir ein Problem, denn damals gab es in Nepal noch keine Ansichtskarten vom Dhaulagiri und wir mussten diese im Vorfeld in der Schweiz drucken lassen. Zusammen mit der ganzen Expeditionsausrüstung verschifften wir die 15 000 Grusskarten in Genua. Nach der Besteigung des Dhaulagiri beschrifteten wir alle Karten von Hand und klebten nepalesische Briefmarken darauf. Einer von uns, von Beruf Briefträger, stempelte alle diese Karten in der brütenden Hitze auf dem Vorhof einer nepalesischen Post, damit der Stempel ganz auf den Briefmarken war.»

Gescheitert und geschafft

Die geplante Besteigung des Dhaulagiri 2010 fand nicht statt. Schwierige Wetterverhältnisse und drohende Lawinen verhinderten den Aufstieg. «Natürlich waren wir sehr enttäuscht, aber alles andere wäre zu riskant gewesen», sagte Richi Bolt. «Am Dhaulagiri wurden vor und nach uns mehrere Bergsteiger von Lawinen getötet.»

Die Jubiläums-Expedition von Richi Bolt wurde von einem Kamerateam des Schweizer Fernsehens begleitet. Die erste Folge des Dokumentarfilms wird am 10. März um 20 Uhr ausgestrahlt.