SCHWEISSEN: «Geht nicht gibt’s bei uns nicht»

Wer in einer Nische bestehen will, muss innovative Produkte entwickeln. Die Wattwiler Optrel versucht dabei, die Grenzen des Machbaren zu verschieben. Das neueste Produkt ist einzigartig.

Ruben Schönenberger
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Der neue Helm der Firma Optrel ermöglicht unter anderem ein grösseres Sichtfeld beim Schweissen. (Bild: PD)

Der neue Helm der Firma Optrel ermöglicht unter anderem ein grösseres Sichtfeld beim Schweissen. (Bild: PD)

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger@ toggenburgmedien.ch

«Schweisser sind die Spitzensportler unter den Handwerkern», sagt Marco Koch, CEO der Optrel. «Deshalb ist es wichtig, dass Schweisserhelme leicht und ergonomisch angepasst sind.» Mit dem neuesten Produkt, dem «Panoramaxx» will die Wattwiler Firma ihre führende Rolle unter den Herstellern solcher Helme behaupten.

Leicht ist die Neuentwicklung vor allem, weil man einen besseren Weg gefunden hat, das Sichtfeld des Schweissers zu vergrössern. Anstatt einfach ein grösseres Display – das Äquivalent zur früheren Schutzscheibe – einzubauen, versuchten die Tüftler der Optrel das Display näher an die Augen zu bringen. Das gelang dank eines Nasenausschnittes. «Wir sind die einzige Firma, die das anbietet», sagt Koch. «Früher hiess es, dass das mit einem Flüssigkristall-Display gar nicht möglich sei.» Die Optrel hat’s versucht. «Geht nicht gibt’s bei uns nicht», stellt Koch klar, der die Firma 2010 übernommen hatte. Der Helm ermöglicht so ein rund sechsmal grösseres Blickfeld als bei Helmen mit vergleichbaren Displaygrössen.

Unterbrechungsfreies Arbeiten dank Autopilot

Bei Innovationen orientiert sich die Optrel an drei Grundsätzen: Neue Produkte sollen den Menschen besser schützen, der Komfort des Schweissers soll gesteigert werden und schliesslich soll das Produkt diesen auch effizienter machen. Bei Letzterem hilft der neuste Helm, indem er unterbrechungsfreies Arbeiten ermöglicht. Die Dunkelstufe des Displays, also quasi die Tönung, passt sich automatisch der Helligkeit an. «Diese einzigartige Technologie konnte Optrel durch ein Patent schützen lassen», sagt Koch zum sogenannten Autopiloten.

Die hochwertige Displaytechnik ist eine der Kernkompetenzen des Wattwiler Technologieunternehmens. Vielleicht kann das Display aber bald mehr, als nur die Dunkelstufe zu ändern. «In Zukunft werden wir den Schweisshelm mit dem Internet of Things verbinden und dem Schweisser über ein Near Eye Display Informationen direkt ins Sichtfeld projizieren», sagt Koch. Denn: «Das Umfeld für exportorientierte Unternehmen mit Produktionsstandort Schweiz ist anspruchsvoll, das zwingt zu Innovation», erklärt Koch. Ebenso wichtig sei aber ein guter Vertrieb auf globaler Ebene. «Wir bewegen uns in einer Nische, deshalb sind wir auf weltweite Absatzmärkte angewiesen.» Die Nische zeigt sich auch an der Konkurrenz. «In Europa gibt’s eigentlich nur einen wesentlichen Mitbewerber. Der Rest hat seinen Firmensitz in Asien», gibt Koch einen Einblick.

Um den Absatz anzukurbeln, setzt die Firma auch auf neue Medien. Die Facebook-Seite weist fast 40000 Likes auf, auf dem eigenen Youtube-Kanal sind hochwertige Videos zu finden. Beim Verkauf ebenfalls hilfreich ist der iF Design Award, den das Unternehmen unlängst gewonnen hat.

«Innovation muss Kundennutzen bieten»

Das grosse Sichtfeld bei geringem Gewicht und das unterbrechungsfreie Arbeiten bezeichnet Koch als grundlegende Kundenbedürfnisse. Diese gelte es zu erfüllen. «Ein innovatives Produkt, das niemand will, ist keine wirkliche Innovation. Es muss einen eindeutigen Kundennutzen bieten.» Solche Innovationen will er mit seinen rund 55 Mitarbeitenden am Standort Wattwil und bei der Tochterfirma in den USA weiterhin möglich machen. Exportiert werden die Produkte in über 50 Länder. Die 1986 von André Eggenschwiler und Albert Koch gegründete Firma verkauft die Produkte allerdings nicht direkt an Endkunden, sondern an den Fachhandel.

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