Schweinereien in meinem Vorgarten

Brosmete

Astrid Zysset
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Nun ist sie also wieder da: Die berühmt-berüchtigte Olma-Zeit. Die halbe Ostschweiz macht sich auf, um landwirtschaftliche Maschinen, Kühe, Schweine und Schafe zu begutachten. So zumindest dürfte der Ursprungsgedanke der Messe gewesen sein. Das heutige Bild ist ein anderes. Und glauben Sie mir, ich weiss, wovon ich rede. Ich wohne direkt beim Olma-Getümmel. Frühmorgens muss der Weg zur Arbeit über ein paar Bierdosen angetreten werden. Auf meinem Briefkasten stehen Flaschen, vor der Eingangstüre liegen Servietten und Pommes vom Vortag. Das ist aber – ehrlich gesagt – gar nicht so schlimm. Das lautstarke Verhalten der Besucherinnen und Besucher ist da schon schwerwiegender. Dann nämlich, wenn sie in der Nacht aufgrund eines zu hohen Alkoholpegels im Blut die Treppe nach Rotmonten nicht mehr schaffen und sich verzweifelt und schwankend am Geländer festkrallen. Natürlich schafft man es auch nicht mehr, sämtliche kulinarischen Köstlichkeiten, die man verzehrt hat, bis in die heimischen vier Wände im Körperinnern zu behalten. Und: Das Balzverhalten ist einem kurzen Beschnuppern, Begrapschen und Beischlafen in aller Öffentlichkeit gewichen. Und das neben meinem Wohnungseingang, unter meinem Schlafzimmerfenster und auf dem Parkplatz davor. Die Olma-Zeit ist wahrlich nichts für mich. Landwirtschaftliche Maschinen brauche ich nicht. Und Schweine und ordinär «kuhl-es» Verhalten habe ich in meinem Vorgarten genug. Was bleibt, sind da noch die Schafe. Die gefallen mir. Die könnte ich zählen gehen. So würde ich vielleicht auch den Schlaf finden, der mir in den kommenden Tagen wahrscheinlich verwehrt bleiben wird.

Astrid Zysset