Schwarztee gegen Durchfall bei Kälbern

GAIS. In einem schweizerischen Projekt werden Heilkräuterrezepte für Nutztiere erfragt, gesammelt und auf ihre Wirksamkeit beurteilt. An der Hauptversammlung des Biorings Appenzellerland war der aktuelle Stand der Dinge zu erfahren. Geplant ist auch ein Buch.

Martin Brunner
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125 Betriebe aus dem Appenzellerland gehören dem Bioring an. (Bild: mbr)

125 Betriebe aus dem Appenzellerland gehören dem Bioring an. (Bild: mbr)

Kamille, Ringelblume, Brennnessel und mehr sind bekannte Pflanzen, von denen man weiss, bei welchen Beschwerden sie wirksam sind. Dies war dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) aber zu ungenau. Es startete zusammen mit Partnern ein Projekt, in dem Heilkräuterrezepte direkt bei den Bauern erfragt wurden. Sie stellten dabei fest, dass rund 50 Prozent dieses Wissens von den Vorfahren überliefert wurde.

Altes Wissen sammeln

Aus dem Appenzellerland haben zwar nur wenige Landwirte an der Befragung teilgenommen. Trotzdem konnte Michael Walkenhorst vom FibL bereits erstaunliche Resultate präsentieren. «Wir konnten detailliertes bäuerliches Erfahrungswissen über Arzneipflanzen-Anwendungen sammeln», sagte er. «Ziel ist aber, dieses alte Wissen nicht nur zu erfahren, sondern auch für die Praxis wieder zur Verfügung zu stellen.» Das ist bereits gelungen. Bis heute sammelten die Forscher aus einigen hundert Rezepten über tausend Anwendungen. Entscheidend dabei ist aber auch, dass sie Informationen zu Herstellung der Rezepte, Dosierung, Anwendungsgebieten, Verabreichungsart, Einsatzhäufigkeit und vielem mehr bekamen. «Erfreulich ist, dass Heilpflanzen heute auch tatsächlich zum Einsatz kommen und die Bauernfamilien mit deren Wirksamkeit beim Menschen zufrieden sind.»

«Mit diesem Wissen ziehen wir positive Rückschlüsse auf die zu erwartende Wirksamkeit bei Nutztieren», erklärte Walkenhorst. Die Chancen stehen somit gut, dass das alte Wissen zu den Heilkräutern erhalten bleibt und auch bei den Nutztieren hilfreich sein wird. Das bedeutet, dass sich mit der Zeit durchsetzen könnte, dass Schwarztee oder Kamille wieder vermehrt gegen Durchfall bei Kälbern eingesetzt werden oder Kümmel bei Bauchweh. «Kaffee hilft zum Beispiel bei Stoffwechselstörungen. Leinsamen und Brennnessel stärken allgemein.»

Geplant ist, dereinst ein Buch dazu zu verfassen und eine Website zu erstellen. «Das dürfte aber erst nach Abschluss des Projektes im Jahr 2016 der Fall sein, wenn wir die Interviews in der ganzen Schweiz geführt haben werden.»

Viel Biomilch produziert

An der Hauptversammlung des Biorings Appenzellerland betonte der Präsident Albert Neff, dass man dort Einfluss nehmen sollte, wo es möglich sei. Oft nütze es viel mehr, im Kleinen Positives zu bewirken. 125 Betriebe aus dem Appenzellerland gehören dem Bioring an.

Das Vorstandsmitglied Ruedi Hugener wies auf die 222 000 Tonnen Biomilch hin, die im Jahr 2014 bis November produziert worden waren. Das sind 4,3 Prozent oder rund zehn Tonnen mehr als in der Vergleichsperiode zum Vorjahr. Der Markt sei aber nur um 2,7 Prozent gestiegen, was bedeute, dass viel Biomilch in den konventionellen Kanal geflossen sei, sagte er.

Mit dem Fleischsektor war Ernst Nägeli zufrieden. Gesucht seien vor allem Biokalb- und Biorindsfleisch. Der Ausserrhoder Bauernpräsident Ernst Graf war sich bewusst, dass es auch im Biolandbau nicht ohne Antibiotika gehe. Er forderte die Bauern aber auf, vorsichtig damit umzugehen.