Schwägalp
Trainieren in dünner Luft: Wie sich drei Radprofis auf der Schwägalp auf die Tour de Suisse vorbereiten

Im Hinblick auf die grösste Radrundfahrt der Schweiz absolvieren die Profis Stefan Küng, Stefan Bissegger und Jonas Rutsch ein Höhentraining auf der Schwägalp. Noch erschweren die rauen Witterungsverhältnisse im Alpstein den Sportlern die Trainings.

Lilli Schreiber
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Die Schweizer Radrennfahrer Stefan Küng und Stefan Bissegger beim Spassparcours während des Sporttreffens auf dem Säntis.

Die Schweizer Radrennfahrer Stefan Küng und Stefan Bissegger beim Spassparcours während des Sporttreffens auf dem Säntis.

Bild: Lilli Schreiber

Mit dem Zeitfahren in Frauenfeld am 6. Juni startet die diesjährige Tour de Suisse. Auf der Schwägalp findet im Vorfeld wieder ein Höhentrainingslager statt. Die Schweizer Radrennfahrer Stefan Küng und Stefan Bissegger sowie der deutsche Teamkollege Jonas Rutsch wohnen während dreier Wochen auf dem Säntisgipfel und trainieren auf der Schwägalp, um sich optimal auf die Radrundfahrt vorzubereiten. Das Motto des Höhentrainings lautet: «Living high, training low.»

Organisiert und finanziert wird dieses Training von Micarna. Das Unternehmen sponsert seit 15 Jahren regionale und nationale Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer. Aktuell zählt das Micarna-Team 65 Mitglieder, unter ihnen einige Olympia-Sieger, 10 Weltmeister und 15 Europameister, die aus ganz unterschiedlichen Disziplinen stammen. Von der populären Leichtathletik übers Schwingen bis hin zu Randsportarten wie dem Indoor-Klettern ist alles vertreten.

Ein körperliches und mentales Erfolgsversprechen

17 Sportlerinnen und Sportler des Teams waren am Mittwochmorgen auf dem Gipfel zu Gast. Ehrengast war der ehemalige Schweizer Radrennfahrer Beat Breu. Urs Huwyler, Sportjournalist und Koordinator des Micarna-Teams, moderierte das Treffen.

Stefan Küng, Schweizer Radrennfahrer.

Stefan Küng, Schweizer Radrennfahrer.

Bild: Lilli Schreiber

Vorgestellt wurde das vor eineinhalb Wochen gestartete Höhentrainingslager von Stefan Bissegger und seinem deutschen Teamkollegen Jonas Rutsch selbst. Der ehemalige Europameister Stefan Küng wird erst noch auf den Säntis ziehen und bis kurz vor Start der Tour dort bleiben.

Während Rutsch bereits erste Leistungssteigerungen durch das Höhentraining auf der Schwägalp erlebt hat, setzt Küng vor allem auf den mentalen Erfolg eines Höhentrainingslagers. Der 27-jährige Thurgauer hat in seiner Karriere schon mehrfach in der Höhe trainiert. Er sagt:

«Hier oben auf dem Säntis muss ich mich zwangsläufig mit mir selber beschäftigen. Ich bereite mich somit auch gleich mental auf die Rennen vor.»

Mehr rote Blutkörperchen, mehr Leistung

Beim Trainieren in der Höhe sind Sportlerinnen und Sportler wegen des geringeren Sauerstoffgehalts stärker gefordert. Dies führt zu einem besseren Leistungsvermögen im Flachland. Stefan Bissegger sagt: «Wir können auf 2500 Metern über Meer mehr rote Blutkörperchen produzieren. Das erhöht die Sauerstoffkapazität.» Eine Steigerung von bis zu 5 Prozent soll dabei möglich sein.

Dieser Vorgang brauche allerdings seine Zeit, erklärt Urs Huwyler. Um die Sauerstoffkapazität langfristig zu steigern, ist eine Mindestdauer von 3 bis 4 Wochen, bei 14 Stunden Training pro Tag erforderlich. 5 Wochen wären zwar noch idealer, sagt Huwyler, aber so lange hätten die Radrennfahrer nicht Zeit.

Aber auch ein Kraftzuwachs sei schon durch Höhentrainings zu beobachten gewesen, erzählt Huwyler. Einen Kraftraum gibt es aber aus Kostengründen nicht mehr auf dem Säntisgifpel. «Krafttraining in dieser Höhe muss ständig überwacht werden, was schlichtweg zu teuer ist», erklärt der Koordinator des Micarna-Teams.

Seit über 50 Jahren beliebt

Bereits 1968 kamen Leistungssportlerinnen und Leistungssportler auf die Schwägalp, um sich vorzubereiten. Als das Engadin für Höhentrainingslager an Bekanntheit gewann, lief es der Schwägalp kurzerhand den Rang ab.

Um das Jahr 2000 sollte sich das aber wieder ändern und 2018 wurde ein Höhentrainingszentrum auf der Schwägalp errichtet. Erstmals kamen wieder vermehrt Sportlerinnen und Sportler zum Trainieren auf die Schwägalp. So auch Stefan Küng, der aufgrund des schlechten Wetters sein Höhentraining in St.Moritz annullierte.

Um sich an die Verhältnisse auf 2500 Metern über Meer zu gewöhnen, hat Stefan Küng mehrere Höhengeneratoren in seinem Schlafzimmer installiert, mit denen er eine identisch dünne Luft wie auf der Schwägalp simuliert. «Zwei Schläuche blasen sauerstoffarme Luft in das Zimmer», sagt der Radrennfahrer. «Ich kontrolliere den Wert dann ständig mit einem Messgerät. Die Fenster bleiben zu.»

Kein Höhenkoller in Aussicht

«Die Verhältnisse auf der Schwägalp wären normalerweise optimal für die sportliche Vorbereitung in der Höhe», erklärt Stefan Bissegger. Aktuell habe man aber Pech mit dem Wetter. «Durch den starken Wind der letzten Tage konnte die Seilbahn nicht fahren und Jonas Rutsch und ich waren ganz alleine hier oben», bedauert der Radrennfahrer.

Stefan Bissegger, Schweizer Radrennfahrer.

Stefan Bissegger, Schweizer Radrennfahrer.

Bild: Lilli Schreiber

Das Trainieren sei ihnen daher schwergefallen, sagt auch Rutsch. Lediglich auf Rollentrainern, die auf dem Säntisgipfel bereitstehen, hätten sie trainiert. «Auf der Schwägalp konnten wir bisher nur zweimal Rad fahren», sagt Bissegger. Auf die Frage, ob er schon einen Höhenkoller habe, sagt er:

«Nein, aber es kann hier oben durchaus mal langweilig werden. Ich vermisse es, nur auch mal einfach so vor die Tür gehen zu können.»

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