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SCHWÄGALP: Schlafen im Drei-Sterne-Hotel

Für die Sommeraktion haben wir uns eine Nacht im «Säntis – das Hotel» einquartiert. Ein Berghotel gibt es am Fusse des Säntis, seit die Schwebebahn 1935 eröffnet wurde. Jetzt scheinen auch Asiaten die eindrückliche Landschaft zu entdecken.
Patrik Kobler
Die Felswand verwandelt sich im Abendlicht zu Gold: Blick hinauf zum Säntisgipfel. (Bilder: Patrik Kobler)

Die Felswand verwandelt sich im Abendlicht zu Gold: Blick hinauf zum Säntisgipfel. (Bilder: Patrik Kobler)

Patrik Kobler

patrik.kobler@appenzellerzeitung.ch

Zugegeben, es war nicht die einfallsreichste Idee, im neuen Hotel auf der Schwägalp zu übernachten. Aber wie so viele Appenzeller wollte ich das sowieso mal tun. Denn es ist einfach wunderschön da oben auf gut 1300 Metern über Meer – vor allem, wenn die Menschenmassen wieder ins Tal gezogen sind, sich die Nacht über die mächtige Felswand senkt und die Sterne am Himmel funkeln. Früher haben wir jeweils unsere Schlittelweekends mit der Pfadi in der Bellis-Hütte verbracht. Jetzt, im fortgesetzteren Alter, kann man sich statt den Massenschlag eine Nacht im Drei-Sterne-Hotel gönnen. Dort waren sogar Bademantel und Schlarpen für den Ausflug in den Wellnessbereich gerichtet – aber der Sommertag war so herrlich, dass sich stattdessen ein Spaziergang anbot.

Man muss nur einige Schritte gehen und ist dem Trubel bei der Talstation der Säntisbahn schon entkommen. Auf fünf Themenwegen gibt es allerlei Wissenswertes über die Themen «Moor», «Mensch & Umwelt», «Alpwirtschaft», «Wald» sowie «Geologie» zu erfahren. Meine bessere Hälfte trumpft im Naturerlebnispark gross auf und weiss zu jedem Blümchen einen Namen. Mir gefallen besonders die weissen Rasierpinsel, Wollgräser genannt. Sie kommen in Hochmooren oder Waldsümpfen auf sauren Torfböden vor. Tipp: Wer auch einmal seinen Partner im Naturerlebnispark beeindrucken will, auf der Seite Naturerlebnispark.ch könnte man sich vorbereiten. Freilich kann auch einfach die eindrückliche Landschaft genossen werden. Umso mehr sich der Namen Schwäg­alp vom veralteten Wort «Schweige» ableiten soll – allerdings handelte sich dabei um eine Bezeichnung für Viehweide.

Schon seit mehr als 1000 Jahren Weidland

Schon seit mehr als 1000 Jahren ist die Schwägalp Weidland. Viel über die Geschichte ist dem Alpkataster zu entnehmen. Demnach scheint die Alp vorerst in Privatbesitz gewesen zu sein. 1353 verkaufte Konrad Waibel die Schwägalp, die er von seinem in Hundwil sesshaften Vater geerbt hatte, an das Kloster St. Gallen. In den Appenzellerkriegen soll die Alp von den ehemaligen Untertanen der Abtei beschlagnahmt und in den Besitz der beiden Rhoden Urnäsch und Hundwil gelangt sein. Seit dem 16. Jahrhundert bis heute ist die Nutzung der Weiden und Wälder auf genossenschaftlicher Basis geregelt. Diese Organisation dürfte sich gemäss Alpkataster aus der Grösse der Alp und der erheblichen Last für den Unterhalt von Brücken und Wegen ergeben haben.

Mit dem Bau der Passstrasse Anfang der 30er-Jahre und der Eröffnung der Säntis-Schwebebahn 1935 wurde die Schwägalp zum beliebten Ausflugsort. In der Urnäscher Dorfchronik steht, dass bereits 1896 eine Strassenverbindung von Urnäsch über den Kräzerenpass nach Krummenau ein Thema war. Es dauerte aber bis am 1. November 1933, bis die Bauarbeiten starten konnten. Mit dem Bau wurde die Firma Biasotto mit Steinmann & Co in Wattwil beauftragt. Interessant: Die Zusammenarbeit mit einer St. Galler Firma wurde abgelehnt, weil man befürchtete, dass die Verpflichtung dieser maschinell besser ausgerüsteten Firma zur Folge hätte, dass weniger Handarbeit geleistet und eine geringere Anzahl Arbeitslose beschäftigt werden könnte. Der Bund leistete eine Subvention von 50 Prozent. Diese hohe Subvention war damit begründet, dass der Bau der Strasse als bedeutende Notstandsarbeit in der Zeit der drückenden Arbeitslosigkeit eingeschätzt wurde. Trotz der Subvention war die finanzielle Belastung für die Gemeinde «ganz gewaltig», heisst es in der Chronik weiter. Deshalb habe im Winter 1934 einer der Wirte im Dorf geschimpft, der Gemeinderat sei eine «mindere Gesellschaft», denn er bringe die Gemeinde «durch den in Angriff genommenen Strassenbau ins tiefste Elend». Das Gemeindegericht verurteilte ihn daraufhin wegen Amtsehrverletzung zu einer Busse von 100 Franken.

Mit der Bahn öffnete 1935 auch das Berghotel. 80 Jahre hat es Gäste beherbergt, bis es im vergangenen Jahr abgebrochen wurde, weil 2015 der Neubau bei der Talstation der Schwebebahn ­bezogen werden konnte. 42 Millionen hat die Säntis-Schwebebahn in das neue Hotel mit 68 Zimmern, Seminarräumlichkeiten und dem erwähnten Wellnessbereich investiert. Der Neubau löste kontroverse Reaktionen aus. Der «Blick» sprach von Luxusbunker, andere von Betonklotz. Die kritischen Stimmen scheinen inzwischen verstummt zu sein, dafür werden immer mal wieder Klagen über das unfreundliche Personal laut. Bei unserem unangekündigten und selber berappten Besuch gab es allerdings keinerlei Grund zu ­klagen – ausnahmslos alle waren sehr freundlich. Gastgeber Remo Brülisauer ging am Abend sogar von Tisch zu Tisch und begrüsste die Gäste. So fühlt man sich doch willkommen.

Überraschenderweise übernachtete an diesem Tag auch eine Gruppe Asiaten im Hotel. Man hätte sie eher in Luzern, im Berner Oberland oder im Wallis vermutet. Schliesslich besitzt der Säntis nicht die internationale Strahlkraft der Kapellbrücke, des Jungfraujochs oder des Matterhorns. Keine Ahnung, was man in Hongkong über den Säntis und die Nacht auf der Schwägalp berichten wird. Uns hat es gefallen: Die Zimmer sind komfortabel, das Essen gut und die Landschaft wunderschön. Das eigentliche Highlight mussten wir aus Zeitgründen leider auslassen – die Fahrt auf den Säntis. Im Preis inbegriffen sind auch die Berg- und Talfahrt mit der Schwebebahn sowie das Frühstück. Bei 240 Franken fürs Doppelzimmer kann man da nicht meckern.

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