Schutz auch vor wilden Hunden

STEIN. Siebzig Milchschafe weiden auf der Alp Badhus ob Stein. Mitten unter ihnen bewegt sich die Hündin. Ihr Fell so weiss und flauschig wie das der Schafe. Die Hündin schützt ihre Herde wie ihre Familie, auch vor wilden Hunden.

Yvon Mutzner
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Familie Rutz ist erleichtert: Seit sie ihren Herdenschutzhund haben, wurde kein Schaf mehr gerissen. (Bild: Yvon Mutzner)

Familie Rutz ist erleichtert: Seit sie ihren Herdenschutzhund haben, wurde kein Schaf mehr gerissen. (Bild: Yvon Mutzner)

«Sechs tote Schafe in einem Alpsommer – das war sehr schlimm.» Urs Rutz, Bauer und Milchschafzüchter aus Stein, war wütend und verdächtigte den Luchs. Eine genaue Untersuchung mit dem Wildhüter zeigte ein anderes Bild. Wildernde Hunde hatten die Schafe gerissen. Urs Rutz wusste, dass er etwas unternehmen musste und besorgte sich einen Herdenschutzhund. «Ich konnte nicht Tag und Nacht meine Schafe auf der Alp bewachen.»

Hund und Schafe – eine Familie

In der Herde ist die Schutzhündin beinahe nicht zu erkennen. Ihr Fell leuchtet hell wie das der Schafe und wenn sie in oder um die Herde geht, geht sie wie ein Schaf. Zwischen den so unterschiedlichen Tieren scheint eine geheimnisvolle Übereinkunft zu bestehen. Das hat seinen Grund: Die Hündin ist im Schafstall zur Welt gekommen und zusammen mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter unter den Schafen aufgewachsen. Die Schafherde war ihre Familie.

Die Schafherde ist noch heute ihre Familie und so beschützt die Hündin, mittlerweile erwachsen geworden, die Familie. Sie sind Tag und Nacht beisammen auf der Weide oder auf der Alp. Wird ein Lamm geboren, beschnuppert die Hündin es nach der Geburt.

Die Mutterschafe nehmen dies gelassen hin und die Hündin weiss nach dem Beschnuppern, welches Lamm zu ihrer Herde gehört.

Dagegen dauerte es zwei Tage, bis die Hündin einen Schafbock akzeptierte, den der Bauer von aussen in die Herde brachte. Das Leben von klein auf in der Schafherde mache eine spezielle Ausbildung überflüssig, erklärt Urs Rutz: «Herdenschutzhunde sind nicht auf Menschen fixiert wie die meisten Hunde, sondern ihre Aufmerksamkeit gilt den Schafen.»

Aufmerksam auf alle Schafe

Zögernd kommt die Herdenschutzhündin herbei, wenn der Bauer ruft und immer behält sie die Herde im Blick. Sie anerkennt Urs Rutz als ihren Meister und lässt sich von ihm und seiner Familie berühren. Fremde Personen oder Tiere bellt sie an und scheucht sie auf Distanz.

Der Bauer selbst kommt nur morgens und abends zum Melken auf die Alp, tags- und nachtsüber ist die Schutzhündin alleine mit der Herde.

Bis jetzt hat das funktioniert; Urs Rutz ist zufrieden: «Seit die Hündin bei den Schafen lebt, habe ich kein einziges Tier mehr verloren. Das finde ich erstaunlich, denn neben wildernden Hunden und Luchsen gibt es hier auch Adler, die kleine Lämmer holen. Die Schutzhündin scheint die Gefahr auch aus der Luft zu erkennen.»

Alle Lämmer haben überlebt

Der Bauer freut sich über das Tier, das er vor zwei Jahren im Alter von sieben Monaten von einem Züchter im Misox kaufte: «Diesen Sommer hatte ich viele neugeborene Lämmer auf der Weide und ich habe mit Verlusten gerechnet. Aber alle Lämmer haben überlebt. Manchmal frage ich mich, ob die Hündin niemals schläft.»