Schulzimmer im Dachgeschoss

Am Mittwochabend informierte Schulratspräsident Werner Raschle über die geplante Sanierung des Schulhauses Baumgarten in St. Peterzell. Da neben energetischen Verbesserungen auch bauliche Massnahmen nötig sind, wird das Projekt mit rund 3,27 Millionen Franken veranschlagt.

Urs M. Hemm
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Der Pavillon, rechts im Bild, wird abgerissen, und im Eingangsbereich soll ein Aufenthaltsraum entstehen.

Der Pavillon, rechts im Bild, wird abgerissen, und im Eingangsbereich soll ein Aufenthaltsraum entstehen.

ST. PETERZELL. Mangelhafte Isolierung, ein Provisorium, welches mittlerweile seit zwölf Jahren besteht und Asbest in Bodenbelägen, der Fassade sowie in der Bedachung – das im Jahr 1973 erbaute Schulhaus Baumgarten ist in die Jahre gekommen und weist, gemessen an heutigen Standards, wesentliche Baumängel auf. «Bauliche Massnahmen haben sich in all diesen Jahren nicht aufgedrängt, doch jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir etwas unternehmen müssen», sagte Werner Raschle, Schulratspräsident der Schule Oberes Neckertal. Am Mittwochabend informierte er vor Ort über das geplante Gesamtsanierungsprojekt, dessen Realisierung insgesamt 3,27 Millionen Franken kosten soll.

Neues Raumkonzept

Auslöser für das Bauvorhaben war eine energetische Abklärung durch Energietal Toggenburg. Diese ergab, dass durch entsprechende Massnahmen mehr als 100 000 Kilowattstunden pro Jahr an Wärme und Licht eingespart werden könnten. «Daher ist die Sanierung der Gebäudehülle die Kernaufgabe des Projekts», sagte Projektleiter Jan Büchel vom ausführenden Architekturbüro Formateam AG, Bütschwil. In erster Linie gehe es dabei um den Ersatz sämtlicher Fenster. «Es hat hier teilweise noch Fenster aus dem Jahr 1973, ohne Gummidichtungen und mit normaler Verglasung.» Dann werde die ganze Fassade mit einer 16 Zentimeter starken Aussendämmung neu isoliert. «Damit können Top-Werte erreicht werden, wie man sie heute von Neubauten kennt», erläuterte Büchel. Zur Gebäudehülle gehöre auch das Dach, bei welchem schon im Vorfeld die Vermutung bestand, dass es schadstoffhaltig sein könnte, was sich denn auch bewahrheitet habe. «Aufgrund dieser Erkenntnisse habe die Baukommission den Entschluss gefasst, eine nachhaltige Schadstoffsanierung zu machen, dass dieser öffentliche Bau von Schadstoffen befreit werden muss.» Diese Entscheidung habe schliesslich Türen für bessere Ideen geöffnet, als dass man das Dach einfach wieder mit Platten zudeckt. Daher sei auf der Fläche nach Osten hin eine rund 430 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage geplant, die gemäss Werner Raschle einen jährlichen Ertrag von knapp 43 000 Franken erwirtschaften soll.

Grundsätzliches Ziel bei Bauten sei es, die beheizbare Fläche in einen kompakten Baukörper zu verpacken. So brauche es weniger Energie, um diesen aufzuheizen, erläuterte Büchel. Denn über die Fassade verliere jedes Bauwerk Wärme. Darum versuche man immer, möglichst viel Volumen mit möglichst kleiner Oberfläche zu realisieren. «Aus diesem Grund wollen wir den Dachraum nutzen, indem wir den Pavillon, der jetzt an das Schulgebäude angrenzt, quasi auf das Dach setzen», sagte Büchel. Die bestehenden Oberlichtschächte sollen dann als Zugang zum Dachgeschoss genutzt werden, womit das Dachgeschoss ebenfalls ins beheizbare Volumen integriert sein werde. Als letzte Neuerung im Raumkonzept stellte Jan Büchel die Pläne für den neuen Aufenthaltsraum für die Schüler vor. Dafür werde die Freifläche des überdachten Eingangsbereichs ins Gebäude mit einbezogen, womit rund 90 Quadratmeter beheizte Fläche geschaffen werden können.

Im Innenraum wird im hinteren Bereich des Gebäudes ein Lift eingebaut. Zudem müssten aus feuerpolizeilichen Gründen verschiedene Anpassungen vorgenommen werden, insbesondere die Holzdecken in den Gängen müssten durch feuerfestes Material ersetzt werden. Des Weiteren sollen sämtliche Lichter wie auch die sanitären Anlagen erneuert werden. «Alles andere könnte man unter dem Oberbegriff <Pinselrenovation> zusammenfassen, schloss Jan Büchel seine Erläuterungen zur Innenrenovation.

Dient der Standortsicherung

Den grössten Teil der Kosten von 3,27 Millionen Franken werde mit rund 1,16 Millionen Franken die Sanierung der Gebäudehülle ausmachen. Die Umsetzung des Raumkonzepts sowie die innere Sanierung sollen 880 000 respektive 590 000 Franken kosten. Die restlichen 1,8 Millionen Franken verteilen sich auf die Asbestsanierung, die Erdbebensicherheit, auf die Installation der Photovoltaikanlage, die Verlegung des Schulleiterbüros ins Schulhaus Dorf sowie auf Baustelleninstallationen, Abbrüche und Provisorien.

«Hinsichtlich des sinkenden Finanzbedarfs der Schule und der positiven Entwicklung der Schülerzahlen in den kommenden Jahren ist diese Investition der einzig richtige Entscheid», betonte Werner Raschle. Zudem diene eine moderne Schule der Standortsicherung und bewege vielleicht die eine oder andere Familie dazu, sich hier niederzulassen.

Stimme die Bevölkerung an der Schulbürgerversammlung vom 23. März dem Kredit zu, soll bereits im Juni mit den ersten Bauarbeiten begonnen werden. Lärmintensive Arbeiten sollen nach Möglichkeit während der Schulferien durchgeführt werden. Dennoch werde die Verlegung von Lektionen ins Schulhaus Dorf nicht zu vermeiden sein, so Raschle. Verlaufe alles nach Plan, soll die renovierte Schule im August 2016 bezugsbereit sein.

Durch die kompakte Bauweise lässt sich das Schulhaus nach der Sanierung sparsamer beheizen. (Bild: Hemm Urs)

Durch die kompakte Bauweise lässt sich das Schulhaus nach der Sanierung sparsamer beheizen. (Bild: Hemm Urs)

Die gesamte Dachfläche des Schulhauses Baumgarten ist zurzeit ungenutzt. (Bilder: Urs M. Hemm)

Die gesamte Dachfläche des Schulhauses Baumgarten ist zurzeit ungenutzt. (Bilder: Urs M. Hemm)

Anstelle des Pavillons sollen im Dachgeschoss ein Schul- sowie ein Sitzungszimmer entstehen. (Bild: Visualisierungen: pd)

Anstelle des Pavillons sollen im Dachgeschoss ein Schul- sowie ein Sitzungszimmer entstehen. (Bild: Visualisierungen: pd)

Jan Büchel Projektleiter, Architekturbüro Formateam AG, Bütschwil

Jan Büchel Projektleiter, Architekturbüro Formateam AG, Bütschwil

Werner Raschle Schulratspräsident Schule Oberes Neckertal

Werner Raschle Schulratspräsident Schule Oberes Neckertal

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