Schulweg war erstes Training

Patrick Schelling gewann die Schweizer Meisterschaft im Bergrennenfahren in der Altersgruppe U23. Jetzt strebt der 20jährige Hemberger eine Karriere als Profi-Radrennfahrer an.

Tanja Trauboth
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Hemberg. Es regnet in Strömen. Patrick Schelling hat das Siegertrikot angezogen und geht die Strasse hinunter, um sein Velo zu holen, für das Foto zu diesem Artikel. Trainieren wird er heute nicht. Ein Strassenbauarbeiter kommt ihm entgegen, tritt in den Gastraum des Restaurants Hörnli. Als er den jungen Radrennfahrer im roten Trikot mit Schweizerkreuz sieht, hellt sich sein Gesicht auf, er begrüsst ihn. Hier wuchs Patrick Schelling auf. Letztes Jahr machte er an der Wattwiler Kantonsschule Matura.

Es war die Kanti, die ihn zum Radsportler machte. Jeden Morgen fuhr er mit dem Velo von Hemberg hinunter zum Unterricht und am Nachmittag wieder hinauf. Vor allem die ersten zwei Kilometer des Weges sind sehr steil. Wer da nach einem Tag mit Differenzialrechnungen und Vokabelabfragen noch locker hinauf strampelt, hat das Talent zum Radrennfahrer. Das realisierte Patrick Schelling vor drei Jahren und bestritt seine ersten Rennen. Bereits im letzten Jahr wurde er Schweizer Meister im Bergrennen in der Kategorie U19.

Dieses Jahr, an der Schweizer Meisterschaft im jurassischen Montfaucon schaffte er es nochmal, diesmal in der Kategorie U23.

Er will Profi werden

«Du bist Schweizer Meister. Super! Gut gemacht! Ich gratuliere dir», ruft der Mann im neonroten Anzug und setzt sich mit zufriedenem Gesichtsausdruck an den Tisch. Patrick Schelling arbeitet auch auf dem Bau, zum Broterwerb. Er will Profi-Radrennfahrer werden. Das Maschinenbaustudium an der ETH hat er vorerst zurück gestellt.

Die körperliche Arbeit auf dem Bau bezahlt ihm den Lebensunterhalt, bringt aber auch Kondition. Noch decken die Sponsorengelder erst die Ausgaben für den Radsport. Das harte Training sieht man Patrick Schelling nicht an. Er ist 1,74 Meter gross und dünn. Bergfahrer seien eben drahtige Typen mit viel Ausdauer, den Marathonläufern ähnlich, sagt er. Dicke Muskeln sind schwer und brauchen Sauerstoff. Ein Profi muss aber auch die beiden anderen Disziplinen des Radsports können.

Er muss auch im Zeitfahren und beim Strassenrennen gut sein. Das weiss Patrick Schelling und trainiert entsprechend, 15 bis 25 Stunden in der Woche, manchmal werden es auch 30. Am Wochenende sind jeweils Rennen. Am letzten gleich drei. Auf seiner Homepage führt der junge Radrennfahrer einen Blog, in dem er die Eindrücke bei seinen Rennen beschreibt.

Fast immer zuvorderst

Die Schweizer Meisterschaft wird in zwei Teilen durchgeführt. Zuerst gehen alle Fahrer der vier Kategorien gleichzeitig an den Start. Damen und Herren Elite (die oberste Kategorie mit den Fahrern, die an der Schwelle zum Profi stehen und älter als 22 sind) und die Junioren U19 und U23. Der zweite Teil, drei Stunden später, ist ein Verfolgungsrennen. Zuerst startet der Beste aus dem ersten Lauf, dann die anderen, im Abstand ihres Rückstandes. Patrick Schelling ging als Fünfter an den Start.

Vor ihm waren ältere Elitefahrer. Zuerst war es Teamarbeit. Zusammen mit seinem Kollegen Toni Lussi wehrte er die Angriffe des ehemaligen Profis Roger Beuchat ab. «Ich war fast die ganze Zeit vorne», erzählt er. Beim Bergrennen habe man kaum Vorteile vom Windschatten des Vordermannes. Kurz vor dem Ziel nahm der junge Hemberger alle seine Kraft zusammen und startete durch. Er kam als Vierter ins Ziel. Die drei vor ihm waren aber Elitefahrer und so wurde er Schweizer Meister der U23.

Bringt das Radrennfahren etwas für das Leben? Patrick Schelling sagt: «Man entwickelt Durchhaltewillen.» In der Schlussphase eines Rennens gehe er voll an die Grenzen, probiere alles, der Puls am Maximum. «Jedes Radrennen ist ein Kampf mit sich selbst.»

www.patrickschelling.ch

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