Schulsanierung und neue Abwasserlösung: Hundwil hat grosse Investitionen zu bewältigen

Auf die Gemeinde Hundwil kommen in den nächsten Jahren hohe Kosten zu. Mehr Geld aus dem Finanzausgleich und tiefere Personalkosten könnten helfen, grössere Finanzprobleme abzuwenden.

Karin Erni
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Das Hundwiler Abwasser soll in der Kläranlage St. Gallen-Au gereinigt werden.

Das Hundwiler Abwasser soll in der Kläranlage St. Gallen-Au gereinigt werden.

Benjamin Manser

Erstmals in der neueren Geschichte musste die Gemeinde Hundwil eine öffentliche Versammlung absagen. Themen wären die Abstimmungsvorlagen vom 29. November gewesen. Die Hundwilerinnen und Hundwiler befinden über den Voranschlag 2021. Dieser sieht bei einem Aufwand von gut acht Millionen Franken einen Aufwandüberschuss von knapp 88’000 Franken vor. Der Steuerfuss soll bei 4,7 Einheiten verbleiben. Am Wahlsonntag stimmen die Hundwiler zudem über den Grundsatzentscheid zum Anschluss ihrer Abwasseranlage – gemeinsam mit Stein und Teufen – an die ARA Au in St. Gallen ab.

Schulhaussanierung ist überfällig

Einer der Gründe für den Ausgabenüberschuss ist die Sanierung der Aussenhülle des Schulhauses Mitledi, die mit 1,1 Millionen zu Buche schlägt. Seit dem Bau im Jahr 1974 wurde am Klassentrakt Nord keine Veränderung mehr an der Gebäudehülle vorgenommen. Das Gebäude entspricht nach 45 Jahren nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Sanierung der Fassaden und Fenster soll helfen, Heizkosten zu sparen und im Sommer die Überhitzung in den Schulzimmern zu vermeiden. Durch bauliche Verstärkung soll der Dachstuhl künftig den heute gültigen Anforderungen entsprechen und die Sicherheit gewährleisten. 400’000 Franken der Baukosten werden zu Lasten der Erfolgsrechnung und 700’000 Franken in der Investitionsrechnung verbucht. 100’000 Franken der im letzten Jahr zusätzlich getätigten Abschreibungen werden aufgelöst, was das Ergebnis verbessert. Auf die Schulden hat dies jedoch keinen Einfluss. Hier muss die Gemeinde Acht geben, dass der Nettoverschuldungsquotient von derzeit 173 in den kommenden Jahren nicht über die kritische Marke von 200 hinausschiesst.

Margrit Müller, Gemeindepräsidentin Hundwil.

Margrit Müller, Gemeindepräsidentin Hundwil.

PD

Aus dem kantonalen Finanzausgleich kann Hundwil mit 150’000 Franken mehr rechnen als 2020. Geringere Aufwendungen konnte die Gemeinde bei den Personalkosten vorsehen, einerseits weil sie das Grundbuchamt nach Waldstatt verlegen wird und anderseits weil das Pensum für die Grundbuchbereinigung wegfällt. Der Hauptgrund für die Zusammenlegung sei aber das fehlende Fachwissen nach dem Abgang des Grundbuchverwalters gewesen, sagt Margrit Müller.

Hundwiler Abwasser soll nach St. Gallen fliessen

Am Wahlsonntag stimmen die Hundwiler über den Grundsatzentscheid zum Anschluss ihrer Abwasseranlage – gemeinsam mit Stein und Teufen – an die ARA Au St. Gallen ab. «Unsere ARA Schmitten ist veraltet. Ersatzteile der technischen Anlagen sind nicht mehr erhältlich und ein Weiterbetrieb wäre nicht wirtschaftlich», sagt Margrit Müller. Die bestehende ARA Schmitten in Hundwil soll lediglich noch Pumpwerk werden. Die Klärbecken dienen als Reservebecken. Die neue Pumpleitung verläuft über die alte, nicht mehr gebrauchte Quellwasserleitung zum Anschlusspunkt in Schachen, Stein und von dort nach St. Gallen. Bis der gesamte Anschluss nach St. Gallen erstellt werden kann, könnte das Abwasser übergangsweise in der ARA Mühltobel, Teufen gereinigt werden. Die Stadt St. Gallen verzichtet auf eine Einkaufssumme in das Kanalnetz. Hingegen müssen sich Teufen, Stein und Hundwil im Verhältnis der angeschlossenen Einwohner in die ARA Au einkaufen. Für Hundwil macht das 100'000 Franken aus. Nach Abzug des Gewässerschutzbeitrags bleiben der Gemeinde Hundwil Kosten gemäss Budgetprojekt 1,95 Millionen Franken. Mit den Bauarbeiten für die Leitung nach Stein soll im kommenden Jahr begonnen werden.

Keine Diskussion, aber genügend Information

Die Stimmbürger konnten die wichtigsten Infos dem Edikt entnehmen und sich detailliertere Informationen aus dem Internet herunterladen. «Wenn jemand keinen Computer hat, kann er sich die Dokumente auch auf der Gemeindekanzlei abholen», erklärt Margrit Müller auf Anfrage. «Wir fanden es einfach nicht mehr der heutigen Zeit entsprechend, so viel Altpapier zu produzieren.»